Aktiv mitgestalten

Politischer Nachwuchs: Jusos, Grüne Jugend und Junge Union engagieren sich in Mühlheim

Politisches Engagement junger Menschen: die Jusos jüngst bei ihrer Müllsammelaktion im Stadtgebiet und die Grüne Jugend bei ihrer Gründung im vergangenen Jahr.
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Politisches Engagement junger Menschen: die Jusos jüngst bei ihrer Müllsammelaktion im Stadtgebiet und die Grüne Jugend bei ihrer Gründung im vergangenen Jahr.

Politikverdruss bei jungen Menschen? Nicht in Mühlheim. Bündnisgrüne, sowie Sozial- und Christdemokraten zeigen, wie sich junge Menschen in ihrer Heimatstadt politisch engagieren.

Mühlheim – Nicht nur über Politik meckern, sondern „auch selbst aktiv mitgestalten“ war für Lasse Westphal die Motivationen, Mitbegründer der Grünen Jugend in Mühlheim zu werden. Vor rund einem Jahr sei einigen aufgefallen, „dass es an einer politischen Beteiligungsmöglichkeit für Jugendliche fehlt, die unsere Stadt ökologischer, weltoffener, sozial gerechter und solidarischer gestalten kann“, erinnert sich Westphals Mitstreiter und Vorstandskollege Tim Rieth. Die Grüne Jugend habe da „am ehesten unseren politischen Überzeugungen“ entsprochen. Mit jungen Mitgliedern des Ortsverbandes rief man vor rund einem Jahr die Grüne Jugend ins Leben. Mittlerweile gibt es zehn aktive und stimmberechtigte Mitglieder, berichtet Westphal. Aber noch einen größeren Kreis an Interessierten, die „regelmäßig aktiv an unseren Treffen und Aktionen teilnehmen – auch ohne Parteibuch“.

Jene, die ohne SPD-Parteibuch in der Jugendorganisation mitmachen, gibt es auch bei den Jusos, bei denen Candas Filiz seine politsche Heimat gefunden hat. 2016 war das, als er in unserer Zeitung von der Neugründung der Jusos las und sich ihnen anschloss. Die Jusos seien für ihn die demokratisch gesehen am besten aufgestellte Jugendorganisation“, sie „trauen sich ihren Mund aufzumachen und zu zeigen, was sich in Deutschland verbessern kann“, sagt Filiz, der einer von rund 15 aktiven Ehrenamtlern der Jusos und mittlerweile auch ihr Vorsitzender ist. Ihm gefallen die „sozialen und progressiven Inhalte“ und dass man „auch klare Kante gegen Verfassungsfeinde“ zeige. Als Hauptbeweggrund für sein politisches Engagement nennt Filiz, dass er 2016 den Militärputsch in der Türkei erlebt hat. „Somit weiß ich, was passiert, wenn Menschen in der Politik mit einer diffamierenden Sprache und Halbwahrheiten arbeiten.“ Er sei den Jusos beigetreten, „um diesen reaktionären und respektlosen Kräften Einhalt zu gebieten“.

Nico Rackensperger von der Jungen Union hat sich „schon immer für Politik interessiert“. Vor fünf Jahren wagte er den Schritt in die Jugendorganisation und ist mittlerweile sogar stellvertretender Fraktionsvorsitzender sowie auch Vize-Parteichef der Mühlheimer Christdemokraten. Nachdem er alle Parteiprogramme gelesen hatte, stand für ihn fest: „Die CDU passt am besten zu mir“, sagt Rackensperger. „Außerdem kannte ich ein paar Leute, die ebenfalls dort aktiv waren, die Gespräche und Diskussionen haben mir Freude gemacht und man konnte sich auch als junger Mensch gut einbringen.“ Aktuell treffen sich die 18 Mitglieder der Jungen Union coronabedingt nicht regelmäßig, dafür tauscht man sich per Videokonferenzen über aktuelle Themen aus.

„Wir setzten als junge Menschen Schwerpunkte in den Bereichen Sicherheit, Finanzen und Familie. Das sind die drei wichtigsten Themen für uns“, sagt Rackensperger. Ihm liege zudem eine solide Finanzpolitik am Herzen. „Wir können nicht einfach immer mehr Schulden machen. Das sind alles schwere Belastungen für meine Generation und auch danach.“ Auch sei ihm eine sinnvolle Baupolitik in Mühlheim wichtig. „Wachstum um jeden Preis ist falsch“, betont der 24-Jährige.

Für die Grüne Jugend sei neben „sozialer Gerechtigkeit, Antirassismus und Antifaschismus“ vor allem Umwelt- und Klimaschutz von zentraler Bedeutung, sagt Rieth. „Darüber hinaus wollen wir als politische Jugendorganisation insbesondere etwas für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vor Ort tun.“

Internationaler Tag der Jugend

„Jugend und Migration“ nennt Juso Filiz als Themen, die ihm besonders am Herzen liegen. „Es ist für ein gesundes und nachhaltiges Miteinander wichtig, sich gegenseitig zu verstehen.“ Dazu gehöre auch, „dass wir endlich akzeptieren müssen, dass Jugendliche und junge Erwachsene unsere Zukunft mitgestalten wollen.“ Auch betont er: „Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen mit Migrationshintergrund als vollwertige Deutsche akzeptiert werden und ebenso mitgestalten.“ Er findet, dass es da in Mühlheim „dank SPD und Ausländerbeirat gewaltig gute Fortschritte“ gebe. Den Jusos sei ebenso „ein sauberes und soziales Mühlheim“ wichtig, „weshalb wir immer wieder dazu auffordern, mehr an den Lebensladen zu spenden, und Jugendliche ins Jugendzentrum mobilisieren“.

Die Jusos treffen sich regelmäßig, auch für Aktionen wie Müllsammeln (wir berichteten). Auch plane man Diskussionsveranstaltungen – sofern sich die Pandemie verschlimmert – online, „um unsere Mitmenschen über die aktuellen Geschehen in Mühlheim zu informieren und mit ihnen zu diskutieren, wie sich die Stadt lebenswerter gestalten lässt“, informiert Filiz.

Bei der Jungen Union plane man wegen der beruflichen Gebundenheit der Mitglieder derzeit nur Aktionen mit der CDU zusammen. Diese wird die Junge Union „tatkräftig unterstützen“, verspricht Rackensperger. „Das gilt beispielsweise für den Wahlkampf mit Infoständen, Plakaten und Flyern, auch bei der Erstellung des Wahlprogramms und der Kandidatenliste sind wir eingebunden.“ In der Vergangenheit habe man sich etwa gegen Wettbüros und Spielhallen engagiert oder auch politische Statements abgegeben. Jedoch gibt Rackensperger zu: „Unsere Internetseite muss auch wieder überarbeitet werden.“

Die bislang größte von der Grünen Jugend initiierte Aktion sei die zusammen mit dem Bündnis „Bunt statt braun“ veranstaltete „Mühlheim gegen Rassismus – gemeinsam für Vielfalt und Akzeptanz“-Kundgebung gewesen, sagt Rieth.

„Neben den klassischen Aktionen, die wir gemeinsam mit unserer Mutterpartei auf die Beine gestellt haben und auch stellen werden – etwa Informationsstände, politische Wanderungen – sind wir gerade dabei, eine Fahrradtour zu organisieren“, informiert Rieth weiter. „Zudem ist unsere Kneipentour durch Mühlheimer Lokale gerade in vollem Gange.“

In meinen Augen müsste mehr vermittelt werden, dass wir als Jugend diejenigen sind, die die Politik von morgen machen werden.

Kristina Braun aus dem Vorstand der Grünen Jugend hat beobachtet, dass junge Menschen über Bewegungen wie „Fridays For Future“ oder auch „Black Lives Matter“ „über verschiedene Zugänge wieder politischer werden“. Um möglichst viele junge Menschen für Politik zu begeistern, bedürfe es eines veränderten Bildes in den Parlamenten, die meist zu überaltert seien, meint sie. „Wir haben noch immer zu wenige Migranten, zu wenige Frauen und zu wenige junge Menschen in unseren Parlamenten.“ Westphal ergänzt: „Wir kämpfen für mehr Begegnungsorte, mehr Aufenthaltsqualität und Kontaktangebote für jung und alt. Wir wollen, dass die Stadt durch Begrünung und Fahrradwege grüner wird und insbesondere im Stadtkern innovative Ideen mitgedacht werden.“ Er vermutet: „In Lämmerspiel wird diese einmalige Chance eines Stadtkerns wahrscheinlich verspielt.“

Nico Rackensperger, Junge Union

„Dass wir als Jugend diejenigen sind, die die Politik von morgen machen werden“, müsse mehr vermittelt werden, meint auch Rackensperger. Auch sei für junge Menschen hinderlich, dass nach der Schule häufig für Ausbildung oder Studium ein Ortswechsel anstehe. „Das ist schwierig, da man dann seine Ämter verliert oder abgeben muss.“ Er findet, man könnte aber auch etwa mit Videokonferenzen an Abstimmungen teilnehmen, um mehr junge Menschen an die Politik zu binden.

Es liege in der Verantwortung aller, damit zu beginnen, „Jugendliche und junge Erwachsene in der politischen Diskussion ernst zu nehmen“, fordert Filiz, „denn sie bilden unsere Zukunft ab“. In Mühlheim funktioniere die Partizipation, „wir haben ein Jugendforum und auch im Jugendzentrum erfolgt eine gute politische Bildungsarbeit, um die Jugendlichen zu kritischen und mündigen Menschen zu erziehen“. Überhaupt, findet Filiz, sei Mühlheim „eine lebenswerte Stadt, die sehr viel für Menschen von jung bis alt zu bieten hat“. Viele wollten „immer nur das Negative sehen und Probleme generieren, während die guten Dinge ignoriert werden“. (Ronny Paul)

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