Liebhaberstücke aus Oberursel

Der Dietesheimer Bruno Schmück sammelt und restauriert seltene Motorräder

Vermutlich aus dem Jahr 1928: Nach der Restaurierung soll das Bücker-Motorrad von Bruno Schmück wieder fahren können.
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Vermutlich aus dem Jahr 1928: Nach der Restaurierung soll das Bücker-Motorrad von Bruno Schmück wieder fahren können.

In der Regel hoffen auch die Sammler historischer Motorräder auf lupenreine Originale. Bruno Schmück freut sich zur Zeit jedoch, eine 93 Jahre alte Maschine zu restaurieren, an der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg jemand klar erkennbar einiges veränderte.

Mühlheim –Motorräder der Marken BMW, Yamaha oder Harley-Davidson kennen auch jene, die von der Materie ansonsten nichts wissen. Den Liebhabern sagen aber auch Exemplare mit dem Namen Bücker etwas. Bruno Schmück ist einer von ihnen. Er sammelt seit vierzig Jahren Maschinen der Marke, die Ende der Fünfzigerjahre vom Markt verschwand. Hinter dem Namen steht ein gewisser Franz Bücker aus Verthe, ein Dorf bei Osnabrück. Bücker zog es einst zum Militärdienst in den Taunus, wo der Maschinenbauer statt durch den Schlamm zu robben, in der Motorenfabrik Oberursel AG arbeiten musste. Auf dem Grundstück seines Schwiegervaters in Oberursel begann Bücker 1922 mit dem Bau der Motorräder, von denen Schmück mittlerweile sechs Stück in einem bestens restauriertem und fahrbereitem Zustand besitzt.

Motorräder aus der Manufaktur Bücker stehen für handgefertigte Qualität. An seiner siebten Maschine arbeitet Schmück zur Zeit. Das Baujahr sei nicht eingeschlagen, aber der Ingenieur aus Dietesheim tippt auf 1928.

Schmück wusste von der Existenz dieser Maschine schon seit gut drei Jahrzehnten. Er baute im Laufe der Zeit ein Register von Bücker-Motorrädern auf, „mittlerweile stehen 123 auf der Liste“. Der vermeintliche Besitzer der Maschine erklärte jedoch auf Nachfrage, dass die Bücker nicht ihm gehöre. Er habe sie vor 30 Jahren für einen Kumpel in Verwahrung genommen, der keinen Platz hatte. Mittlerweile sei aber dessen Sohn der Eigentümer. Schmück rief den 74-Jähringen an. Vor Ort sah der Technikexperte jedoch auf den ersten Blick, dass etwas nicht stimmt. „Normalerweise steckt in so einer Maschine ein in Oberursel hergestellter 500 Kubikzentimeter Columbus-Motor“, erklärt Schmück, „das Kurbelgehäuse existiert noch im Original, aber ab dem Zylinder baute er eine raffinierte Modifikation samt Zylinderkopf ein“. Sonst wäre so eine Abweichung nicht Schmücks Ding, der in der Regel alle Hebel in Bewegung setzt, um das kleinste Schräubchen noch im Original zu finden. Wenn das nicht gelingt, stellt er es originalgetreu selbst her. Schmück spielte bei der Besichtigung im nordhessischen Dorf Schmittlotheim die Idee sofort durch, einen historischen Motor einzubauen. Aber dann wertete der 68-Jährige die besondere Note der Bücker, „ein Zeugnis der Nachkriegszeit“. Denn wer konnte sich damals schon ein neues Fahrzeug leisten? Der ursprüngliche Besitzer musste sich mit der Modifikation des Motors behelfen, „das war die Eigenarbeit eines begabten Mechanikers“. Der Mann nutzte die Maschine offensichtlich nicht nur, um damit sonntags zum Kaffee ins Grüne zu fahren. Sie diente vor allem als Transporter für Baumaterial, „man sieht noch die Kugel für einen Anhänger“.

Nach gut 70 Jahren Stillstand funktioniert nicht viel. Erst kümmert sich Schmück um die Vorder-, dann um die Hinterbremse, bevor er den Motor ausbauen will, um den mechanischen Zustand unter die Lupe zu nehmen, „das wird wohl alles über die Wintermonate passieren“. Am Ziel wird er sein, „wenn am besten gleich der erste Startversuch klappt“. (Von Stefan Mangold)

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