Gemäßigtes Fahrrad-Klima

Mühlheim schneidet bei Fahrrad-Test des ADFC überdurchschnittlich ab

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Der Mainradweg ist einer von vielen, der in die Wertung der Teilnehmer am ADFC-Klimatest einfloss. Positive Resonanz gab es etwa bei der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, negative bei der Falschparkerkontrolle.

Zählte man in der Schule mit einem Notendurchschnitt von 3,5 wohl nicht zu den Besseren, verhält sich das bei dem Fahrradklimatest des ADFC etwas anders. 

Mühlheim – Auf Rang 38 von 311 Städten in der Größe von 20 000 bis 50 000 Einwohner kommt nämlich Mühlheim mit diesem Ergebnis im Bund, im Land ist es Rang 6 von 34. Zugegeben, bei einer Kategorie wie der Fahrradmitnahme im ÖPNV (Note: 2,4) hat eine Kommune vergleichsweise wenige Aktien. Gut schaut es aber auch bei der Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,2), geöffneten Einbahnstraßen in Gegenrichtung (2,3) oder zügigem Radfahren (2,4) aus. Mit einer 3,1 immer noch 0,7 Noten über den Schnitt kommt das hiesige Fahrradklima in der Kategorie „Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer“. Und auch die Fahrradförderung in jüngster Zeit ist mit einer 3,4 noch 0,7 Punkten besser bewertet worden als der Durchschnitt. Deutlich schlechter hingegen sieht es bei der Werbung für das Radfahren (4,2), der Ampelschaltung für Radfahrer (4,2), öffentlichen Rädern (4,6) und der Falschparkerkontrolle auf Radwegen (4,8) aus.

Jörg Viehmann, stellvertretender Vorsitzender beim Mühlheimer Ortsverband, betont nun allerdings, dass es bei dem Test durchaus eine „Tendenz nach unten“ gebe. Tatsächlich weist der Test mit einem Ergebnis von 3,2 für 2014 und 3,4 für 2016 in der Vergangenheit einen besseren Schnitt für Mühlheim aus. Dennoch erkennt er positive Entwicklungen. Der Versuch, Mühlheims nördliche Ortsdurchfahrt, die B43, einspurig zu gestalten, sorge für ein besseres Sicherheitsgefühl. 

Falschparker stören

„Das war früher nicht so – nun kommen die Radler besser weg und auch die Autofahrer finden einen Parkplatz.“ Neben besseren Abstellmöglichkeiten wünscht sich Viehmann vor allem, dass Falschparkern das Leben schwerer gemacht wird. In dieser Hinsicht seien die Ergebnisse auch in der Vergangenheit schlecht gewesen. „Aber getan hat sich nichts.“ Selbst bei offensichtlichen Fällen habe er noch kein Knöllchen an der Windschutzscheibe entdecken können. Gerade bei wichtigen Radwegen wünscht sich Viehmann, dass auch der freiwillige Polizeidienst häufiger eingreife.

Bei der Stadt hat man sich die Auswertung angeschaut, sieht darin, so Bürgermeister Daniel Tybussek, „einen wichtigen Impuls für Anpassungen“ und ein „zufriedenstellendes Ergebnis“. Man sei bemüht um das Wohl der Radler, das zeige sich unter anderem an Maßnahmen wie den Schutzstreifen am Müllerweg oder der Sanierung des Talwegs (wir berichteten).

Laternen mit Solarzellen?

Was die Falschparker angehe, so seien die Kontrollen die eine, das Fehlverhalten die andere Sache. „Da müssen wir prüfen, welche Wege konkret gemeint sind und auch, wie eindeutig die Markierungen sind.“ Generell gebe es bei der Mobilität ständig Veränderungen. „Wir müssen uns fragen, wie wir damit umgehen.“ Das betreffe etwa die Anbindung der Innenstädte oder die Diskussion um einen Schnellradweg. Zu letzterem soll es nach den Sommerferien Gespräche mit dem Regionalverband geben. Auch über die Beleuchtung wolle man sich Gedanken machen. „Es gibt Laternen mit Solarzellen, die automatisch an- und ausgehen“, sagt der Rathauschef.

Was das im Test bemängelte Fehlen von öffentlichen Räder angeht, sei das keine kommunale Aufgabe im klassischen Sinne. „Das ist immer auch eine Sache der Nachfrage und wird vom Markt geregelt.“ Bislang sei noch kein Anbieter an die Stadt herangetreten. „Wir werden das aber positiv begleiten.“

Die komplette Auswertung des Fahrradklimatests des ADFC gibt es – auch für andere Kommunen – auf fahrradklima-test.de im Internet.

Christian Wachter

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