Gläubige als „lebendige Steine“

Nach rund einem Jahr feiert die Friedensgemeinde ihre erneuerten Räume

Blickfang: Gäste testen und begutachten den neu installierten Treppenlift im Gemeindehaus.
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Blickfang: Gäste testen und begutachten den neu installierten Treppenlift im Gemeindehaus.

Als „Krönung der Baumaßnahme“ hat die Friedensgemeinde nach einjährigen Arbeiten die Einweihung von Erweiterung und Erneuerung ihres Gemeindehauses an der Büttnerstraße gefeiert.

Mühlheim –  Pfarrer Ralf Grombacher beschrieb das Projekt bereits in seiner Predigt, Architektin und Bauleiterin Karla Trillig blickte bei einer Feierstunde im umgestalteten Saal zurück. Vor zwei Jahren habe der Kirchenvorstand entschieden, den Sanierungsstau abzubauen und Barrierefreiheit herzustellen. Dazu erstellte das Architekturbüro Seipel ein „tragfähiges Konzept“ unter Mitwirkung von Bau- und Finanzausschuss, Spendenaktion und Öffentlichkeitsarbeit. Rund 500 000 Euro kostete das Vorhaben, den Löwenanteil von rund 300 000 Euro trug die Landeskirche, 30 000 Euro gab die Stadt, die Gemeinde zahlt 155 000 Euro aus Rücklagen und Spenden. Die Namen der Mäzene sind in Lichtkreisen gegenüber der Küche verewigt.

Das Ergebnis: Neben dem neuen großzügigen Eingang liegen ebenerdig ein Behinderten-WC und die Küche mit „optimaler Verbindung zu Saal und Garten“. Zur Bücherei kann ein Treppenlift genutzt werden. Der Saal wurde energetisch saniert, die Sanitärräume im Keller wurden erneuert. „Architekt Max Seipel hatte die Arbeiten baulich, zeitlich und finanziell im Griff“, lobte Kollegin Trillig. „Wen Gott strafen will, dem schenkt er eine Baugenehmigung.“ Pfarrer Ralf Grombacher erinnerte mit dem Sprichwort im Gottesdienst an die Mühen des Projekts. „Da sind tausend Entscheidungen zu treffen, was wann wie gemacht werden soll, wen man damit am besten beauftragen soll. Und wenn´s dann endlich losgeht, dann gibt es auch immer mal wieder Probleme.“ Obwohl „unsere Handwerker fast ausnahmslos unheimlich engagiert und zuverlässig gearbeitet haben, was sicher auch unserem Architekten zu verdanken ist, der da offenbar die richtige Auswahl getroffen und uns gut beraten hat“.

Einweihungsfeier : Das Pfarrerehepaar Ralf und Martina Grombacher (vorne rechts) freut sich mit den anwesenden Gästen über die neu gestalteten Räume der Friedensgemeinde. Fotos: prochnow

In der Vergangenheit wurden die Arbeiten immer wieder verschoben (wir berichteten), auch aus Kostengründen und wegen der Sichtweise: „Das Wichtigste ist doch, was in den Räumen stattfindet“. Doch, „da ist auch bei mir ein bisschen das typisch protestantische Denken durchgekommen: Wir stellen die ,Kirche des Wortes Gottes´ oft so sehr in den Mittelpunkt, dass das Drumherum vernachlässigt wird“. Nun hielt es die Gemeinde mit der Kirchenlehrerin Theresa von Avila: „Sei gut zu deinem Körper, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen“.

So entstand die Idee, das Gemeindehaus zum barrierefreien Versammlungsraum umzugestalten, „denn Gottes Einladung gilt allen Menschen“, unterstrich Grombacher. Einen ganz wichtigen Anstoß dazu habe der verstorbene langjährige Vorsitzende des Kirchenvorstands, Joachim Kanthak, gegeben, der in den letzten Jahren seines Lebens selbst im Rollstuhl saß. Der Pfarrer dankte allen Spendern, Helfern und der Stadt, die kostenlos Ausweichräume zur Verfügung gestellt hatte. Die Gläubigen sollen sich nun als „lebendige Steine“ einbringen, denn „alles, was in diesem Haus und in unserer Gemeinde geschieht, soll im Namen, im Auftrag und im Geiste Jesu Christi geschehen“. Der Seelsorger forderte die Christen auf, „lasst uns weiter bauen an einer Kirche, die den Glauben an Gott und die Liebe zu unseren Nächten verkündigt und lebt“.

Ute Zanger vom Dekanat-Synodalvorstand schwärmte, jetzt sei die Gemeinde „wieder daheim“. Der einladende Ort sei „gebaut mit dem Gedanken, Menschen zu verbinden, ihnen uneingeschränkte Teilhabe zu ermöglichen“. Dem katholischen Dekan Willi Gerd Kost gefiel die Freundlich- und Helligkeit. Jetzt können auch Barrieren abgebaut werden zwischen Gemeinden, das Gebäude gebe „tolle Impulse auch nach Dietesheim“, sagte der Priester. Und ergänzte mit einem Augenzwinkern, St. Sebastian wolle einen „ökumenisch-katholischen Stuhl“ kaufen, denn der Austausch des Mobiliars stehe noch aus. Auch Annette Pfeifer von der methodistischen Gemeinde am Südring möchte, dass „Barrieren im Kopf“ weniger werden. Bürgermeister Daniel Tybussek betonte, die Kirche leiste wertvolle Beiträge für das Leben in der Stadt. Mit Stadtverordnetenvorsteher Harald Winter beteilige er sich ebenfalls am Stuhl-Projekt. Vorsitzender Josef Zepezauer und der komplette Vorstand dankten, dass die Concordia-Chöre den „Hort der Begegnung“ nutzen dürfen.

Die Leiterin der Bibliothek und ausgebildete Märchenerzählerin Heide Gensheimer beschloss die Feier mit einem indischen Märchen, wonach die Freude an der eigenen Arbeit wichtig sei.

VON MICHAEL PROCHNOW

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