Kirche

Pfarrer mit Auslandsjahr: Dekan Willi Gerd Kost feiert 30-jähriges Priesterjubiläum

Mit bärenstarken Dekanat Rodgau: Willi Gerd Kost.
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Mit bärenstarken Dekanat Rodgau: Willi Gerd Kost.

In Zeiten, in denen Ehen kaum bis zum „verflixten siebten Jahr“ halten, ist es schon ein gutes Zeichen, wenn einer seiner Braut über 30 Jahre treu bleibt. So lange lebt Willi Gerd Kost besonders eng verbunden mit der Kirche: Am 15. Juni 1991 wurde er im Hohen Dom zu Mainz geweiht und sein silbernes Priesterjubiläum feiert der Dekan am Dienstag als Pfarrer von Dietesheim und Lämmerspiel.

Mühlheim – Der Rheinhesse erblickte in Budenheim das Licht der Welt, wuchs zwischen einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder auf. Als Messdiener war ihm die Nähe zum Altar vertraut, sodass er nach dem Abitur in Mainz und Tübingen Theologie studierte. Mit ihm bereiteten sich noch 14 Seminaristen auf den Dienst vor – heute freut sich das Bistum über einen einzigen Kandidaten.

Als Kaplan wirkte Kost nach seiner Weihe bis 1993 in Fürth, Rimbach und Crumbach an der Nibelungenstraße, danach bis 1996 in Gießen, St. Bonifatius. Wegen des starken Jahrgangs kam es zu einem „Pfarrer-Stau“, es gab mehr Geistliche als freie Stellen. Willi Gerd Kost zog es für ein Jahr nach Michigan, wo er als Priester in einer Ordensgemeinschaft wirkte.

Dort gefiel ihm die Spiritualität, aber auch, „dass geistliche Aufgaben mit dem praktischen Leben verbunden waren“. Der Theologe musste also auch mit dem Traktor den Rasen mähen, Schnee schippen, das Haus streichen. „Zwei Stunden waren für die Hausarbeit reserviert“, erzählt er, „und einmal in der Woche musste jeder kochen“. Seine mangelnden Kenntnisse auf diesem Gebiet vertuschte er mit dem Hinweis, „das wird bei uns im Norden gern gegessen!“.

Seine erste Pfarrerstelle lag ganz nah der Heimat, in Heidesheim und Wackernheim. Als der Weihbischof einen Mitbruder „mit Erfahrung, großem Herz, Humor und Gelassenheit“ für zwei Gemeinden am Main suchte, bewarb sich der Rheinland-Pfälzer. „Ich hab mit meinen Eltern einen Ausflug gemacht, die Kirche in Dietesheim angeguckt, und war begeistert.“ Das Lämmerspieler Gotteshaus stand im Kontrast dazu, beeindruckte ihn mit der halbrunden Anordnung der Bänke aber auch.

Sein Vorgänger im Dekanalamt, Johannes Schmitt-Helfferich, überzeugte ihn mit einem „einladenden und gewinnenden Brief“. Der Seelsorger von St. Markus suchte einen Mitbruder, mit dem er „an einem Strang ziehen“ könne. Kaum war der Name Kost als neuer Pfarrer genannt, „haben sich die ersten Dietesheimer ins Auto gesetzt und sind nach Heidesheim gefahren, um mich kennen zu lernen“.

Seine Begeisterung für das Priesteramt liege bis heute unter anderem in der Feier der Heilige Messe und dem Spenden der Sakramente. Ganz besonders liegen ihm Trauerzeremonien am Herzen: Nirgends sonst begegne er so vielen Leuten, die so aufgeschlossen für christliche Aspekte sind. „Da kannst du knallharte Typen erreichen, die erkennen, vielleicht gibt’s noch was anderes im Leben.“

In Dietesheim und Lämmerspiel gebe es „wirklich viele Leute, die sich engagieren, eigene Akzente setzen“, lobt der Seelsorger. Manchmal wünsche er sich allerdings einen stärkeren Besuch der Gottesdienste. Als Dekan arbeite er intensiv am Pastoralen Weg der Diözese mit. Ob er die Mühlenstadt verlassen und noch einmal in einer anderen Pfarrei anfangen wird? „Das römische Recht ist aufseiten des Pfarrers. Hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen, kann er nicht ohne seinen Willen versetzt werden“, antwortet der 57-Jährige vielsagend. Und freut sich, dass er da ist, wo er ist: „Was für tolle Leute wären mir sonst durch die Lappen gegangen.“ (Von Michael Prochnow)

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