Technisches Spektakel

Gute Nachricht für Bahnfahrer: Neue Eisenbahnüberführung über die Rodau eingesetzt

Neue Brücke über die Rodau: Am Wochenende wurde an der Eisenbahnüberführung unweit der Polizeistation gearbeitet. Foto: wittekopf

Ein kleiner Schritt für Mühlheim, aber ein großer Schritt für die vielen Tausend Bahnfahrer, die täglich die Strecke Frankfurt-Kassel nutzen: Die 127 Jahre alte Brücke, die bisher die Schnellzüge zwischen Frankfurt und Kassel sicher über die Rodau führte, hatte ihren Zenit überschritten und wurde durch eine neue Fertigteil-Betonbrücke ersetzt.

Mühlheim – Mehr als 50 Zuschauer begleiteten das technische Spektakel trotz nasskalten Wetters. Es gibt sicher keine Zeitzeugen mehr, die den Bau der gemauerten Brücke über die Rodau noch mit eigenen Augen erlebt haben. Mehr als ein Menschenalter hat die alte Überführung täglichen Dienst geleistet. Doch sie war durchfeuchtet und nicht mehr zu erhalten. 

„Wir haben geprüft, ob wir die alte Brücke renovieren können, aber das kam nicht mehr in Frage, denn sie ist innen zu feucht“, sagt Michael Möll, vom Regionalen Projektmanagement RB Mitte. „Sie steht auch nicht unter Denkmalschutz, also haben wir uns für einen Neubau entschieden.“

Mühlheim: Drei Jahre Vorbereitung waren nötig

Drei Jahre Vorbereitung waren nötig, um die Sperrzeit – also die Zeit, in der die ICE-Züge über andere Strecken umgeleitet werden – möglichst kurz zu halten. Mit dem Abriss wurde am Freitagnachmittag begonnen, Samstagnacht wurde die Brücke reingeschoben, am Sonntag Restarbeiten erledigt und Gleise verlegt, sodass am heutigen Montag gegen 4 Uhr der erste ICE wieder planmäßig drüberfahren sollte.

Mehr als 1200 Tonnen wiegt die neue Brücke, die vor Ort aus Beton gegossen wurde und zum Zielpunkt eingeschoben wurde. Um Zeit zu sparen, hat die Transportfirma die 250 Tonnen Schotter für das Gleisbett gleich mit auf die Brücke gepackt. Für die letzten hundert Meter nimmt sie einen sogenannten SPMT (Self-Propelled-Modular-Transporter) einfach „Huckepack“. Der 14-Achser erlaubt es, lange und sperrige Schwerlasten mit höchster Präzision zu transportieren. Das war auch notwendig, denn viel Platz zum Manövrieren hatte der Fahrer nicht. Jede Achse ist für sich selbst lenkbar und so näherte sich das Monstrum Zentimeter für Zentimeter dem Endpunkt. 

Mühlheim: Viele Aufgaben stehen noch aus

Ein Knackpunkt waren die Datenkabel, die sich entlang der Eisenbahnstrecke schlängeln. Christoph Noß von der DB-Kommunikationstechnik erläuterte, dass in den Glasfaserkabeln wichtige Daten fließen: „Wenn die Kabel beschädigt werden, dann geht bei vielen Menschen zwischen Frankfurt und Hanau digital nichts mehr.“

Doch letztlich machte sich die gute Vorplanung bezahlt und die Brücke landete sicher an ihrem neuen Einsatzort. Das neue Bauwerk wurde einfach auf die vorgefertigten Fundamente aufgesetzt. Die gesamte Konstruktion war so gerechnet, dass sie noch nicht einmal mehr verankert werden musste. Die ersten Restarbeiten wie das Auffüllen und Verdichten der Böschung wurden gleich noch in der Nacht erledigt. Letztlich kam nur noch das Team, das die Schienen verlegt. Nach der Abschlussprüfung wurde die Strecke wieder freigegeben.

Doch auch dann waren die Arbeiten noch nicht beendet, denn wie Michael Möll berichtete, stehen noch viele Aufgaben aus, die in den kommenden Monaten abgearbeitet werden. „Die Rodau mussten wir im Vorfeld überbauen und die Betonplatte muss jetzt wieder weg, der Platz zwischen dem Polizeirevier und der Brücke wird renaturiert und die Schallschutzwände müssen montiert werden.“

VON BURGHARD WITTEKOPF

Zusätzlich legt die Stadt Mühlheim einen neuen Bebauungsplan für das Areal von Bereitschaftspolizei und Hochschule vor. Ein neuer S-Bahn-Halt und mehr Wohnraum sind nötig.

Ein weiteres Problem in Mühlheim ist die ausgewiesene Schrittgeschwindigkeit vor der Kita Bürgerpark, denn an die halten sich längst nicht alle Verkehrsteilnehmer.

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