Reportage

„Natürlich haben wir mehr Aufwand“: So verläuft eine Streife der Ordnungspolizei auf dem Wochenmarkt

Patrouille auf dem Wochenmarkt: Die Ordnungspolizisten Nina Bordt (von links), Rico Bohlender und Sascha Dilcher kontrollieren auf der Bahnhofstraße.
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Patrouille auf dem Wochenmarkt: Die Ordnungspolizisten Nina Bordt (von links), Rico Bohlender und Sascha Dilcher kontrollieren auf der Bahnhofstraße.

Seit Beginn der Pandemie hat die Ordnungspolizei zusätzliche Aufgaben übernommen. Dabei ist vor allem Flexibilität gefragt. Wir haben die Streife begleitet.

Mühlheim – Noch bevor der Wochenmarkt um 6 Uhr morgens beginnt, sind Ordnungspolizisten bereits auf der Bahnhofstraße im Einsatz. „Wir schauen, dass der Platz für die Marktbeschicker frei ist“, erläutert Rico Bohlender beim Gang über den Wochenmarkt mit Kollegin Nina Bordt und Kollege Sascha Dilcher. Alle zwei bis drei Wochen komme es vor, dass wegen falsch parkender PKW Abschleppen eingeleitet werden müsse, informiert Bohlender.

Nicht nur die Kontrollgänge über den Wochenmarkt gehören zum Aufgabenspektrum der Mühlheimer Ordnungspolizei, auch unter anderem die Überwachung des fließenden und ruhenden Verkehrs, des Naherholungsgebietes oder die Einhaltung von stadteigenen Satzungen. So wurden etwa im vergangenen Jahr 2329 Verstöße im ruhenden und 8554 beim fließenden Verkehr von Mühlheims Ordnungspolizisten erfasst. Ansonsten wurden unter anderem Verstöße gegen die Satzung des Naherholungsgebiets, gegen die Abfallsatzung oder gegen die Straßenreinigungspflicht registriert. Auch die seit mehr als einem Jahr andauernde Corona-Pandemie hat die Aufgaben der Ordnungspolizei noch einmal anwachsen lassen. „Natürlich haben wir mehr Aufwand wegen Corona“, sagt Bohlender. Die Kontrolle der Maskenpflicht und die Einhaltung der Auflagen für Geschäfte gehören dazu.

Anzahl der Verstöße auf dem Wochenmarkt hat seit Pandemiebeginn abgenommen

Über den Tag verteilt versuche man dann noch, ein bis zwei Kontrollgänge auf dem Wochenmarkt zu absolvieren. „Meist schaffen wir aber nur einen, weil wir so viele andere Aufgaben zu erledigen haben.“ Der 36-Jährige beteuert: Auch wenn man versuche, sich eine Routine zurechtzulegen, ergebe sich der jeweilige Tagesablauf immer auch dem Zufall geschuldet. Es passiert immer irgendwas. „Man muss so arbeiten, wie es kommt und flexibel sein.“ Bohlender weiß, wovon er spricht. Er ist seit 14 Jahren Stadtpolizist, war schon in Offenbach und Frankfurt im Einsatz. Seit sechseinhalb Jahren stehe er im Dienst der Stadt Mühlheim, erzählt der 36-Jährige beim Passieren der verschiedenen Marktstände. Die Atmosphäre ist locker. Man kennt und grüßt sich.

Bohlender und seine Kollegen müssen mittlerweile auf dem Wochenmarkt nur noch selten Verstöße gegen die auf der Bahnhofstraße mitsamt Brückenmühlparkplatz geltende Maskenpflicht ahnden. Kurz nach deren Einführung habe es einige Verstöße gegeben, erinnert sich das Trio. Und wenn sich einer mal doch uneinsichtig zeigt, wird von den Ordnungspolizisten das Vergehen aufgenommen und an das Gesundheitsamt des Kreises Offenbach weitergeleitet. 175 Anhörungen zu eventuellen Verstößen wurden bislang von der Stadt weitergegeben. Beim Kreis werden die Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten bearbeitet. Im Zeitraum März 2020 bis März 2021 waren es den Angaben aus Dietzenbach zufolge kreisweit rund 1900 wegen Verstößen gegen die Coronaverordnungen eingeleitete Verfahren.

Keine besonderen Vorkommnisse auf dem Wochenmarkt in Mühlheim

Schwieriger als die Kontrollen auf dem Wochenmarkt gestalten sich die im Naherholungsgebiet Dietesheim. „Die sind wegen der Größe des Areals sehr aufwendig“, sagt Bohlender. Zweier-Patrouillen seien da ein Tropfen auf den heißen Stein. Da brauche es mehr Personal, meint der 36-Jährige. Er plädiere für Deeskalation durch massives Auftreten. „Es gibt Situationen, die sind zu zweit nicht zu stemmen.“ Aktuell sind sechs Ordnungspolizisten im Dienst der Stadt, im Herbst soll eine weitere Stelle besetzt werden. Dazu meint der für die Ordnungspolizei zuständige Erste Stadtrat Dr. Alexander Krey: „Als Dezernent plane ich mit einer Aufstockung des Personal der Ordnungspolizei einerseits, um die bestehenden Schichten zu stabilisieren und konstant zwei Personen in einer Schicht einsetzen zu können, zum anderen, um die Dienstzeiten der Ordnungspolizei auf das gesamte Wochenende auszudehnen.“ Letztlich obliege es aber der Stadtverordnetenversammlung, darüber zu befinden, betont Krey.

Bohlender, Bordt und Dilcher jedenfalls haben auf die Entscheidung wenig Einfluss. Sie kümmern sich um ihren Job, werden auf dem Markt immer wieder in Gespräche verwickelt, helfen bei Fragen weiter. „Wir versuchen immer, alles unter einen Hut zu bringen: den Dienstherren und die Bevölkerung“, sagt Bohlender. Glücklicherweise seien die Mühlheimer umgänglich. In Frankfurt und Offenbach habe er sich öfter Anfeindungen ausgesetzt gesehen. „Hier hält sich das absolut im Rahmen“, sagt Bohlender. Ohne ein besonderes Vorkommnis endet der Gang über den Wochenmarkt für das Trio. Weiter geht’s zur nächsten Kontrolle. (Von Ronny Paul)

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