„Mehr als Bierfeste“

Ilona Goldmann setzt sich für Kultur in der Stadt ein

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Schauspielerin Ilona Goldmann will das kulturelle Angebot der Stadt mit neuem Leben erfüllen.

Der Name Ilona Goldmann ist noch immer eng mit der Mühlenstadt verbunden. Auch wenn das Markwaldtheater längst nicht mehr existiert und die Internationale Opernnacht Geschichte ist. 

Mühlheim –  Die aus Sachsenhausen stammende Regisseurin und Schauspielerin ist eine bekannte Größe. Anstelle des designierten neuen Ersten Stadtrats Dr. Alexander Key zieht Goldmann für die CDU-Fraktion in die Stadtverordnetenversammlung ein und will sich dort politisch für das kulturelle Leben in Mühlheim einsetzen.

Anders als in Österreich oder Frankreich spielt hierzulande die Kultur im öffentlichen Leben eine Nebenrollen, wenn überhaupt. Hierzulande muss sich kein Politiker grämen, ein Fagott nicht von der Oboe unterscheiden zu können und Mozart nur im Kontext einer Schokoladenkugel zu kennen. Das kulturelle Leben in Mühlheim sieht Ilona Goldmann weitgehend brach liegen: „Bierfest und Fastnacht: viel mehr zählt nicht.“ Im Stadtparlament wolle sie dafür arbeiten, dass sich das ändert.

Dafür besitzt sie die entsprechende Erfahrung: In den 1960er Jahren spielte Ilona Goldmann in acht von 51 Folgen der HR-Produktion „Die Firma Hesselbach“ jugendliche Rollen. Damals trug die Serie das Prädikat „Straßenfeger“. Die höchste Einschaltquote lag bei 94 Prozent. Das erreichte noch nicht mal das Fußball-WM-Endspiel von 2014.

Mühlheim: Ilona Goldmann stand schon auf vielen Bühnen 

Goldmann absolvierte ihr Schauspielstudium an der Frankfurter Hochschule für Musik und darstellende Kunst, gehörte jahrelang zum festen Stamm des Volkstheater-Ensembles von Liesel Christ, spielte am Schauspielhaus Frankfurt und am Fritz-Remond-Theater am Zoo sowie im Kleinen Haus des Darmstädter Staatstheaters. Nach Mühlheim zog es die Sachsenhäuserin einst, weil ihr Mann, der Musiker Günter Goldmann, dort lebte.

Der Bürgermeister hieß Werner Grasmück, als Goldmann 1975 das Markwaldtheater aus der Taufe hob. „Er unterstützte uns.“ Das galt auch für Roland Hallwirth, der Komponist und Geiger, der die Musikschule Mühlheim im gleichen Jahr gründete und die Schauspielerin im Ort anspitzte, ein Theater aufzumachen. „Als erstes spielten wir Frau Holle“, erinnert sich Goldmann an die Vorstellungen mit erwachsenen Schauspielern für ein Publikum von Kindern. Als Höhepunkt in der Historie des Markwaldtheaters empfindet die Künstlerin die Aufführungen von „Ein Käfig voller Narren“ im Frühjahr 2009, das Theaterstück des französischen Autoren Jean Poiret: „Das Publikum in der Willy-Brandt-Halle tobte.“ Eine Requisite von damals steht heute in Goldmanns Garten.

Mühlheim: Schauspielerin organisierte über Jahre Internationale Opernnacht

Die Halle brachte nach vielen Jahren kein Glück mehr. Kultur läuft nicht ohne Sponsoren. Jeder Mühlheimer Verein habe zwar das Recht, einmal im Jahr das große Bürgerhaus unentgeltlich zu nutzen, „aber für ein Theater reichen die paar Stunden nun mal nicht“. Es kommen die Zeiten für Auf- und Abbau sowie Proben hinzu. Die Kosten hätten sich so stark geläppert, dass die 2013 geplante Produktion des Grimmschen Märchens „Hänsel und Gretel“ abgesagt wurde, „wir hätten die Miete nicht stemmen können“. 

Dann probte das Markwaldtheater die Komödie „Romeo mit grauen Schläfen“ von Curth Flatow. Zwei Vorstellungen standen für April 2014 an. Zwei Tage vorher starb ein Darsteller. „Es war ein Kampf, die Miete erlassen zu bekommen.“ Ende des Jahres lehnte die Mehrheit im Stadtparlament noch den Zuschuss von 440 Euro für das Markwaldtheater ab. Später gingen noch die Kulissen bei einem Wasserschaden im Keller der Halle quasi unter: „Wir konnten nur noch den Sperrmüll bestellen.“ Nach vierzig Jahren Markwaldtheater strich der Verein die Segel.

Der von Ilona Goldmann über Jahre organisierten und moderierten Internationalen Opernnacht, zu der stets bis zu 800 Besucher aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet kamen, ging es ähnlich: Die Sparkasse Langen-Seligenstadt habe das Ende ihres finanziellen Engagements verkündet, als die Verträge für die nächste Opernnacht schon unter Dach und Fach gestanden hätten. Die Sopranistin Virginia Goldmann, Interpretin der Nächte und Tochter der Schauspielerin, telefonierte sich mit Engelszungen durch die Kollegenwelt, die auf ihren Anspruch auf Gage hätte beharren können. Dass die Kultur in der Mühlenstadt wieder auflebt, dafür will Goldmann nun als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung sorgen.

Von Stefan Mangold

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