Mühlheim

Albtraum vom Eigenheim: Kauf treibt Familie in den Ruin 

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Warten auf das Nachlassgericht: Selten dürfte jemand den Kauf eines Hauses so bereut haben wie Maysun und Younes Al Haj.

Ein Ehepaar aus Mühlheim will sich den Traum vom Eigenheim erfüllen. Aber ein Verfahrenspfleger vom Nachlassgericht legt Beschwerde ein - mit schweren Folgen.

  • Familie aus Mühlheim (Kreis Offenbach) möchte ein Haus kaufen 
  • Verfahrenspfleger blockiert Hauskauf durch Beschwerde
  • Streit treibt Familie in finanziellen Ruin

Mühlheim – Eigentlich wollte das Ehepaar Maysun und Younes Al Haj aus Mühlheim (Landkreis Offenbach) nur ein Haus kaufen. Nach über einem Jahr sind die Dietesheimer mehr als 42 000 Euro los. Davon haben sie weit weniger als nichts. Ein Verfahrenspfleger blockierte durch Beschwerde den Hauskauf. 

Seit November liegt die Akte beim Nachlassgericht in Offenbach zwecks Weiterleitung ans Oberlandesgericht in Frankfurt. Seit Februar 2019 müssen die Al Hajs neben ihrer Miete noch monatlich 762 Euro für Bereitstellungszinsen überweisen.

Alptraum vom Eigenheim in Mühlheim (Kreis Offenbach): Verkaufsgenehmigung zieht sich hin

Die Arzthelferin Maysun Al Haj (46) lebte noch nie woanders als in Mühlheim (Kreis Mühlheim). Der Chemieingenieur Younes Al Haj (50) übersiedelte in den 90er-Jahren von Jordanien. Am 9. November 2018 unterschrieben die Eltern von vier Kindern einen Kaufvertrag für ein Haus in Dietesheim (Kreis Offenbach). Zuvor hatte das Ehepaar mit der Bank den Kredit vereinbart, hinterher mehr als 42 000 Euro für die Maklerin, den Notar und die Grunderwerbssteuer bezahlt.

Das Haus gehörte einem alleinstehenden 93-Jährigen. Verwandte gab es keine. Der demente Mann wohnte im Pflegeheim. Das Betreuungsgericht Offenbach erledigte seine Geschäfte. Das musste noch den Verkauf genehmigen. Reine Formsache, die zwei bis drei Wochen dauern sollte.

Alptraum vom Eigenheim in Mühlheim (Kreis Offenbach): Verfahrenspfleger legt Beschwerde ein

Doch am 23. November 2018 starb der Eigentümer. Nun wechselte die Zuständigkeit vom Betreuungs- auf das Nachlassgericht Offenbach, das jetzt den Verkauf genehmigen musste und den Nachlassverwalter S. bestellte. Der gab sein Plazet zum Kaufvertrag. Das Nachlassgericht genehmigte den Verkauf am 24. Oktober 2019, also ein knappes Jahr nach dem Tod des Eigentümers. 

In einem Schreiben vom 4. November 2019 legte der gerichtlich bestellte Verfahrenspfleger T. Beschwerde gegen den Kaufvertrag ein. Dessen Aufgabe liegt darin, die Rechte „der unbekannten Erben“ zu wahren. Er wird nach Zeitaufwand bezahlt.

Alptraum vom Eigenheim in Mühlheim (Kreis Offenbach): Haus hatte schon länger zum Verkauf gestanden

Maysun und Younes Al Haj aus Mühlheim (Offenbach) erklären, das Haus hätte schon länger zum Verkauf gestanden. Die Maklerin habe ihnen damals erzählt, das bisher höchste Gebot hätte bei 280 000 Euro gelegen. Das Ehepaar Al Haj hatte den notariell beglaubigten Kaufvertrag bei 320 000 Euro abgeschlossen. 

