Geschickte Jäger in der Nacht

NABU-Experte Hartmut Müller zeigt Mühlheimer Wanderern die Welt der Fledermäuse

Zur Wanderung hat Hartmut Müller auch eine kleine Fledermaus mitgebracht.
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Zur Wanderung hat Hartmut Müller auch eine kleine Fledermaus mitgebracht.

Naturinteressierte erhalten vom Experten Hartmut Müller einen spannenden Einblick in das Leben von Fledermäusen.

Mühlheim – Ob Vogelstimmen oder Erläuterungen zur einheimischen Flora am Naturschutzgebiet Grüner See – bei den Wanderungen des Naturschutzbundes (NABU) bekommen interessierte Teilnehmer stets einen Einblick in die Natur rund um die Mühlenstadt. Nun hatten die Organisatoren nach einiger Zeit wieder zu einer Nachtwanderung eingeladen. Dabei bekamen Naturinteressierte einen Einblick in das Leben von Fledermäusen.

Geleitet vom Fledermausexperten Hartmut Müller aus Seligenstadt wanderten 13 Teilnehmer in den Abendstunden durch die Streuobstwiesen rund um den Gailenberg. Doch zunächst gilt es am Treffpunkt, dem Parkplatz zwischen Lämmerspiel und Steinheim, den Anforderungen der Corona-Pandemie gerecht zu werden und sich in die inzwischen obligatorische Teilnehmerliste einzutragen. Dann hat Hartmut Müller für die Gruppe eine Überraschung im Gepäck.

Rund 25 in Deutschland lebende Fledermausarten

„Ich hab zwei Fledermäuse dabei“, begrüßt er die Teilnehmer. Dass der Experte gelegentlich erschöpfte oder verletzte Tiere wieder aufpäppelt, ist den meisten Anwesenden zwar bekannt, doch nun holt er vorsichtig eines der kleinen Säugetiere aus einem Kasten im Kofferraum seines Autos hervor. Behutsam hält Müller das Tier in der Hand und zeigt es seinen Begleitern. „Würde sie jetzt wegfliegen, wäre das nicht so schlimm“, sagt er weiter. „Doch lieber setzte ich sie wieder da aus, wo sie gefunden wurde, damit sie in ihr eigenes Quartier zurückfinden kann.“

In einer kleinen Einführung geht der Experte vor allem auf die rund 25 in Deutschland lebenden Arten ein, erläutert etwa wie die Tiere fliegen. „Fledermäuse fliegen mit ihren Händen“, lernen die Teilnehmer. Die kleinste der heimischen Arten ist mit gerade einmal fünf Gramm die Zwergfledermaus. Und auf eben diese treffen die Naturfreunde im Verlauf der Wanderung auch am häufigsten.

Ausgestattet mit einem Ultraschalldetektor, der die nicht hörbaren, hochfrequenten Wellen der Säuger in für den Menschen hörbare Klickgeräusche umwandelt, sind die kleinen Jäger leicht aufzuspüren. Dabei zeigt das Gerät auch die Hertz-Frequenz an. Diese dient dem Experten als Anhaltspunkt zur Bestimmung der Art. Die Zwergfledermaus etwa kommuniziert im Frequenzbereich um 45 Kilohertz.

Gleich mehrmals schlägt der Detektor auf dem Weg zum höchsten Punkt des Gailenbergs an. Die 13 Teilnehmer blicken regelmäßig hinauf zu den Baumkronen, bis wieder einer ruft: „Da ist sie!“ Eine Fledermaus könne im Dunkeln so gut sehen, wie Menschen im Hellen, jedoch nicht ganz so weit, berichtet Müller. Ihre Ultraschallwellen, die durch schnellste Muskelkontraktionen produziert werden, reichen je nach Art jedoch rund 100 Meter. Dabei erreiche der Schalldruck im nichthörbaren Bereich eine ähnliche Lautstärke wie ein Presslufthammer im hörbaren. In einer Nacht können die geschickten Jäger zudem bis zu 30 Prozent ihres eigenen Körpergewichts an Beute fressen. (Jan-Niklas Eickhoff)

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