Jugendstil-Damen

Hans-Günter Zach erweitert seinen Skulpturengarten

„Neuheiten“ im Skulpturengarten: Hans-Günter Zach mit den „vier Jahreszeiten“.
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„Neuheiten“ im Skulpturengarten: Hans-Günter Zach mit den „vier Jahreszeiten“.

Ob Lebensladen, Montessori-Schule oder Schanz: Wenn die Not am größten ist, wenn rasche Hilfe gebraucht wird oder außergewöhnliche Projekte gestemmt werden sollen, dann fällt in der Mühlenstadt ein Name: Hans-Günter Zach.

Mühlheim – Der Werkzeugmachermeister aus Hausen ist jedoch mehr als Retter und Mäzen sozialer und kultureller Anliegen. Als Initiator des Auto- und Möbelmuseums und eines Skulpturengartens dokumentiert er umfangreiche Kenntnisse und große Liebe auf dem Gebiet der Kunst. Jüngst widmete sich Zach der Holz- und Metallbildhauerei, erweiterte den Skulpturengarten um „Die vier Jahreszeiten“. Die vier graziösen, weißen Figuren sind im Quadrat aufgestellt. Es handle sich um „wunderschöne, bis ins kleinste Detail meisterlich gestaltete Jugendstil-Damen, wahrscheinlich sogar Unikate“, beschreibt der Experte. Die graziösen Frauenkörper seien handmodelliert und in der Technik des Stahl- oder Graugusses gegossen, „was um 1900 kaum einer in so großem Ausmaß konnte“.

Hans-Günter Zach hat die Exponate bei einem Antiquitätenhändler ersteigert

In der Mitte des Ensembles befindet sich eine funktionsfähige Sonnenuhr und dahinter eine mächtige, neuzeitliche Amphore, ein bauchiges, enghalsiges Gefäß mit zwei Henkeln. Alle sechs Skulpturen ruhen auf drei Betonfundamenten, einst Träger für den 50 000 Liter fassenden Öltank zur Versorgung mehrerer Heizungen der ehemaligen Stahl-Schanz-Gebäude. Die metallenen Frauen tragen die Kleider im typischen Faltenwurf des Jugendstils. Zach hat die Exponate bei einem Antiquitätenhändler ersteigert.

„Sie waren komplett verrostet und sahen schrecklich aus, keiner wollte sie kaufen, aber ich sah sofort, dass es sich um Wertvolles handelt, und konnte sie deshalb günstig kaufen“, plaudert der Liebhaber. Er musste sie mit einem Kran-LKW aus einem verlassenen Garten in Norddeutschland abholen, pro Stück über 200 Kilogramm schwer. Daheim brachte er sie in ein Sandstrahl-Werk, wo die Farbe bis aufs blanke Metall entfernt wurde.

„In der Werkstatt wurden die Figuren dann komplett überarbeitet, Löcher und Dellen mit Graugusselektroden geschweißt, verputzt und geschliffen, mit Spezialpaste gespachtelt, verschliffen und grundiert, danach mehrmals mit Spezialfarbe lackiert“, schildert der Museumsverwalter. „Die Skulpturen sind innen hohl und rundum komplett geschlossen. Als Werkzeugmachermeister weiß ich, dass sich im Freien durch die Temperaturschwankungen im Inneren Kondenswasser bildet und die Frauen wieder rosten.“ Also haben sie Öffnungen in den Boden gebohrt, die Hohlräume mit Versiegelungsstoff ausgespritzt.

Hans-Günter Zach: „Viel Arbeit mit Fingerspitzengefühl und Sachverstand“

„Das war alles sehr viel Arbeit mit Fingerspitzengefühl und Sachverstand“, blickt der Fachmann zurück. Ein gutes Auge bewies Zach auch bei einer lebensgroßen Skulptur, einer ruhenden Frau mit einem Frühjahrs-Blumenkranz in der Hand. Sie wurde um 1900 aus schwerer Bronze geschaffen. Ohne Maß zu nehmen fand der Unternehmer in Hainburg einen Granitfelsen in der exakt passenden Höhe, an dem die Ruhende nun lehnt.

„Im Laufe der Jahrzehnte hat sich eine dicke Patina-Schicht gebildet, diese haben wir hier in der Werkstatt an den Stellen, wo die menschliche Haut dargestellt ist, ganz vorsichtig abgeschliffen, poliert und konserviert.“ Stolz ist Hans-Günter Zach auch auf ein Marterl. Das Wegekreuz ist um 1920 aus Eichenholz mit einem Kupferdach gefertigt, der klassische Jesus-Corpus in Nussbaumholz geschnitzt. Den Bildstock hat der Firmenchef in Würzburg erworben und um den heiligen Rochus mit Hund aus Buntsandstein ergänzt.

Auch im privaten Auto- und Möbelmuseum sind viele Unikate zu entdecken, die restauriert, repariert, neu entworfen, angefertigt und bemalt wurden, um sie für die Nachwelt zu erhalten, lädt der Ideengeber zu einem virtuellen Rundgang ein. (Michael Prochnow)

Infos:autoundmoebel-museum.de

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