Mühlheim hilft

Mit dem letzten Flieger in der Corona-Krise nach Hause

Eingang zu einem Klassenraum im außerschulischen Bildungszentrum in Koussiri : Den Bau hat einst Rosemarie Kempers ermöglicht. Dort wurden nun mithilfe von Mühlheimern der Klassenraum saniert. Das Foto zeigt Handwerker, Mitglieder der Elternvereinigung, die sich um das Zentrum kümmern, sowie Schulkinder.
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Eingang zu einem Klassenraum im außerschulischen Bildungszentrum in Koussiri : Den Bau hat einst Rosemarie Kempers ermöglicht. Dort wurden nun mithilfe von Mühlheimern der Klassenraum saniert. Das Foto zeigt Handwerker, Mitglieder der Elternvereinigung, die sich um das Zentrum kümmern, sowie Schulkinder.

Thorsten Ehmann ist Anfang Februar ins Flugzeug gen Westafrika gestiegen. Der Mühlheimer Diplomingenieur für Landschaftsökologie ist Projektleiter beim Verein mit dem etwas sperrigen Namen „Thiogo – Freundeskreis Mühlheim am Main – Nouna / Burkina Faso“.

Mühlheim – Die Vorhaben von Thiogo sind allerdings weniger sperrig, vielmehr lobenswert. Der Verein unterstützt die Landbevölkerung rund um Nouna. Die Gemeinde im Westen von Burkina Faso, das zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, war Ziel von Ehmanns Reise. Der Mühlheimer hat dort die Entwicklung der Projekte persönlich verfolgt und davon in unserer Zeitung berichtet.

Nun, da die Reise anders geendet ist, als er erhofft hatte, zieht er ein positives Fazit aus den sechs Wochen in Burkina Faso: „Die Menschen haben sich mächtig gefreut über die Resonanz und Unterstützung aus Deutschland“, sagt Ehmann. Die beim vergangenen Adventsfeuer des Vereins Thiogo der Altlagerer von St. Markus gesammelten 900 Euro Spenden hat der Mühlheimer mit nach Westafrika genommen, um damit im 3000-Seelendorf Cissé bei Nouna die Reparatur einer Brunnenanlage zu ermöglichen (wir berichteten). Damit sei eine Zeitenwende eingetreten, betont der Mühlheimer, denn sauberes Wasser bedeutet auch mehr Gesundheit.

Wehmütig stimmt ihn allerdings, dass er aufgrund der Sicherheitslage nicht direkt bei der Brunneninstandsetzung dabei sein konnte. „Diesmal konnte ich nur aus der Ferne delegieren.“ Eigentlich sind die Einsätze vor Ort und der direkte Kontakt mit den Menschen für den Diplomingenieur „immer das Highlight“. Der Bürgermeister von Nouna, Issoufou Tarore, hat Ehmann ausdrücklich davor gewarnt, dorthin zu fahren, „man wolle noch lange was von mir haben“, sagt er, der sich eigentlich als Draufgänger bezeichnet. Andererseits habe er viele tolle Erfahrungen mit der „Brunnentruppe“ um Fachmann Seko Coulibaly sowie Koordinator Damien Simboro gesammelt und sich auch zweimal mit Bürgermeister Traore getroffen, der für seinen Mühlheimer Kollegen Daniel Tybussek, der gleichzeitig Vorsitzender von Thiogo ist, ein Geschenk mitgegeben hat. Auch im außerschulischen Bildungszentrum in Koussiri, erbaut von der vor zwei Jahren verstorbenen deutschen Initiatorin Rosemarie Kempers, habe man mithilfe von vielen Privatspenden renovieren können, berichtet Ehmann.

Im 25. Jahr in Burkina Faso sei bei ihm der Entschluss gereift, den sechs Wochen noch eine private folgen zu lassen. „Ich wollte ein paar langjährige Freunde im Land besuchen“, sagt Ehmann. Dann allerdings habe ihm ein Bekannter gewarnt, dass Brussels Airlines wegen der aufkommenden Corona-Pandemie alle Flüge streiche. „Erst habe ich mir gedacht, ich komme schon irgendwie außer Landes, dann bin ich aber doch ins Büro der Airline gegangen“, sagt Ehmann. Rausgekommen sei er mit einem Rückflugticket nach Deutschland für den nächsten Tag. „Das war bitter.“ Mitte März habe es in Burkina Faso noch nicht einmal 50 Corona-Fälle gegeben, sagt Ehmann, trotzdem packte er über Nacht die Koffer. Aktuell sollen es rund 700 im 20-Millionen-Einwohner-Land sein, Ehmann vermutet, da müsse man eine Null dranhängen, obwohl dort mit sehr strikten Maßnahmen, wie Grenz-, Markt- und Schulschließungen reagiert wurde.

Jedenfalls ging es über den Umweg Elfenbeinküste, anstatt eines Brussels Arlines-Fliegers mit einem Eurowings-Modell zurück nach Belgien und dann nach Frankfurt. Was Ehmann gewundert hat, waren die strengeren Sicherheitschecks in Afrika. „Dort wurde unter anderem Fieber gemessen.“ Weder in Brüssel noch in Frankfurt habe es großartige Kontrollen gegeben. Auch viele Bekannte hätten ihn gefragt, ob er nicht in Quarantäne habe gehen müssen. „Ich kam aus einem Land, in dem es Klopapier ohne Ende gab und in dem alles zu dieser Zeit eigentlich noch in Ordnung war“, sagt der Projektleiter, lacht und freut sich schon, auf die nächste Reise. Die soll, wenn es denn die Sicherheitslage zulässt, wieder im Februar sein. Und vielleicht dann auch mit der Möglichkeit, eine private Woche in Burkina Faso dranzuhängen.

VON RONNY PAUL

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