Das positive Petzen

Mängelmelder-App wird fleißig genutzt

Mühlheim - Die Mühlheimer nehmen die vor einigen Wochen eingeführte Mängelmelder-App an. Hundehaufen, Dreckecken, Irrwege im Schilderwald, die Schlaglöcher: Auf der Plattform im Internet summieren sich ärgerliche Kleinigkeiten zu einem Gesamtbild. Von Marcus Reinsch 

Der digitale Stadtplan hat sich ruckzuck gefüllt. Wer darauf noch etwas erkennen will, muss die Ansicht schon vergrößern, um Dutzende sich überlagernde Symbole zu entzerren. Die Mängelmelder-App, die Mühlheim Mitte Februar testweise eingeführt hat, zeigt Wirkung. Mühlheimer sollen im guten Sinne petzen, was ihnen missfällt. Das konnten sie bisher zwar auch schon, und einigen Zeitgenossen schien es eine Art Hobby zu sein. Doch für die längst nicht mehr auf Jüngere beschränkte Generation Smartphone geht das Beschwerdemanagement im Dienst der Allgemeinheit jetzt, ohne dass sie zeitraubende Hemmschwellen wie einen Anruf im Rathaus überspringen muss.

Das Prinzip der Mängelmelder-App kombiniert die uralte Erkenntnis, dass viele Augen mehr sehen als die vergleichsweise wenigen der städtischen Mitarbeiter, mit der relativ neuen Möglichkeit, Beobachtungen ohne die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner im Rathaus loszuwerden. Wer einen Mangel entdeckt, knipst ihn einfach mit seinem Handy, tippt eine Beschreibung und schickt das Ganze über den Melder an die Stadt. Die Adresse muss er nicht angeben; das Telefon schickt sie automatisch mit. Das sorgte im jungen App-Leben schon für erhellende Momente. Punktuell ist das wörtlich zu verstehen. Beispiel 15. Februar, 14.51 Uhr: Da monierte ein Bürger unter dem Titel „Mangelhafte Beleuchtung“ aus der Schlesierstraße ein Zuwenig an Licht im Park und seinen Anspruch, „zur Sicherheit unserer Kinder und Bürger Lämmerspiels eine bessere oder auch komplette Beleuchtung“ anzubringen. Der Erledigt-Vermerk von der Stadtverwaltung folgte am 18. Februar, 7.36 Uhr: Ein Stromkabel habe einen Wackelkontakt gehabt, aber die Stadtwerke seien dagewesen. Alles wieder so hell wie vorher.

Andere Baustelle, 26. März, 9.53: Ein Mühlheimer empört sich mit dem Hinweis, dass die Stadt Wiesbaden sowas mit 25 Euro plus Gebühr pro Plakat abstrafe, dass von der Linkspartei drei Wochen nach der Wahl immer noch überall Plakate rumhängen, während die vor Ort antretenden Parteien schon aufgeräumt hätten. Die Stadtverwaltung reagierte gestern, 9.23 Uhr, in der Rubrik „Verunreinigungen/Abfall“: Die Partei sei um „zeitnahe Entfernung restlicher Plakate gebeten“. Gleich Mitte Februar, als der Mängelmelder brandneu war, ging die Klage über den stark verschmutzten Mittelstreifen der Offenbacher Straße ein - „besonders schlimm ist es im Abschnitt zwischen McDonalds und BePo-Kreisel“. Der Müll, teilte die Stadt zwei Tage später mit, sei mittlerweile beseitigt. Eine Mitteilung, die sie mit Blick auf die Wiederholungsgefahr nahe am Frikadellenbräter wohl als Textbaustein abspeichern kann. Momentan außerdem im Mängel-Repertoire: ein Laternenstummel vor der Oberts-häuser Straße 10 (Stadt: Ersatz für die „Unfall-Lampe“ kommt, wenn das neue Konzept für die Straßenbeleuchtungskonzept greift“), herrenlose Fahrradwracks, Müll, Falschparker, eine verfallende Sitzbank. Andere Anmerkungen lassen sich nicht so einfach erledigen. 28. März, 18.22 Uhr: „Zimmerstraße trotz Anliegerstraße und ‘Durchfahrt verboten‘ als Durchgangsstraße und Parkplatz für Nichtanlieger genutzt, an Tempo 30 halten sich nur wenige.“ Ein altes Problem, an vielen Orten der Stadt.

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Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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