Baumfäller und Baumeister

NABU und Bibermobil stellen den nachtaktiven Nager vor

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Mit Schweißerbrillen sehen die Kinder wie ein Biber weniger Farben und dunkler.

Mühlheim - Seitdem einige Baumstämme über die Bieber fielen, ist der Biber ein Thema in der Mühlenstadt. Von Michael Prochnow 

Gestern lernten Kinder auf Einladung des Naturschutzbundes (NABU) am Zusammenfluss von Bieber und Rodau in Markwald viele Eigenarten des sehr selten zu sehenden Wasser-Bewohners kennen. Die Geräte mit den kreisrunden Röhren und dem dunklen Glas vorne dran lassen ihre Träger eher wie Wesen vom anderen Stern erscheinen als wie einen nachtaktiven Nager. Die Schweißerbrillen erfüllen aber ihren Zweck: Petra Schmitt-Palme will den Zehn- bis Zwölfjährigen vermitteln, wie ein Biber sieht. Nämlich fast nur schwarz-weiß und dunkler.

Dafür können die Tiere mit dem einst sehr begehrten Pelz auch beobachten, was hinter ihnen geschieht. „Weil sich ihre Augen an den Seiten ihres Kopfes befinden“, tippt Emelie richtig. Neben den Schutzbrillen sollen die ersten jeder Gruppe braune Westen mit flachen Schwänzen anziehen, und der Wettlauf mit eingeschränkter Sicht kann beginnen.

In den letzten beiden Jahren waren an den teils renaturierten Bächen Spuren eines Nagers entdeckt worden. Das rief Naturschützer wie Zeitgenossen auf den Plan, die den Baumfällern kritisch gegenüber stehen.

Einer der Nager hat den Baumstamm angeknabbert, den Petra Schmitt-Palme (rechts) herumreicht.

Die NABU-Biologin eröffnet den jungen Teilnehmern an der Ferienaktion Wissen über den möglichen Neubürger spielerisch. Sie hat zwei lange rote Schläuche mit einem Wurmfortsatz ausgerollt. Durch die sollen die Kinder zunächst einen glatten Ball befördern, dann einen mit abstehenden Noppen. Der flutscht bei weitem nicht so flott durch das Tuch. So gehe es auch im Magen des Bibers zu, wenn er statt leicht verdaulicher Blätter von Erlen oder Pappeln die Rinde von Bäumen angeknabbert hat. „Darauf ist er im Winter aber angewiesen“, erläutert Petra. Am liebsten mag er übrigens Blätter, Knospen und Wurzeln von Teichrosen, verrät die Referentin.

Mit dem Bibermobil von der Umweltwerkstatt Wetterau hat sie zusammen mit Sonja Müller, die einen Freiwilligendienst in Niddatal-Assenheim absolviert, einen fetten, ausgestopften Vertreter nach Mühlheim gebracht. Der sei von einem Auto überfahren, hören die Schüler betroffen. Die Biberfelle dürfen sie in die Hand nehmen, um zu ertasten, wie dicht der Pelz ist.

Am Bauch verfügen die Tiere über eine Fettdrüse. Mit der Flüssigkeit reiben sie sich die Haare ein, wodurch Wasser abgestoßen wird. Das erfährt die Runde, die sich um eine Wasserschale versammelt hat, indem die Leiterin ihnen Vaseline auf die Handrücken streicht. Dann lässt sie Wasser über die eingecremte und auf die unbehandelte Hand träufeln. Die Probanten bemerken, dass die Flüssigkeit durch die Vaseline abperlt. Und irgendwie fühlt sich das Nass auch nicht so kalt an, beschreibt Johannes.

Biber und andere Tiere

Der Gast zeigt mit einer Querschnitt-Zeichnung eines Biber-Baus, wie die Art lebt. Die Anhöhe unter Wasser und das „Dach“ darüber werden aus Gehölzen und Lehm geformt. Ein Paar lebt mit seinem aktuellen Nachwuchs und dem aus dem Vorjahr – danach werden die Sprösslinge aus dem „Hotel Mama“ vertrieben.

Mancherorts wurde die Rasse früher den Fischen zugeordnet – mit der Folge, dass sie auch in der christlichen, fleischlosen Fastenzeit gejagt und verzehrt wurden. Am 2. Mai kommt das Bibermobil erneut nach Mühlheim und unterrichtet zwei zweite Klassen der Markwaldschule.

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