Ein Gutachten vom 14. Oktober 2019, das Nachlassverwalter S. bei der Sachverständigen Architektin R. in Auftrag gegeben hatte, beziffert das mit Einfamilienhaus im Landkreis Offenbach samt Nebengebäude und Garage bebaute Grundstück zum Stichtag 23. November 2018 auf einen Verkehrswert von 247 .000 Euro.

Alptraum vom Eigenheim in Mühlheim (Kreis Offenbach): Verkehrswert liege über gezahltem Preis 

Verfahrenspfleger T. erklärt in seiner Beschwerde, die VVB-Immobilien GmbH habe zum Stichtag 15. August 2018 „fundiert festgestellt, dass der Verkaufswert zwischen 330 000 und 350 000“ liege. Der persönliche Eindruck vor Ort, der aktuelle Bodenrichtwert sowie die Richtlinien des Bundesbauministerium zur Ermittlung des Sach- und Ertragswerts ergäben diesen Wert.

Dazu komme laut Verfahrenspfleger T. noch ein Grundstücksteil im Wert von 10 000 Euro. Weitere Betrachtungen wie vom „Immobilienbüro der Sparkasse Offenbach“ sprächen dafür, „dass der Verkehrswert weit über 320 000 Euro liegt“. T. bezieht sich außerdem auf „Vergleichsobjekte im Netz“. „Welche Verkaufsobjekte er hinzugezogen hat, entzieht sich meiner Kenntnis“, betont Mario Schmidt, der Anwalt der Al Hajs aus Mühlheim (Kreis Offenbach).

Alptraum vom Eigenheim in Mühlheim (Kreis Offenbach): Haus in schlechtem Zustand

Der Verfahrenspfleger bezweifelt außerdem die Kompetenz der Architektin R., sie sei nicht vereidigt. Welche bauspezifischen Details ihm an deren Gutachten missfallen, lässt T. offen. Architektin R. resümiert den Zustand des Hauses nach 39 Seiten als „modernisierungsbedürftig, teilweise schadhaft“. 

Eine Außenwand sei durchnässt, Dachbalken von Schädlingen befallen. Fotos lassen auf hohe Sanierungskosten schließen. Das Ehepaar bereut den Kauf: „Hätten wir nur gewusst, wie es unter den Tapeten aussieht, hätten wir die Finger davon gelassen.“ Bilder zeigen Risse in den Wänden. „Verfahrenspfleger T. hat das Haus niemals besichtigt“, erklären die Al Hajs aus Mühlheim (Kreis Offenbach).

Alptraum vom Eigenheim in Mühlheim (Kreis Offenbach): Ehepaar in finanzieller Not

T. beantragt in der Beschwerde „die Weitergabe der Nachlassakte zum Oberlandesgericht Frankfurt zum Zwecke der abschließenden Klärung“. Seit Anfang November warten die Al Hajs aus Mühlheim (Kreis Offenbach) darauf, dass die Akte die knapp acht Kilometer Luftlinie zwischen den Gerichten überwindet. Das Ehepaar hofft, dass Gespräche mit der DSL Bank Erfolg haben werden und das Geldinstitut die Zahlung der Bereitstellungskosten solange einfriert, bis der Entscheid vom OLG Frankfurt eintrifft.

Ein Rücktritt wäre für die Nerven und den Schlaf des Paares aus Mühlheim (Kreis Offenbach) vielleicht das Beste, finanziell jedoch ein weiteres Desaster: „Wir müssten der Bank weitere 90 000 Euro für den dann ausgefallenen Kredit bezahlen.“

Coronavirus in Mühlheim (Kreis Offenbach)

In der Stadt Mühlheim sind die Auswirkungen des Coronavirus deutlich spürbar. Auf dem Wochenmarkt in der Innenstadt von Mühlheim (Kreis Offenbach) sind wegen des Coronavirus deutlich weniger Besucher anzutreffen. 

Außerdem versorgen Einzelhändler in Mühlheim (Kreis Offenbach) ihre Kunden aufgrund des Coronavirus jetzt per Liefergemeinschaft. Aber die Angst um die Geschäfte bleibt.

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