Vom Homeoffice ins eigene Studio

Luca Pfeiffer aus Mühlheim möchte nicht nur tätowieren, sondern auch lokalen Künstlern einen Raum bieten

Kunst unter der Haut: Luca Pfeiffer erfüllt sich mit seinem eigenen Tattoo-Studio einen Traum. Foto: nj
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Kunst unter der Haut: Luca Pfeiffer erfüllt sich mit seinem eigenen Tattoo-Studio einen Traum. Foto: nj

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist eine große Hürde. Vor allem in der Corona-Krise. Luca Pfeiffer wird sich Anfang Juli seinen Traum vom eigenen Tattoostudio erfüllen.

Mühlheim - An der Bahnhofstraße soll Kunst aber nicht nur unter die Haut gehen, sondern auch im Raum betrachtbar sein. Denn Pfeiffer plant auch eine Plattform für regionale Künstler – von Malerei bis plastischer Kunst im Eingangsbereich und im Besprechungszimmer. Ihm sei wichtig, lokalen Künstlern die Möglichkeit zu bieten, abseits von Museen auszustellen. Der Name „Tintengalerie“ erschließt sich dann von selbst: „Tinte für die Tattoos und Galerie für die Kunst“, erklärt der 23-Jährige.

Sein Hobby war schon immer das Zeichnen und die Liebe zur Körperkunst. Sein erstes Tattoo bekam Pfeiffer direkt an seinem 18. Geburtstag. Doch selbst die Nadel unter die Haut zu führen, war anfangs für ihn keine Alternative. „Die Szene ist sehr unzugänglich“, hat der gelernte IT-Systemkaufmann erfahren. Während seiner Ausbildung merkte er, dass ihm das Kreative und das Handwerkliche im Büro fehlt. Seine erste eigene Tätowiermaschine hat er sich schon während seiner Ausbildung gekauft. Zwei befreundete Tattoo-Künstler haben ihm die ersten Schritte beigebracht. Dazu biete auch „das Internet riesige Lernmöglichkeiten“.

Die ersten Versuche starten Tätowierer in der Regel an sich selbst. Auch Pfeiffer übte zuerst am eigenen Oberschenkel, aber auch auf Orangen- und Silikonhäuten. Und nach und nach haben auch Freunde ihre Haut für seine Kunst hergegeben. Diese zieren nun unter anderem Dinosaurier oder Weinreben.

Pfeiffer zeichnet alle Tattoo-Werke selbst, nimmt die Ideen seiner Kunden und übersetzt sie in seinen eigenen Stil. Auf einem Tablet zeichnet der Künstler seine Werke vor. Ist der Kunde dann mit dem Entwurf zufrieden, wird das Design auf ein Übertragungspapier gedruckt, das dann als Stechvorlage auf die Haut kommt. Am liebsten sind Pfeiffer filigrane und realistische Motive. Der sogenannte Mikrorealismus oder Fineline hat es ihm besonders angetan. Traditionelle Tattoos bestehen oft aus dicken Außenlinien, Outlines, und Schattierungen. Pfeiffer meint: „Ich will die Natur besonders real darstellen – aber alle Styles sind willkommen.“

Inzwischen besitzt der 23-Jährige drei Tattoo-Maschinen, zwei sind in Benutzung: „Von der allerersten Maschine will ich mich nicht trennen.“ Mit der Zeit hat sich Pfeiffer in seiner Wohnung ein eigenes Atelier zum Stechen und Gestalten der Tattoos eingerichtet. Der heimische „Teich“ war ihm dann aber zu klein, er suchte nach etwas Größerem. Beim Gassigehen mit seinem Hund hat er in der Bahnhofstraße 69 das Schild eines leer stehenden Ladens entdeckt. Ein Anruf und eine Besichtigung später brachten ihn zur Pacht des Ladenlokals: „Ein Glücksgriff“, findet er. Die Galerie und das Studio richtet Pfeiffer aktuell ein, sodass er, wenn alles nach Plan läuft, am 1. Juli die Eröffnung feiern kann – natürlich anfangs unter coronabedingten Einschränkungen: Es darf nur jeweils ein Kunde im Studio sein, beim Stechen muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden und auch ansonsten gibt es strenge Hygiene-Auflagen beim Tätowieren.

„Vom Homeoffice ins eigene Studio“, sagt Pfeiffer und freut sich auf den Start. In der Anfangsphase wolle er erst mal schauen, wie sich der Markt entwickelt. Immerhin hat das letzte Tattoo-Studio an der Bahnhofstraße vor rund drei Jahren geschlossen.

Von Jan-Niklas Eickhoff

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