Trotz Corona den Start gewagt

Neues Café und Bistro an der Bahnhofstraße eröffnet

Mit Meerrettichblättern und Dill werden die Gurken eingelegt, die zu den polnischen Spezialitäten des Cafés und Bistros zählen. 
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Mit Meerrettichblättern und Dill werden die Gurken eingelegt, die zu den polnischen Spezialitäten des Cafés und Bistros zählen. 

Während andere ihr Geschäft schließen, öffnen sie eins: Im Herzen der Bahnhofstraße führen Piotr Stachowiak und Borce Kotevski seit Anfang Juni das Café & Bistro Mila.

Mühlheim –  „Wir haben es trotzdem gewagt“, sagt Kotevski, schiebt seine Maske über die Nase und empfängt mit einem Lächeln, das durch den Stoff dringt, drei Damen dreier Generationen. Das Duo bietet polnische Lebensmittel und verwöhnt seine Gäste mit Spezialitäten aus dem Nachbarland.

Piotr Stachowiak (38) ist in Poznan geboren und gelernter Konditor. Zur Saisonarbeit kam er vor 15 Jahren nach Deutschland, hat in einer Gaststätte in Neu-Isenburg angeheuert, war dann in der Führung eines Schnellrestaurants tätig. Quereinsteiger Borce Kotevski (44) wurde in Fulda geboren, war zunächst Lagerist, dann ein Jahr in einer Konditorei beschäftigt, wechselte schließlich zu einem Reifenhersteller. 2011 haben sich beide Männer bei einer Schulung kennengelernt. Zwei Jahre später haben sie eine Reinigungsfirma in Mühlheim gegründet, mit der sie bis heute in der Region tätig sind.

Der „Renner“ im Mila? Stachowiak muss nicht lange überlegen und holt eine Bio-Limonade mit Zitronengeschmack aus dem Kühlschrank. Die eigentlichen Spezialitäten, für die viele Landsleute der beiden Inhaber mit polnischen Wurzeln in die Nummer 18 kommen, sind Piroggen: gefüllte Teigtaschen, erläutert Stachowiak. Und für die nach polnischem Rezept mit Meerrettichblättern und Dill eingelegten Gurken reisten Gourmets von weit her ins Herz der Mühlenstadt. Diese werden in Polen zum Frühstück oder als Gurkensuppe genossen.

Stachowiak und Kotevski haben in den ersten Wochen seit der Eröffnung viel Lob erhalten, es sei „sehr mutig“, jetzt zu starten. „Wir haben eine sehr unterschiedliche, internationale Kundschaft“, überschauen die Geschäftsführer den Anklang, den Mila findet. Auf polnisch bedeutet der Name „herzlich“, unterrichtet Stachowiak. Und genau so begrüßt er eine Seniorin, die nach Sledz fragt, einer besonderen Fischart. Die habe sie einmal in Polen gekostet und suche seitdem danach. Mila war ihre „letzte Hoffnung“, und die Dame wird nicht enttäuscht. Die beiden haben den Fisch zwar nicht da, aber er wird bestellt. Viele Kunden haben den Laden im Internet entdeckt und zeigen sich aufgeschlossen, Unbekanntes zu kosten. „Wir sind noch am Experimentieren mit dem Sortiment“.

Erreicht haben sie, dass sie vorm Schaufenster Tische unter freiem Himmel aufstellen dürfen. Viele Mühlheimer genießen es, bei einer Tasse Tee oder Cappuccino zum Kuchen von der heimischen Konditorei Kinnel das bunte Treiben auf der Straße zu verfolgen. „Wir haben lange für sechs Plätze im Freien gekämpft, aber es hat geklappt“, berichtet Kotevski. Auch am Alkohol-Ausschank seien sie dran. Es bedarf dazu einer weiteren Genehmigung.

Dankbar sind die Unternehmer ihren Vermietern, der Familie Andres. Architekt Frank Andres habe die ehemalige Wohnung nach den Vorstellungen der Pächter gestaltet, mit offenem Fachwerk und freigelegten Ziegeln.

Das Café & Bistro Mila ist werktags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 9 bis 16 Uhr.

VON MICHAEL PROCHNOW

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