„Jeder kann 500 Kilogramm CO2 einsparen“

Pflanzaktion in den vom Verein Zugpferd aufgestellten Hochbeeten in der Mühlenstadt

Ehrenamtliche Gartenarbeit: Frank Sobanski vom Verein Zugpferd (links) bepflanzt mit Streetworker Christoph Kleinschmidt und Lehrerin Christina Schwab Hochbeete.
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Ehrenamtliche Gartenarbeit: Frank Sobanski vom Verein Zugpferd (links) bepflanzt mit Streetworker Christoph Kleinschmidt und Lehrerin Christina Schwab Hochbeete.

Kohlrabi, Pflücksalat, Zuckererbsen, Mangold, Steckzwiebeln und Radieschen kennen keine Krise. Sie gedeihen in diesen Tagen prächtig, auch in 17 Hochbeeten, die das Team vom Verein Zugpferd bepflanzt hat.

Mühlheim – Im Garten der Lämmerspieler Grundschule steht einer der hölzernen Kästen, dort hegen und ernten künftig Drittklässler sowie Kinder der Betreuung in der Villa Brüder Grimm Gemüse und Salat.

„Die Radieschen werden als erste reif sein“, weiß Frank Sobanski. Der Leiter des Vereins am Forsthaus im Wald zwischen Lämmerspiel und Mühlheim kennt sich inzwischen aus mit Grünzeug aller Arten. Der Verein fördert „Bildung und Erziehung mit dem Ziel, jungen Menschen zu helfen, sich in die Gemeinschaft und somit in die Gesellschaft zu integrieren“, heißt es in den Statuten.

Die Kursteilnehmer sollen persönliche Verantwortung für das eigene Tun und Wirken übernehmen, das eigene Leben aktiv gestalten und sich in Freiheit weiterentwickeln. Dazu bietet das „Zugpferd“ Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekte auf beruflicher und sozialer Ebene an.

An der Brüder-Grimm-Schule hat Sobanski mit Streetworker Christoph Kleinschmidt, Christina Schwab, Lehrerin der Klasse 3c, und Tina Eckert von der Schulbetreuung die vier mal ein Meter großen und 75 Zentimeter hohen Kisten gefüllt. Mitarbeiter von „Zugpferd“ haben insgesamt 20 Exemplare gezimmert, die nun an öffentlichen Einrichtungen der Mühlenstadt stehen.

So sprießen jetzt Rhabarber, Winterzist und Helgoländer, der „ewige Kohl“, an Schule und Kindergarten in Markwald, in den Kitas Regenbogeninsel, Wilde Rehkids, Wilde Zwerge und Schillerstraße, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Jugendzentrum und Bürgerpark. Auf der Erlebniswiese des Obst- und Gartenbauvereins am Lämmerspieler Friedhof gedeihen Kräuter, im Rathaushof blüht ein Hochbeet mit heimischen Sorten von Büschen und Stauden. Die insgesamt 700 Pflanzen stammen aus einer Gärtnerei in Frankfurt, in der auch Menschen mit Behinderungen arbeiten.

Ein Anlass für das Engagement des „Zugpferds“ war der Aufruf von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren. „Jeder Teilnehmer an der Hochbeet-Aktion kann 500 Kilogramm CO2 einsparen“, hat Sobanski errechnet. Für das selbst gezogene Gemüse müsse keine Ware mit Lastwagen aus der Ferne transportiert werden. „Auch hier haben wir Superfood, warum muss es die Avocado aus Chile sein?“, argumentiert Sobanski.

Der Sozialpädagoge arrangiert Workshops mit Schülern und ein Informationsblatt für Lehrer, hat Filme im Internet und die „Sendung mit der Maus“ zu Natur-Themen zusammengetragen, überlegt mit den Schülern, „wo kommt das Essen her?“. Dazu setzt Sobanski auch das „Forschermobil“ der Stadtwerke ein. Ebenso seien Kochkurse mit Kindern und Erwachsenen denkbar.

„Schon im Juni können Gurken, Tomaten, Bohnen, Zucchini und verschiedene Kohlsorten geerntet werden“, informiert der Sprecher. „Im Herbst folgen dann Weiß-, Rot-, Grün-, China- und Rosenkohl, Feldsalat, Wintersellerie und Brokkoli“, lautet die Aussicht. Jetzt soll sparsam gegossen werden, damit die Wurzeln nicht an der Oberfläche bleiben, sondern tief ins Erdreich treiben, weist der Zugpferd-Mann die Pädagoginnen an.

VON MICHAEL PROCHNOW

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