Mühlheim

Lebensladen in Mühlheim wieder geöffnet

Die Tür des Apfelbaums öffnet sich wieder: Bedürftige erhalten beim Lebensladen wieder das Nötigste. 
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Die Tür des Apfelbaums öffnet sich wieder: Bedürftige erhalten beim Lebensladen wieder das Nötigste.

Alle Helfer stehen wieder in der Halle des Lebensladens in Mühlheim bereit.

Mühlheim – Das Wort „Abstand“ hängt unter dem kunterbunten Obstbaum. Er kennzeichnet die Halle des Lebensladens am Bahnhof, den der Unternehmer Hans Günter Zach der gleichnamigen Hilfsorganisation geschenkt hat. 

Unter dem Dach der evangelischen Friedensgemeinde versorgen Ehrenamtliche Menschen, denen das Nötigste fehlt, mit Artikeln des täglichen Bedarfs. Am Mittwoch haben die Helfer erstmals seit Wochen wieder die Tür in dem mächtigen Stamm geöffnet, der auf der Westseite des Gebäudes prangt.

Vor allem Frauen mit langen Kleidern und Rollkoffern haben sich vor dem Eingang versammelt – mit Abstand zueinander. Jeder erhält an einem Garniturtisch eine Nummer, denn in der neuen Zeit dürfen die Kunden nur noch einzeln eintreten. Auch einen Mund-Nase-Schutz gibt’s hier, aber fast alle Wartenden tragen bereits einen. Drinnen wartet Lebensladen-Mitbegründerin Christina Richter an einem weiteren Tisch, kontrolliert die Berechtigungsscheine und setzt hinter den Namen in ihrer Liste einen Haken.

Die Anwesenheitsnotiz ist wichtig, um die Infektionskette nachvollziehen zu können, falls sich jemand aus dem Kreis der Besucher im Nachhinein als erkrankt erweist. Nach dem Registrieren sprüht die Leiterin noch ein Desinfektionsmittel auf die Handinnenflächen der Einkäufer, dann steuern sie auf die Tischreihe im hinteren Teil der Halle zu.

Wände, Tischdecken, Schürzen und Jacken der Mitarbeiter – alles strahlt in Sonnengelb. Die Helfer tragen „Face Shields“, die durchsichtigen Plastikmasken, die von einem Mühlheimer Unternehmen vertrieben werden. „Heute gibt’s nur Haltbares“, erklärt Renate Schweikard den Ankommenden. Denn das Lebensladen-Team wusste nicht, wie groß der Andrang beim Neustart ist und hat darum bei den Supermärkten keine Frischwaren abgeholt. Es gibt also Nudeln, Mehl, Zucker, Tomatensoße in der Dose oder in der Packung, Süßigkeiten, Taschentücher und Tierfutter.

Die Tür des Apfelbaums öffnet sich wieder: Bedürftige erhalten beim Lebensladen wieder das Nötigste.

Tatsächlich stehen nur rund 40 statt der sonst 60 bis 70 Kunden auf dem Parkplatz. „Die meisten kommen regelmäßig“, sagt Richter mit einem Blick auf ihre Tabellen, „aber es sind auch ein paar Neue dabei“. Viele der Menschen lesen nicht die Tageszeitung, seien also nicht über die Öffnung informiert.

Sie hat alle 70 Mitglieder der Hilfstruppe angeschrieben und die Hygienemaßnahmen erläutert. Keiner, der zum Dienst eingeteilt ist, habe abgesagt, obwohl manche zur Risikogruppe zählen. Etwa 15 Aktive sind da, darunter auch Hilfsempfänger, die regelmäßig mit anpacken. Freudig überrascht ist die Mitinitiatorin über zahlreiche und hohe Geldspenden.

Allein Mäzen Zach hat der Gruppe 3000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld wird gebraucht, um Hygieneartikel und Waschmittel ins Sortiment aufzunehmen, die in der Regel nicht von den Geschäften bereitgestellt werden. Bis nächste Woche werde sich die Öffnung herumgesprochen haben, erwarten die Organisatoren. Dann holen sie wieder Frischware von den Supermärkten. Mühlheimern, die nicht in den Treffpunkt kommen können, steht weiterhin der Bringdienst der Initiative „Mühlheim rückt zusammen“ zur Verfügung.

Von Michael Prochnow

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