Eine Monatskarte fürs Büro

Arbeitsplatz auf Zeit im „Coworking Space“

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Das Ehepaar Nicole und Ralf Zimmermann (unten) bietet an der Bahnhofstraße flexible Büroplätze an.

Mühlheim - Vor Kurzem eröffnete das Ehepaar Nicole und Ralf Zimmermann an der Bahnhofstraße 61 einen sogenannten „Coworking Space“ mit dem Namen „Turtles Lab“. Von Stefan Mangold 

Wer nur ab und zu einen Büroplatz braucht oder keinen Mietvertrag unterschreiben will, der noch gilt, wenn die Geschäftsidee doch nicht zündete, dem bieten die Zimmermanns Alternativen an.
In ein paar Jahren könnte es flächendeckend möglich sein, auf der Gasse in irgendein Mietauto zu steigen, um von A nach B zu kommen. Das ergibt Sinn. Im Schnitt fährt jedes Auto nur eine halbe Stunde pro Tag. Eigentlich ist es Quatsch, für etwas viel Geld auszugeben, das die meiste Zeit herum steht.

Ähnlich dachten die Zimmermanns über eine frei gewordene Fläche von mehr als 100 Quadratmetern im ersten Stock ihres Hauses. Das älteste von drei Kindern war mit 25 Jahren ausgezogen. Den Teil als Wohnung für Fremde zu verwenden, hätte zum Nutzungscharakter der Immobilie in Bahnhofsnähe nicht gepasst. Im Erdgeschoss betreibt der studierte Elektrotechniker Ralf Zimmermann die „rundum Datenverarbeitungstechnik GmbH“. Hauptsächlich geht es um großformatigen Digitaldruck für gewerbliche Kunden. Mit „Turtles Lab“ zielen die Zimmermanns vor allem auf Kundschaft aus der Medienbranche, „auf Webdesigner oder Programmierer“.

Das Konzept erinnert an den öffentlichen Nahverkehr. Wer nur ab und zu in den Bus steigt, kommt mit Einzelfahrscheinen günstiger weg als mit Monatskarten. Von Montag bis Freitag zwischen 9 bis 18 Uhr kostet ein Büroplatz für einen Tag 15 Euro. Um die zehn Tickets nach und nach einzulösen, hat man ein viertel Jahr Zeit. Ein Monat kostet 99 Euro. Wer eines der vier abschließbaren Büros samt ständigem Zugang braucht, der bezahlt monatlich 299 Euro, generell alles inklusive Internet, Strom und Nebenkosten. Die Mehrwertsteuer kommt hinzu. Wer Kundschaft empfängt, kann sich im aufwendig sanierten Haus aus dem 19. Jahrhundert in einem Konferenzraum unterhalten, ganz gleich, welchen Tarif er nutzt.

Ralf Zimmermann erzählt von einem vergleichbaren Modell in einer ehemaligen Papierfabrik in Köln-Deutz, wo 25 Freiberufler und Kleinunternehmer sich nicht nur die Flächen teilen, sondern einander auch zuarbeiten. Beim Catering-Service im Keller bestellen auch viele aus dem Haus. Eine selbstständige Buchhalterin übernimmt parallel die Rolle der Empfangsdame. Ähnliches stellen sich die Zimmermanns für „Turtles Lab“ vor, „dass Freiberufler verschiedener Sparten einander zuarbeiten“. Außerdem habe es einen sozialen Aspekt, sich beim Kaffee mit anderen unterhalten zu können, statt immer nur alleine zu Hause zu werkeln.

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Bisher nutzen zwei Programmierer den Monatstarif. Für Januar haben sich weitere Interessenten angemeldet. „Wir achten darauf, dass es passt“, betont Nicole Zimmermann. So kam etwa eine Firma nicht in Frage, die beabsichtigte, im Konferenzraum permanent Schulungen abzuhalten, „ständig wären irgendwelche unbekannten Leute mit der Pinnummer zur Türe reingekommen“.

Zwar klingt „Coworking Space“ nach dem klassischem Marketing-Neusprech, aber bei den Zimmermanns handelt es sich um ein entspannt und bodenständig wirkendes, humoriges Paar. „Wir führen eine Mischehe“, lacht Nicole, „ich bin in Dietesheim aufgewachsen, Ralf in Mühlheim“.

Der Name „Turtles Lab“ rührt von Herrn Schmidt, der ebenfalls Zugang zum Haus hat, den er aber bis März nicht nutzen wird. Bei Herrn Schmidt handelt es sich um eine Wasserschildkröte, die sich vor ein paar Wochen mal wieder in den Boden des Miniaturteichs im Hof zum Winterschlaf versenkte. Im Wachzustand gibt sich Herr Schmidt durchaus behände und gesellig, „der arbeitet sich oft die Treppen hoch und macht dann erst mal die Runde“.

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