Neues beim Delikatessen-Urgestein

Mühlheim: „Obst & Käse Stübchen“ wechselt nach 36 Jahren Besitzer und Namen

Das „Obst & Käse Stübchen“ heißt bald „Alexandras Marktstübchen“: Rainer und Monika Oberth (links) übergeben ihr Geschäft an Alexandra und Stefan Scior.
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Das „Obst & Käse Stübchen“ heißt bald „Alexandras Marktstübchen“: Rainer und Monika Oberth (links) übergeben ihr Geschäft an Alexandra und Stefan Scior.

Nach 36 Jahren hört das Ehepaar Oberth Ende des Monats zwar auf, aber ihr Feinkostgeschäft „Obst & Käse Stübchen“ in Mühlheim bleibt erhalten. Mit neuen Besitzern, der selben Verkäuferin und bewährter Qualität soll es weitergehen.

  • Am 1. November 1984 eröffneten Monika und Rainer Oberth ihr „Obst & Käse Stübchen“ an der Bischof-Ketteler-Straße.
  • Aus Altersgrünen übergeben sie ihren Kultladen in Mühlheim nun an andere Besitzer.
  • Das Angebot soll sich im Kern nicht verändern.

Mühlheim – „Wir übergeben aus Altersgründen“, erklärt Monika Oberth. Eigentlich müssten sie das nicht. Die 69-Jährige und ihr 70-jähriger Gatte Rainer kämpfen nicht mit irgendwelchen körperlichen Malaisen, „aber wir wollen mehr Zeit für uns haben“. Etwa für Sport oder zum Kochen.

Obst & Käse Stübchen in Mühlheim: Wein, frischer Käse und Wurstspezialitäten

Bis November 1999 lag das Obst & Käse Stübchen neben dem Hotel Waitz, dann zog das Geschäft die Bischof-Ketteler-Straße ein paar Meter Richtung Süden zur Hausnummer 46 und auf eine größere Fläche. Monika Oberth erzählt, wie man damals eine Besonderheit der Immobilie freilegen ließ. Im Inneren zeugt eine Seite von der Geschichte der Ortschaft. Im 19. Jahrhundert holten sich die Lämmerspieler ihr Material zum Hausbau mit dem Leiterwagen vom Fuße des Gailenbergs aus der Kaute. Hinter einem der Weinregale ließ das Ehepaar Oberth daher vor seinem Einzug den Putz von den Basaltsteinen klopfen.

Der Kultladen bietet neben den Weinen vor allem frischen Käse, Obst und Wurstspezialitäten von einem Schlachter aus dem Vogelsberg an. Gerade die letztgenannten Lebensmittel liefen jüngst besonders gut. „Das hängt wohl mit Corona zusammen“, vermutet Monika Oberth. Fernsehbilder über Arbeitsbedingen in Großschlachtbetrieben dürften neben den schon gewohnten Gammelfleisch-Berichten bei manchem die Erkenntnis geweckt haben, „dass Niedrigpreise und Billigqualität oft zusammenhängen“.

Obst & Käse Stübchen in Mühlheim: Seit Wochen arbeiten die Nachfolger mit

Alexandra Scior wird mit Ehemann Stefan das Lebensmittelgeschäft mit dem italienischen Ambiente ab dem 2. November übernehmen. Abrupt erfolgt der Wechsel nicht. Über Wochen arbeiteten die Oberths ihre Nachfolger ein. Wie sie einander kennenlernten, ist derweil typisch für den Geist des Geschäfts. Alexandra kaufte selbst regelmäßig im Obst & Käse Stübchen ein.

Der Laden dient natürlich auch als Treffpunkt im Ort. „Mit dem meisten Kunden sind wir per Du“, betont Monika, die von einer nicht ganz leichten Zeit berichtet, „das war 2009, als die Straße lange total gesperrt war“. Auch wenn sich der Einkauf damals für viele umständlich gestaltete, „unsere Kundschaft blieb uns auch in dieser Phase treu“. Aus manchen Familien kommt schon die dritte Generation zur Geschäftstüre rein. Mittlerweile bekommen Kinder die klassische Frage nach dem Stück Wurst gestellt, deren Eltern sie hier bereits vor vielen Jahren beantworteten.

Obst & Käse Stübchen in Mühlheim: Lieferservice inklusive

Alexandra und Stefan Scior fangen nicht als Amateure des Metiers an. Die vergangenen 15 Jahre führte das Ehepaar an der Dieselstraße eine Bäckerei. Im Kern wird sich das Angebot nicht ändern. „Wir bleiben ein Feinkostgeschäft mit Lieferservice“, betont Stefan Scior. Auch weiterhin wird es etwa selbst gemachte Salate geben, „wer etwas besonders will, der kann uns ruhig ansprechen“. Selbiges gilt auch für die Präsentkörbe, die den großen Vorteil haben, dass ein Schenker kaum falsch liegen kann. Mit Olivenöl, Wein oder speziellen Würsten geht man weit weniger Risiko ein als mit der Heizdecke oder dem Luftbefeuchter. Mitarbeiterin Sonja Kuna wird auch bei den Nachfolgern hinter der Theke stehen.

Zwei Neuerungen wird es aber geben. Zwischen Montag und Freitag öffnet das Feinkostgeschäft schon ab 7.30, am Samstag ab 8 Uhr. Der Grund: „Wir bieten frisch belegte Brötchen an.“ Außerdem ändert sich der Name in „Alexandras Marktstübchen“. Die Geschäftssprache bleibt aber Hessisch. (Stefan Mangold)

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