Tiere

„Man will jeden retten“: Sieben Frauen schenken Hunden aus Portugal ein neues Leben

Andrea Krenzer ist Vorsitzende des Vereins.
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Andrea Krenzer ist Vorsitzende des Vereins.

Fred, Dino und Bobi: Alle schauen sie mit großen Hundeaugen in die Kamera für ein Bild für die Vermittlung. Sie befinden sich auf einer ehemaligen Tötungsstation für Hunde auf dem Festland Portugals. Die Drei haben noch Glück, denn ihren Artgenossen auf den Azoren droht ein schlimmeres Schicksal: Auf den Atlantikinseln werden noch aktiv Tötungsstationen betrieben, in denen die Hunde mit einer Giftspritze umgebracht werden, wenn sie niemand übernimmt.

Mühlheim – Um zumindest einigen dieser Hunde ein neues und liebevolles Zuhause zu geben, engagieren sich sieben Frauen vom Mühlheimer Verein „Tierrettung Portugal“. 1700 Tiere konnten sie so schon vor diesem Schicksal bewahren.

„Auf dem Festland Portugals sind die Tötungen seit 2018 offiziell abgeschafft, auf den Azoren geht das Töten aber mindestens noch bis 2022 weiter“, sagt Andrea Krenzer, Vorsitzende des Vereins. Und auch wenn die Vierbeiner nicht mehr per Giftspritze getötet werden, leben sie oft unter elenden Bedingung in Zwingern. „Wir haben da schon so viel gesehen, auch die viele Gewalt, die den Tieren angetan wird, da kann man manchmal tagelang nicht richtig schlafen“, berichtet die 57-jährige Krenzer.

Vermittlung durch Gründung des Vereins erleichtert

Gegründet wurde der Mühlenstädter Verein vor gut vier Jahren. Andrea Krenzer und die Halb-Portugiesin Patricia Martins kamen über Facebook in Kontakt und tauschten sich dort als langjährige Tierschützerinnen über die Lage der Hunde in Portugal aus. Es folgten private Flüge auf die Azoren. Dort kamen sie dann mit den Betreibern der Tierheime und Tötungsstationen in Kontakt. „Die Stationen sind alle sehr abseits gelegen, damit die Touristen nichts mitkriegen“, sagt Krenzer, „und trotz dessen, wie die Tiere dort behandelt werden, müssen wir uns mit diesen Leuten dort gut stellen, wenn wir den Hunden helfen wollen.“

Mit der Gründung des Vereins, damals noch unter dem Namen „Azoren Rettung e.V.“, sei dann die Vermittlung leichter gefallen, auf Facebook sei die Resonanz riesig gewesen. Mittlerweile hat der Verein dort 34 000 Fans. Gerade jetzt, während der Corona-Pandemie, sei die Not für Hunde in Portugal wieder sehr groß. Viele Portugiesen setzen ihre Hunde wegen finanzieller Not aus. Das verschärft die Situation für die Straßenhunde enorm. „Manche töten ihre Hunde auch, erst letztens hatten wir einen Labrador, den wir blutüberströmt gefunden haben“, erzählt Krenzer, „sein Besitzer hat ihn versucht zu überfahren; wir brachten ihn in eine Klinik, mittlerweile hat er sich wieder berappelt, auch wenn er seinen Kopf noch leicht schief hält.“

20 bis 30 Vermittlungen pro Monat

Solche Geschichten sind für Krenzer und ihr Team leider keine Einzelfälle. Gerade Jagdhunde von der Rasse Podengo würden oft grausam getötet, wenn sie für die Züchter nicht mehr rentabel sind. Krenzer: „Man will am liebsten jeden retten.“

Wer einen Hund aus Portugal adoptieren möchte, der muss zunächst Kontakt zum Verein Tierrettung Portugal aufnehmen und bekommt dann einen Bogen zum Ausfüllen. Letztlich entscheiden Krenzer und ihre Kolleginnen, ob die Adoption wirklich zustande kommt. Bis der Hund dann in Deutschland ist, kann es nochmals einige Wochen dauern. Während früher die Hunde nach Deutschland geflogen wurden, werden sie mittlerweile überwiegend über Land gefahren. Der Verein arbeitet dazu mit einem Transportunternehmer zusammen, der die tiergerechte und klimatisierte Fahrt vornimmt. Alle zwei Wochen kommen nun Hunde nach Deutschland, insgesamt 20 bis 30 Vermittlungen pro Monat.

Verein ist auf Spenden angewiesen

Doch gerade die Adoption von Hunden von den Azoren ist für den Verein mit hohen finanziellen Verlusten verbunden. „Von Impfung über Flug an das Festland und Überführung kostet uns das bis zu 1000 Euro pro Tier, als Schutzgebühr nehmen wir aber trotzdem nur 300 bis 400 Euro, sonst nehmen zu Wenige diese Hunde“, sagt Krenzer. Deshalb ist der Mühlheimer Verein auf Spenden angewiesen. Wer unterstützen möchte, kann dies unter folgendem Spendenkonto IBAN: DE 03 5065 2124 0003 1237 59 bei der Sparkassen Langen-Seligenstadt. (Von Lukas Reus)

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