Richtfest für das Doppel-U

Neue Blocks in der Seewiese nehmen Gestalt an

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Meteorologisch kalt und ungemütlich, aber mit sonnigen Aussichten für 38 Wohnungssuchende verbunden: Richtfest für die neuen Blocks in der Seewiese.

Mühlheim - Mit dem Richtfest stellte die Wohnbau gestern zwei Zwillingsgebäude in der Seewiese vor. Sie sollen zeitgemäßes Wohnen bezahlbar machen, lautete der Auftrag an die Planer. Im Oktober sollen die ersten von 38 Mietern in das 6,5-Millionen-Euro-Projekt einziehen. Von Michael Prochnow

Das Land hat es gefördert.
Es sind zwei kantige, U-förmige Gebilde. Ihre Architekten bedienen mit den klaren Linien den Bauhaus-Stil, der gerade wieder angesagt ist. Obendrein passt sich der Neubau der städtischen Immobilientochter Wohnbau GmbH seinem Gegenüber an, dem Ensemble des Friedrich-Ebert-Gymnasiums. Durchaus stolz präsentierte gestern Mittag dann auch Wohnbau-Geschäftsführer Ingo Kison die Adresse.

Bis letztes Jahr hatten an dieser Stelle noch schlichte Wohnblocks gestanden. Sie waren bereits geräumt und dem Abriss preisgegeben, als sie 2015 als Unterkunft für Flüchtlinge benötigt wurden. Die Räume wurden also wieder hergerichtet, bis die Migranten auf andere Einrichtungen verteilt werden konnten. Dann kamen die Bagger. Seit dem vergangenen Jahr wächst nun das lange gehegte Neubau-Vorhaben.

Auf dem fast 4200 Quadratmeter großen Grund begleiten die Architekten Andreas Pielok und Hans-Martin Marquardt die Konstruktion mit den Hausnummern 4 und 6. Je 19 Einheiten verteilen sich auf vier Etagen, die obersten entstehen als Staffelgeschoss. Um eine ausgewogene Bewohner-Struktur zu schaffen, entstehen zehn Zwei-Zimmer-Appartements mit gut 50 Quadratmetern und zwei mit knapp 80. Die 14 Drei-Zimmer-Wohnungen messen zwischen 67 und 73 Quadratmeter, das Dutzend mit vier Räumen etwa 95 Quadratmeter.

Die Zugänge seien weitgehend barrierefrei, hieß es, auch durch den Einbau von Fahrstühlen. In mehreren Wohnungen werden die seperaten WCs auch mit einer Dusche ausgestattet, die Küchen werden offen zu den Wohnzimmern hin aufgestellt. So genannte Vorstellbalkone und Terrassen auf dem obersten Geschoss eröffnen große Freiflächen, die Nachbarn im Parterre bekommen kleine Gärten. Per Fassadendämmung, Fenster und Blockheizkraftwerk werde der Energiespar-Standard 55 erreicht. Dieses Niveau gelte auch für das dahinter liegende Gebäude, die Seniorenheimat Goethestraße 35. Das Ensemble soll farblich mit einem einheitlichen Design und einer gemeinsamen Freifläche verbunden werden.

Im Parterre gibt es für alle Bewohner Platz zum Abstellen. Auf eine Unterkellerung verzichtet das Architekturbüro, um die Miete unter zehn Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zu halten, erläuterte Kison. Daneben werden 20 Parkplätze auf dem Gelände geschaffen, 18 außerhalb des Areals. Außerdem können 78 Fahrräder untergebracht werden.

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Von den Baukosten in Höhe von voraussichtlich 6,5 Millionen Euro stellt das Land Hessen rund 3,6 Millionen als Baudarlehen sowie einen Finanzierungszuschuss in Höhe von 360.000 Euro zur Verfügung. Für das „Effizienzhaus 55“ wird ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 1,6 Millionen Euro gewährt. Die Stadt hat zudem ein Erbbaurecht zu vergünstigten Bedingungen vergeben. Wegen der öffentlichen Förderung kann die Wohnbau in den kommenden Jahren einige andere Unterkünfte aus ihrem Bestand nur an Interessenten mit einem Wohnberechtigungsschein vergeben. Ob das als Plus oder nur als Wiederbelebung im Repertoire von Sozialwohnungen zu sehen ist, hat bereits für politischen Streit gesorgt.

Laut Kison liegen bereits 40 Bewerbungen für die Neubauten vor. Er dankte Stadt und Kreis sowie den beteiligten Unternehmen für die gute Zusammenarbeit und zollte den Handwerkern Respekt für ihr Engagement. Der Geschäftsführer wies auf die parallel betriebenen Baustellen seiner Gesellschaft hin: Am Hausener Weg werden Gebäude aufgestockt und ein weiterer Trakt errichtet. Dort gibt es insgesamt 60 neue Wohnungen.

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