Kinder und Jugend

Malen mit den Farben der Natur: Im Waldkindergarten geht es auch um Pflanzen und den Umgang damit

Wildnispädagogin Kerstin Locher (links) und die Kinder im Waldkindergarten, der von Meike Schubert und Jan Dutiné im Alltag in Schwung gehalten wird.
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Wildnispädagogin Kerstin Locher (links) und die Kinder im Waldkindergarten, der von Meike Schubert und Jan Dutiné im Alltag in Schwung gehalten wird.

Wer malen will, muss keine Farben kaufen. Jetzt zeigte die freischaffende Künstlerin und Wildnispädagogin Kerstin Locher im Awo-Kindergarten „Die wilden Rehkids“, wie sich mit Pflanzen und Beeren kolorieren lässt. Bei der Gelegenheit fand eine irritierende Anordnung der „Unteren Naturschutzbehörde“ Erwähnung.

Mühlheim – „Farbjäger“ nennt sich das Thema, das Lochner als Mitarbeiterin des „Forschermobils“ des Vereins Zugpferd im Waldkindergarten bespricht. Die Stadtwerke Mühlheim finanzieren solche pädagogischen Tupfer. Die Kinder lassen die Farbwürfel rollen, anschließend gehen sie auf die Suche nach den Früchten und Pflanzen, mit denen sich die gewürfelte Farbe herstellen lässt. Von Lochner lernen die Kinder, wie sich Früchte und Blätter mischen lassen, um mit den selbst produzierten Farben zu malen.

Auf eine Postadresse kann der Lämmerspieler Kindergarten nicht verweisen. Wer hin will, läuft Ecke Wichern- und Schubertstraße den Pfad durch Gräser und zwischen Bäumen entlang. Die Kinderstimmen geben dem Besucher schon von Weitem das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

Name geht auf einen Ausflug der Gruppe zurück

Für „Die wilden Rehkids“ ist die Suche nach Brombeeren oder Löwenzahn nichts Außergewöhnliches. Im Waldkindergarten verbringen alle den ganzen Tag im Freien. „Nur, wenn es wie aus Kübeln schüttet, gehen wir in den Bauwagen“, erläutert Meike Schubert. Die 54-jährige arbeitet seit zweieinhalb Jahren als Erzieherin im dem Kindergarten, dessen Namen „Die wilden Rehkids“ von einem Ausflug rührt. Die Gruppe hatte ein verletztes junges Reh entdeckt.

Die Kinder bewegen sich wie ihre Altersgenossen früherer Generationen. Sie klettern auf Obstbäume. Drunter darf aber nichts liegen, weshalb Jan Dutiné einen Jungen ermahnt, der an einem Ast hängt. Der Erzieher nimmt den auf dem Boden liegenden Holzklotz schnell weg. Meike Schubert erzählt, dass Grundschulen öfter die Rückmeldung gäben, „man sehe sofort, wenn ein Kind vom Waldkindergarten komme“. Die Motorik sei besser entwickelt, die Sinne feiner.

Hochbeete mussten weichen

Kerstin Locher erwähnt den Typus „Helikopter-Eltern“. Eine Erfahrung sammelte sie selbst als Mutter auf einem Kindergartenelternabend. Die Leiterin hatte verkündet, einmal in der Woche gingen die Kinder in den Wald. Darauf betonte ein Vater, „ich will das nicht“. Der Grund: „Mein Sohn könnte in ein Loch fallen.“

Im vergangenen Jahr stellte der Verein Zugpferd an verschiedenen Stellen in Mühlheim bepflanzte Hochbeete auf, finanziert vom Bundesumweltministerium, unterstützt vom Rathaus. In den Beeten wächst, was sich essen lässt. Auch im Waldkindergarten stand eines. Meike Schubert erinnert, wie die Kinder jeden Morgen nachschauten, wie sich etwa die Zucchini über Nacht entwickelt hatte. Im Herbst fiel der Hammer: „Wir mussten das Hochbeet abreißen.“ Ein Angestellter der Unteren Naturschutzbehörde hatte moniert, es stehe an einem Landschaftsschutzgebiet. Feldsalat-Samen dürften eine Wiese zwar nicht wirklich bedrohen, aber der Hochbeet-Fahnder hatte nicht wegsehen wollen. Meike Schubert berichtet: „Für die Kinder war das ein Schock.“ (Von Stefan Mangold)

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