Als kleine Einheit wesentlich flexibler

Mühlheimer Montessori-Schulleiterin spricht über das pädagogische Prinzip und den Lockdown

Leiterin der Mühlheimer Montessori-Schule: Brigitte Johannsen.
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Leiterin der Mühlheimer Montessori-Schule: Brigitte Johannsen.

Zwar heißt es „nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“, aber jeder weiß, letztlich geht es nicht nur darum, die Dinge zu durchdringen, sondern auch möglichst gute Noten zu schreiben. Die reformpädagogische Montessori-Schule setzt da bei den individuellen Fähigkeiten an.

Mühlheim – Brigitte Johannsen gab vor elf Jahren das auf, wovon so mancher träumt. Die Lehrerin für Biologie und Geografie kündigte ihre Stelle an einem Gymnasium, um die Leitung der Montessori-Schule zu übernehmen. „Ich ging nicht aus Frustration, ich habe dort gerne unterrichtet“. Manche sprachen Johannsen damals an, ob es nicht riskant sei, den Beamtenstatus sausen zu lassen, „für mich hatte der keine Relevanz“. Sie habe es nie auf eine Stelle abgesehen, „die mir niemand kündigen kann, auch wenn ich schlecht arbeite“.

Mit Klischee konfrontiert

Johannsens Wechsel war aber kein Sprung ins kalte Wasser. Sie gehörte 2006 zu den Gründern der Montessori-Schule. Ihr ältester Sohn, der mittlerweile Physik studiert, fing in der ersten Klasse an. Die gebürtige Niedersächsin spricht über den pädagogischen Leitgedanken, den die 1951 im Alter von 81 Jahren verstorbene italienische Medizinerin und Philosophin Maria Montessori formulierte, „die Eigengesetzlichkeit des Kindes steht im Vordergrund“. Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Die Aufgabe der Lehrer sei es, „die Angebote für die Schüler so zu modellieren, dass sich der einzelne seinem inneren Bauplan entsprechend entwickeln kann“.

Generell sehen sich Reformpädagogen mit dem Klischee konfrontiert, „da wird doch nichts gelernt“. Johannsen skizziert die Verhältnisse in einer „normalen“ Schule, wenn nach einer Mathematikarbeit ein Notenschnitt von 3,0 an der Tafel steht. Das genüge zwar dem System, spiegele jedoch nur wieder, „dass die meisten den Stoff nicht wirklich verstehen“. Das Gegenteil lasse sich nur bei jenen vermuten, unter deren Arbeit die Zensuren „sehr gut“ und „gut“ stünden, „nur eine Minderheit hat es tatsächlich kapiert“. Noten bekommen Montessori-Schüler erst, wenn es Richtung staatlich anerkanntem Haupt- und Realschulabschluss geht. Die Mehrheit wechselt für den Anschluss auf ein Gymnasium.

„Hab‘ Geduld, meine Wege zu begreifen, sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit“, lautet ein Prinzip. Jeder der 147 Schüler wird von den 27 Lehrkräften so individuell wie möglich betreut. Die Überflieger müssen sich nicht etwa mit Dreisatz langweilen, sondern können sich etwa schon der Differenzialrechnung widmen. Wer mit dem Dreisatz aber noch Probleme hat, darf die Aufgaben erst lösen, ehe er sich mit Sinus und Cosinus beschäftigt. Auch an der Montessori-Schule gilt, „am Ende soll jeder zumindest die Grundlagen beherrschen“.

Ein Wochenende, um die Technik für den digitalen Unterricht fit zu machen

Die Lockdown-Phase stemmte man eleganter als wohl viele andere Bildungsstätten. Während die Gymnasien die ersten zwei Wochen um Orientierung rangen, brauchte man an der Carl-Zeiss-Straße das Wochenende, um die Technik für den digitalen Unterricht zu gestalten. „Natürlich können wir als kleine Einheit wesentlich flexibler reagieren“.

Eltern unterschreiben mit der Anmeldung ihres Kindes, sich für die Belange der Schule zu engagieren. Jeder bringt sich für mindestens 40 Stunden pro Jahr ein, egal auf welchem Feld, ob für die Organisation von Festen oder die Lösung von IT-Fragen.

Um das Aufnahmeverfahren an der reformpädagogischen Schule geht es bei den Informationstagen, ebenso um Finanzierung und Elternbeteiligung. Drei Termine stehen zur Wahl: Der 31. August sowie der 2. oder der 3. September. Anmeldungen sind unter z 06108 619083 oder an verwaltung@montessori-muehlheim.de möglich. (Stefan Mangold)

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