Im November

Hotel Waitz in Mühlheim macht im November dicht

Die Corona-Krise ist nur einer von vielen Gründen: Das Landhaus Hotel Waitz im Mühlheimer Stadtteil Lämmerspiel, weit über die Grenzen des Kreis Offenbach bekannt, macht dicht.

  • Das Landhaus Hotel Waitz in Mühlheim (Kreis Offenbach) schließt
  • Die Corona-Krise ist nur einer von mehreren Gründen
  • Rudi Völler feierte in dem Hotel einst seine Hochzeit

Mühlheim – „Corona war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagt Steffen Waitz. „Der Entschluss stand aber schon lange vorher fest.“ Er lautet: Das Waitz Landhaus Hotel mit seinen Restaurants schließt zum 31. Oktober. Damit verliert Lämmerspiel sein weit über die Grenzen von Stadt und Land bekanntes Aushängeschild. Bis zum Ende „werden wir mit vollem Engagement für die Gäste da sein“, verspricht der Geschäftsführer.

„Nach über 100 Jahren leidenschaftlichen Werkens in Hotellerie und Gastronomie stellen wir unseren Geschäftsbetrieb komplett ein“, verdeutlicht Waitz. Betroffen sind zunächst 28 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. „Sie werden bis zum letzten Tag voll bezahlt, wir streben keine Insolvenz oder Kurzarbeit an“, betont der Chef. Natürlich darf jeder der Angestellten das Unternehmen ohne Wahrung einer Kündigungsfrist verlassen, ist in einem Aufhebungsvertrag festgelegt. „Wir werden allen innerhalb unserer Möglichkeiten – zum Beispiel durch Empfehlungsschreiben – bei der Jobsuche behilflich sein.“

Hotel Waitz schließt in November - Lage in Mühlheim nicht mehr optimal

Verantwortlich für die Schließung macht Waitz ein ganzes Paket an Gründen. So sei die Lage in Lämmerspiel „nicht mehr optimal“. Das Zentrum einer Großstadt oder ein Autobahnanschluss seien zu weit entfernt. Der Unternehmer kritisiert auch die stets gewachsenen behördlichen Auflagen: „Sie sind für Familienbetriebe nicht zu stemmen, und es kommen immer neue Herausforderungen auf uns zu.“

Und nicht erst durch das Coronavirus finden immer mehr Tagungen und Schulungen online statt, bemerkt der Gastronom die starken Einsparmaßnahmen vieler Betriebe in den vergangenen Monaten. Die Beherbergungsbranche in der Region verzeichne in jüngster Zeit eine „massive Erhöhung des Angebots“, spielt der Sprecher auf den Neubau mehrerer Hotels in Offenbach und Frankfurt an.

Ferner seien „keine befriedigenden Preise“ mehr mit der Übernachtung zu erzielen. „Das Zimmer-Angebot wird mehr und mehr zum Basar“, außerhalb von Messezeiten gebe es eine schrumpfende Auslastung sowie gestiegene Kosten bei Bedarfsartikeln, Energie und Entsorgung. „Diese Verteuerungen können nicht auf die Preise für Hotelzimmer umgelegt werden“, erläutert der gelernte Koch.

Fußball-Clubs kamen gerne nach Mühlheim ins Hotel Waitz

Auch für die Restaurants, das traditionelle Waitz, die Fledermaus-Bar, das Steffs und das urige Veranstaltungshaus EdVino, seien die Ausgaben stark angestiegen und ließen sich kaum auf Speisen und Getränke umlegen. „Heute werden oft Lieferdienste bevorzugt“, hinzu kommen viele neue Restaurants, Bars und Kneipen in Lederstadt und Mainmetropole. Ins Straucheln bringe die Branche auch die „Geiz ist geil“-Mentalität. Steffen Waitz gibt außerdem „persönliche Gründe“ für das Aus der Treffpunkte im Herzen Lämmerspiels an.

„Alle bis zum Oktober geplanten Veranstaltungen und Tagungen finden – soweit die Corona-Lage sich entspannt und das Land Hessen die Restriktionen aufhebt – wie geplant statt“, versichert der Geschäftsführer. „Wir garantieren für eine professionelle Durchführung“, verspricht er für Restaurants und Hotel. „Wir bedanken uns bei unseren Mitarbeitern für die lange, gute Zusammenarbeit und bei unseren Gästen für die Treue und wünschen alles erdenklich Gute für die Zukunft. Wir bedauern diesen Schritt zutiefst.“

„Das Waitz“ war eine erste Adresse für die Junioren der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, für Teams aus Polen und der Türkei. Der aus Hanau stammende Rudi Völler habe dort geheiratet, der englische Wissenschaftler Steven Hawking seinen Fingerabdruck hinterlassen und Verteidigungsminister Franz Josef Jung sowie zahllose Politiker fühlten sich in der gemütlichen Atmosphäre wohl.

Hotel Waitz in Mühlheim: „Wir waren immer hochpreisig“

Über Kompromisse haben man wohl nachgedacht, merkt Waitz an. „Aber wir wollten unserem eigenen Anspruch immer gerecht werden. Waitz konnte noch nie billig“, betont er, „wir waren immer hochpreisig, aber haben auch Qualität bei Zimmern, Tagungen, Familienfeiern und Banketten geboten“. Die Schließung betrifft auch das Steffs an der Straße, weil es aus der Hauptküche versorgt wird, „das hängt halt alles zusammen“. Für das EdVino nebenan waren nur durch günstige Preise Gruppen zu gewinnen.

Was mit den Gebäuden und dem Areal geschieht, stehe noch nicht fest. Auch persönlich hat Steffen Waitz noch keine Pläne. Vielleicht ein Buch schreiben oder einen Job als Berater, könne er sich vorstellen.

VON MICHAEL PROCHNOW

Alle Infos zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Stadt und Kreis Offenbach lesen Sie in unserem News-Ticker.

Auch die Kneipen in Mühlheim mussten schließen, allerdings nicht dauerhaft. Jetzt sind die Kneipen in Mühlheim wieder geöffnet.

Rubriklistenbild: © Michael Prochnow

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