Von Glück und Enttäuschung

So sieht die Politik Bürgermeister Tybusseks Wiederwahl

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Daniel Tybussek, hier am Wahlabend vor der Ergebnisleinwand, ist mit einem mehr als guten Ergebnis wiedergewählt. Die Tabelle rechts zeigt, wo wie gewählt worden ist.

Mühlheim - Am Endergebnis ist nichts zu deuteln: Daniel Tybussek hat die Mühlheimer Bürgermeisterwahl gewonnen und bleibt in seinem Amt, die Erste Stadträtin Gudrun Monat hat sie verloren und bleibt in ihrem Amt. Von Marcus Reinsch 

Die Frage nach den Gründen beantworten die Polit-Lager naturgemäß gegensätzlich. Seine 72,55 Prozent gegen ihre 27,45 Prozent – weniger Interpretationsspielraum in Sachen Wählerwille eröffnen heutzutage eigentlich nur noch Ergebnisse von Wahlen, bei denen erst gar kein Gegenkandidat angetreten ist. Am gestrigen Tag 1 nach der Mühlheimer Bürgermeisterwahl haben die Fraktionsvorsitzenden auf Anfrage unserer Zeitung einen ersten analysierenden Blick auf die Prozente des wiedergewählten Daniel Tybussek (SPD) und der parteiunabhängig angetretenen Ersten Stadträtin Gudrun Monat geworfen. Einen zweiten dürfte es kaum geben – dafür ist der Vorsprung des Amtsinhabers einfach zu gravierend.

Tybussek hat alle 24 Wahlbezirke mit deutlichem Vorsprung geholt. Am meisten Rückenwind bekam er im Wahlbezirk 11 rund um Dietesheims Geschwister-Scholl-Schule mit 78,35 Prozent, vergleichsweise wenig in Lämmerspiel und im Briefwahlbezirk 3 (63,71). Doch „wenig“ ist mit Blick auf seinen in jedem Fall sehr komfortablen Vorsprung auf Monat in Anführungszeichen zu setzen. Der Sprung über die 30-Prozent-Marke gelang Monat nur in der Seniorenanlage Fährenstraße (30,18), dem 13er-Bezirk in der Markwälder Müllerweg-Kita (32,28), der Kita Schlesierstraße (32,85), den Bezirken 16 und 17 in der Brüder-Grimm-Schule (34,32 und 31,99) und im 19er-Bezirk der Markwaldschule (30). Außerdem im Briefwahlbezirk 3. In ihm sind die jenseits der Urnen abgegebenen Stimmen aus den Wahlbezirken 15 bis 21 zusammengefasst. Dazu gehören die Gegenden, in den Monats Lobby als stark gilt. Vor allem Lämmerspiel, wo sie wohnt und früher an der Grundschule in der Elternarbeit wirkte.

Monat ist Mitglied der Grünen. Deren Mühlheimer Fraktionssprecher Dr. Jan Winkelmann schickt seiner Ergebnisbewertung gestern einen Glückwunsch an Daniel Tybussek voraus. Das Ergebnis müsse man „neidlos anerkennen. Ebenso, dass er sich im Vergleich zu seiner Wahl vor sechs Jahren noch verbessert hat“. Die Wertschätzung der Grünen gelte aber eben auch Gudrun Monat. Für einen engagierten Wahlkampf und dafür, dass „sie angetreten ist“. Das Ergebnis sei natürlich „schon enttäuschend, mehr wäre schön gewesen“. Winkelmann sieht seine Grünen „ganz gut aufgestellt in der Opposition. Wir werden die Große Koalition in Sachthemen weiter vor uns hertreiben“ und Basisarbeit betreiben. Für SPD-Fraktionschefin Rosemarie Palm liegt die Erklärung für den hohen Sieg des von den Sozialdemokraten offiziell nominierten Tybussek am „Vertrauen der Mühlheimer in den alten und neuen Bürgermeister. Ich denke, dass er die gute Politik, die er in den letzten sechs Jahren geleistet hat, auch so weiterführen wird.“ Die SPD, wohl die ganze Große Koalition, werde ihn dabei unterstützen. Und „natürlich sind wir sehr glücklich über dieses Ergebnis. Wir haben gehofft, dass es so deutlich ausfällt – auch wenn ich glaube, dass man mit sowas nie rechnen kann.“

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Dr. Jürgen Ries, Fraktionsvorsitzender der „Bürger für Mühlheim“, die keinen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt und stattdessen Monat unterstützt hatten: „Mit diesem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet“. Er habe auf mehr für Monat gehofft, aber „man weiß natürlich nie, wie sich so etwas entwickelt“. Monat habe im Wahlkampf echte Glaubwürdigkeit und extremen Einsatz gezeigt. Dieses Angebot für „Offenheit auf allen Ebenen und Konsenspolitik“ sei leider nicht honoriert worden. Nun werde wohl „der politische Stil bleiben wie er ist“. Doch der Amtsinhaber sei bei der Bevölkerung offensichtlich angekommen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Marius Schwabe sieht im deutlichen Wahlergebnis „zunächst einen großen persönlichen Erfolg für Daniel Tybussek“. Zugleich stehe es für Kontinuität und sichere die Arbeit der Großen Koalition, die seit der Kommunalwahl erfolgreiche Arbeit leiste. Der Wahlkampf-Modus könne nun beendet werden, „wir gehen davon aus, dass Frau Monat die Ärmel hochkrempelt und anpackt, unter anderem den Kita-Neubau“. Die CDU-Fraktion werde sich bei ihrer Sitzung in der nächsten Woche nochmals ausführlicher mit dem Wahlausgang beschäftigen.

Sowohl Tybussek als auch Monat bedanken sich mittlerweile auf ihren Internetseiten bei ihren Wählern. „Das tolle Wahlergebnis“, schreibt der Gewählte, „ist Verpflichtung und Ansporn zugleich.“

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