Ständig neue Pastavarianten

Seit fast 50 Jahren produziert Righetti Teigwaren in Mühlheim

Seit den 70ern in der Mühlheim: Sohn Marco und Vater Giancarlo Righetti vor einem Blech Fiorelli mit Pilzfüllung in der Firma am Zeppelinring.
+
Seit den 70ern in der Mühlheim: Sohn Marco und Vater Giancarlo Righetti vor einem Blech Fiorelli mit Pilzfüllung in der Firma am Zeppelinring.

Seit den 1970ern produziert die Righetti Teigwaren GmbH Pasta in Mühlheim. Läuft alles wie geplant, bleibt sie auch in der dritten Generation in der Familie.

Mühlheim – Am Anfang der Corona-Krise hat Giancarlo Righetti die Belegschaft zusammen gerufen. Der Grund war zunächst unangenehm: Righetti erklärte der Belegschaft, Kurzarbeit stehe bevor. Fluggesellschaften wie die Lufthansa fielen als Nachfrager für die Teigwarenfirma weitgehend aus. Außerdem beliefert Righetti direkt und indirekt rund 500 Restaurants, die keine Gäste empfangen durften. Heute weiß der 62-Jährige nicht mehr auswendig, „ob wir nur einen Tag Kurzarbeit oder gar keinen hatten “. Die Lage blieb überraschend stabil. Zum einen stellte ein Großteil der Gastronomie auf Lieferservice und Straßenverkauf um, zum anderen ging die Nachfrage von Internethändlern durch die Decke.

Giancarlo Righetti übernahm den Betrieb von seinem Vater Franco

Schnell produzierte die Righetti Teigwaren GmbH, die seit den 1970er Jahren in der Mühlenstadt ist, wieder auf vollen Touren in zwei Schichten. Ab Januar soll es jedoch erst mal nur eine Schicht geben, „wir schaffen zusätzliche Maschinen an“. Sollten die Kapazitäten dennoch mit der Zeit nicht mehr reichen, könnte man vom Nachbar ein Stück Grund kaufen, „wir haben das schon vorbesprochen“.

Giancarlo Righetti erzählt, wie er morgens am fünf Uhr im Betrieb steht, eine Stunde, bevor die Frühschicht beginnt. Weit zur Arbeit muss er nicht laufen, gerade mal die Treppe runter. Der Unternehmer erklärt, von seinem Naturell gehöre er nicht zu den Zeitgenossen, die es früh aus dem Bett zieht, „aber man gewöhnt sich auch daran, um Viertel nach vier aufzustehen“.

Giancarlo Righetti übernahm den Betrieb von seinem Vater Franco, der einst im Frankfurter Bahnhofsviertel und auf der Bornheimer Bergerstraße Pasta produzierte und verkaufte. Righettis Eltern siedelten 1957 zu einer Zeit von Brescia in die Mainmetropole, als die meisten Deutschen kaum etwas von Nudeln wussten, als sich die Existenz von „Agnolotti mit Feige-Walnuss“ oder „Triangoli mit Mascarpone-Limone gefüllt“ kaum jemand vorstellen konnte. „Ravioli“ klang wie ein Begriff aus einer anderen Welt.

Ständig neue Füllungen und Formen von Pasta zu entwickeln, gehört dazu. „Bon-Bon-Nudeln“, die ihren Namen nicht dem Geschmack, sondern Farbe und Form verdanken, gibt es in den Varianten mit Steinpilz oder Gorgonzola. Alles Neue testet erst mal die Kundschaft. Zu jenen, die bei Righetti bestellen, gehört vor allem die gehobene italienische Gastronomie.

Giancarlo Righetti will die Geschäftsführung irgendwann in die Hände der Söhne geben

Oft ändern sich nach den Proben Nuancen, weil eine Geschmacksnote zu sehr dominiert oder ein Hauch Pikanterie fehlt. Vegane Füllungen frage der Konsument zwar eher nach als noch vor Jahren. Righetti sieht den Trend aber ähnlich, wie Marktforschungszahlen belegen, „weniger stark, als Medienberichte vermuten lassen“.

Läuft alles wie geplant, bleibt die Righetti GmbH auch in der dritten Generation in den Händen der Familie. Die Söhne Alessandro (29) und Marco (35) arbeiten seit Jahren mit. Marco schloss Ausbildungen zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik und in „Ökonom General Management“ ab, der Jüngere absolviert zur Zeit ein Wirtschaftsingenieurstudium in Kassel. Giancarlo Righetti will die Geschäftsführung irgendwann in die Hände der Söhne geben, „aus dem Betriebsalltag werde ich mich aber nicht von heute auf morgen zurückziehen“.

Mancher Inhaber eines Süßwarengeschäfts bekommt bei der Vorstellung, einen Nikolaus aus Schokolade essen zu müssen, ein flaues Gefühl. Die Gefahr besteht bei den Herstellern von Grundnahrungsmitteln wohl nicht. Righetti betont, sich selbst ein treuer Abnehmer zu sein, „ich könnte nicht jeden Tag Fleisch essen, aber jeden Tag Pasta“.

Auch Privatkunden können bei Righetti zu den üblichen Bürozeiten im Zeppelinring 25 im Industriegebiet einkaufen. (Stefan Mangold)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare