In die Briefkästen statt in die Tonne

Schanz versucht mit ungewöhnlichen Mitteln, sich gegen die Krise zu stemmen

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Einem sich ausbreitenden Coronavirus ist es ziemlich egal, dass das April-Programm-Heft des Schanz schon längst gedruckt war.

Mühlheim – Das Virus schert sich auch nicht um die mehr als 2500 Veranstaltungen, die der Verein „Kulturfabrik Eigenart“ in 22 Jahren im Schanz auf die Beine gestellt hat. Auf Existenzen, die bei längerer Schließung von Mühlheims Kulturtempel auf dem Spiel stehen, nimmt das Virus ebenso keine Rücksicht. Es breitet sich einfach aus und stellt die Schanzmacher vor große Herausforderungen.

Seit eineinhalb Wochen gibt es in der Halle und im Wohnzimmer weder Veranstaltungen noch Gastronomiebetrieb. Doch die Kosten laufen weiter: Gehälter für sechs Angestellte, Miete und Nebenkosten und auch offene Lieferungen, erläutert Yannic Bill, Vorsitzender des Vereins. „Wir müssten eigentlich spätestens Anfang Juni wieder öffnen, sonst wird’s dramatisch“, sagt er, wohlwissend, dass es auch noch länger dauern könnte. Zwar habe man für alle Festangestellten Kurzarbeitergeld beantragt, doch davon könne man auf Dauer auch nicht über die Runden kommen. Und bei den 15 Minijobbern des Schanz seien einige „Einzelschicksale“ dabei. Denen wolle man natürlich beistehen: „Wir versuchen Möglichkeiten zu finden, ihnen ein bisschen Entschädigung zu zahlen.“ Die Eheleute Erika und Hans-Günter Zach unterstützen das Schanz auch optimal, versichert Bill.

Doch wie soll es weitergehen? Bill und Geschäftsführer Andreas Jung haben sich zusammengesetzt und einen Plan aufgestellt, welche Dinge im Schanz noch zu erledigen sind, etwa Streicharbeiten oder den Biergarten sommerfit machen. Zudem wurde bei dem Treffen die Idee geboren, sich für die Corona-Hilfsaktion bei der Crowdfunding-Plattform Startnext zu bewerben. Die Zusage erfolgte umgehend. Und da kam die Idee mit den bereits gedruckten Programmheften für den April: Statt sie in die Tonne zu kloppen, hat das Schanz-Team sie mit einem aufgeklebten Hinweis auf die Crowdfunding-Kampagne versehen und verteilt. Dazu ist die Belegschaft am Wochenende in Zweierteams, mit Schutzhandschuhen ausgerüstet, von Briefkasten zu Briefkasten gegangen und hat rund 4000 mit QR-Codes versehene Flyer verteilt.

Aufruf zur Crowdfunding-Kampagne für die Kulturfabrik: Schanz-Mitarbeiterin Leandra Nagel trägt Flyer mit einem besonderen Aufdruck aus.

Seit Freitag läuft die Unterstützungsaktion, schon mehr als 4000 Euro (Stand gestern) sind bereits zusammengekommen. Damit ist das erste Spendenziel erreicht: „Mit dem ersten Fundingziel können wir am Ende der Finanzierungsphase unseren Verbindlichkeiten als sozialer Arbeitgeber und verlässlicher Partner nachkommen“, heißt es vonseiten des Schanz. Sollte auch das zweite Ziel, 8000 Euro, verwirklicht werden – die Aktion läuft noch bis 1. Mai –, könne man länger durchhalten oder aber „in unsere hauseigene Technik investieren“.

Bill ist begeistert vom Engagement des Teams und über den Zuspruch beim Crowdfunding. Rund 80 Unterstützer, teils bekannte, teils unbekannte Namen haben bereits mitgemacht: „Danke an unsere solidarischen Mitarbeiter und danke für den krassen Support aus der Zivilgesellschaft“, sagt er.

Infos im Internet gibt es auf startnext.com/fuer-das-schanz.

VON RONNY PAUL

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