Rückschlag beim Krach

Lärmpausen werden vom Experiment zum Normalfall

Mühlheim - Dass sogenannte Lärmpausen mehr Mühlheimer belasten als sie entlasten, hatte die Stadt schon früh beklagt. Jetzt soll die Verteilung des Fluglärms trotzdem vom Experiment zum Normalfall werden. Von Marcus Reinsch 

Bürgermeister Daniel Tybussek ist sauer. Die Fluglärmkommission, letztes als relativ objektiv geltendes Gremium mit Vertretern aus Flugverkehrswirtschaft und Kommunen, habe eine Empfehlung für den Regelbetrieb der sogenannten Lärmpause ausgesprochen. Tybussek votierte mit der Mühlheimer Stimme dagegen, dass die Lärmpause nach der Testphase zum Regelbetrieb wird, fand aber keine Mehrheit für die Ablehnung. Die Stadt hatte das Modell, nach dem die Flüge über das Umfeld des Frankfurter Flughafens je nach Windrichtung auf wenige statt auf alle Start- und Landebahnen verteilt werden, schon im Frühling vergangenen Jahres als Mogelpackung tituliert. Damit werde es für einige Mühlheimer leiser, für mehr aber lauter. Und allgemein sei das keine Reduzierung des Krachs, sondern eine Umverteilung.

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Jetzt legt der Bürgermeister nach. Mit der Empfehlung „wurden zwar auch verschiedene Aufträge ans Ministerium erteilt und vom Minister mehr Aktivität erwartet“, berichtet er. Eine Befragung der Bewohner habe aber eben auch „eindeutig aufgezeigt, dass die Wirkung der Lärmpausen von der Bevölkerung überhaupt nicht wahrgenommen wird“. Viele Mühlheimer fühlten sich weiterhin vom Fluglärm gestört, gesundheitlich gefährdet und in der Lebensqualität eingeschränkt. Unterm Strich seien die als Meilenstein zur Verbesserung angekündigten Lärmpausen „nichts anderes als ein Placebo und Augenwischerei“. Der Probebetrieb habe die Umverteilung des Fluglärms nur manifestiert. Zudem „wachen mehr Menschen zwischen 5 Uhr und 6 Uhr auf“. Das sei auch nicht überraschend, weil sich die Zahl der startenden und landenden Flugzeuge nicht verändert und die Verteilung am Morgen Mühlheim sogar mehr belastet habe.

Rubriklistenbild: © dpa

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