In den Startlöchern

Schützengemeinschaft sagt Wettbewerb ab - arbeitet aber an  Öffnung der Vereinsanlage

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Ein Vereinspokalschießen wie hier 2014 wird es bei der SGMD dieses Jahr nicht geben.

Ein Vereinspokalschießen wie früher wird es bei der Schützengemeinschaft Mühlheim dieses Jahr nicht geben.

Mühlheim –  25 Meter Abstand – bei aller Vorsicht, aber das ist vielleicht doch übers Ziel hinaus geschossen. Viel näher als der Scheibe kommt der unerfahrene Schütze seinem Begleiter: „Da muss einer von uns daneben stehen“, erklärt Gerrit Kratz, Zweiter Vorsitzender der Schützengemeinschaft Mühlheim-Dietesheim (SGMD), das Konzept des Firmen- und Vereinspokalschießens. Auch diese Veranstaltung hat Corona schwer getroffen.

„Haare schneiden aus 2,50 Meter – das funktioniert nicht“, vergleicht der Sprecher der erfolgsverwöhnten Sportler. Ähnlich sei das bei der Werbeaktion und Präsentation ihrer Disziplinen auf der Anlage am Pfaffenbrunnenweg. Vom 22. Juni bis zum 3. Juli hätten die Aktiven wie in den vergangenen Jahren wieder den Einsatz von Luftgewehr und -pistole demonstriert. Schweren Herzens hat der Vorstand jetzt diese wichtige Einnahmequelle für die Vereinsaktivitäten aus dem Kalender gestrichen.

Dabei erscheint gerade der Schießsport prädestiniert für die Einhaltung der Abstandsregeln, seine Ausübung erfordert sie aufgrund der Sicherheit ohnehin. Doch die meisten Teilnehmer an dem Wettbewerb für Gäste haben die Sportgeräte nicht regelmäßig in der Hand, müssten angeleitet und beaufsichtigt werden, betont Kratz. Das funktioniere weder kontaktlos noch aus einer Distanz von 1,50 Meter.

Eine spontane Umfrage bei mehreren Teams aus befreundeten Vereinen und Firmen ergab zudem, dass viele der Stamm-Teilnehmer ihrerseits nicht kommen würden. „Ein großer Teil unseres Personals gehört durch sein Alter der Risikogruppe an“, hieß es dazu. Im Vereinsheim könnte keine unbeschwerte Geselligkeit entstehen, liefert das Vorstandsmitglied ein weiteres Argument für die Absage. „Und dann machen uns die Vorfälle in Hanau betroffen“, fügt er noch hinzu.

„Finanziell ist das Streichen des Wettbewerbs für uns ein Riesenverlust, aber wir wollen nicht diejenigen sein, die das Virus weitergeben.“ Die SGMD hat allerdings noch nicht aufgegeben: „Vielleicht lässt uns die Situation ein neues Format für den Herbst oder zu Neujahr aus der Taufe heben“, verrät Kratz erste Gedankenspiele. Mit Hochdruck arbeiten er und seine Kollegen aktuell an Plänen für Sicherheit und Hygiene: Wie viele Stände müssen geschlossen, welche Zugangswege und Ausgänge eingehalten werden?

Über eine eigene Plattform auf der Internetseite der Gemeinschaft muss eine Anmeldung für fixe Zeitfenster eröffnet werden – damit könnte das Training vielleicht schon am Wochenende wieder beginnen. „Alle stehen in den Startlöchern“, sagt Gerrit Kratz. Wettkämpfe erlaube der Gesetzgeber auch in den Schieß-Disziplinen allein den Profis, nicht dem Breitensport. Die Bewirtung in dem Komplex an der Gemarkungsgrenze zu Steinheim sei selbstverständlich untersagt, selbst die Toiletten dürfen nicht genutzt werden.

Dabei hat die Stadt Mühlheim gerade erst im vergangenen Jahr zusammen mit Helfern des Vereins den Zufahrtsweg neu befestigt, bedauert der stellvertretende Vorsitzende die Sperrung. Stattdessen laufen auf dem Gelände mitten im Wald jetzt Messungen für sinnvolle Lärmschutz-Maßnahmen. „Die Tests werden jetzt weniger vom Fluglärm beeinträchtigt“, sagt Kratz. Die Schützen hoffen jedoch, dass schon bald wieder Ordonnanzgewehre und Sektkorken knallen können.

VON MICHAEL PROCHNOW

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