Stadt simuliert Neubaupläne für die Markwaldschule

„Christo in Mühlheim“

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Mit vier Planen simuliert die Stadt Mühlheim den vom Kreis geplanten Neubau der Markwaldschule.

Mühlheim - Die Stadt Mühlheim und der Kreis Offenbach haben unterschiedliche Vorstellungen, wie der Neubau der Markwaldschule aussehen und wo er auf dem Gelände an der Forsthausstraße stehen soll. Von Stefan Mangold 

Nun hat die Stadt den vom Kreis geplanten Neubau mit vier Planen aus Stoff simuliert. Als die Planen hochgezogen sind, spricht Silke Traser, die Leiterin der Markwaldschule, scherzhaft von „Christo in Mühlheim“. Nur steckt darunter kein Gebäude, was sich nach dem Willen des Kreises Offenbach aber ändern soll. Bürgermeister Daniel Tybussek leitet ein, alltäglich sei es nicht, dass eine Stadt nicht euphorisch reagiere, wenn der Kreis anbiete, für den Neubau einer Schule Millionen springen zu lassen. Der Grund: Der Standort gefällt vielen nicht.

Tybussek spricht vom Architekturwettbewerb 2016, in dessen Jury auch der Kreis saß. Da sei es um ein „städtebaulich überzeugendes Konzept“ gegangen, um einen „konsequenten Außenbezug der Räumlichkeiten“, um einen „Blickbezug über den Bolzplatz in die Aue“. Der von der Stadt bezahlte 2,3 Millionen teure Schulbetreuungsbau wird im Januar bezugsfertig.

Das Gesamtkonzept werde zur Makulatur, wenn das geplante zweistöckige Schulgebäude, zehn Meter von der Betreuung entfernt, zum einen den Blick auf die Auen versperre, zum anderen Kindern neben dem Licht, auch den Bolzplatz nehme. Der Kreis argumentiert, mit seiner Option sei es möglich, während des Neubaus den Schulbetrieb im alten Gebäude weiter laufen zu lassen. Der Umzug in Container während Abriss und Neubau bedeute Mehrkosten von 1,5 Millionen Euro. Die seien nicht durch Mittel des Kommunalen Investitionsprogramms (KIP) gedeckt.

Die Stadt brachte die Idee ins Spiel, den Neubau in L-Form um das alte Gebäude zu platzieren, der Betrieb könne so wie gehabt weiterlaufen. Tybussek legt Wert darauf, dass es sich um keinen „Entwurf der Stadt“ handele, sondern um „eine Idee – in einer halben Stunde hingezeichnet“.

Der Rathauschef steht mit Traser im Dissens. Im Interesse der Schulleiterin liegt es, die Raumnot so schnell wie möglich zu beheben. Sie hofft, „dass jeder die Fantasie hat, sich eine Fensterfront in dem neuen Gebäude vorzustellen“. Außerdem wertet sie „die räumliche Verzahnung“ mit der Betreuung positiv.

Das sieht Anwohner Andreas Seidl anders, „ob zehn Meter weiter oder näher ist egal, die Verzahnung läuft in den Köpfen“. Tybussek nennt die Goetheschule als Beispiel funktionierender Kooperation, auch wenn die Häuser nicht nebeneinander stünden. Ein weiteres Argument „gegen den Monumentalbau am Ortseingang“ sei, dass gegenüber ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück zum Verkauf stehe. Ein Investor könnte dort einen ähnlichen Klotz hinstellen wollen. Für das Gebiet gebe es keinen Bebauungsplan. Der Charakter des Viertels veränderte sich.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Der Grünen-Abgeordnete Volker Westphal hält bei einem Einspruch der Stadt gegen das Projekt die Gefahr für zu groß, dass am Ende, wegen Ablauf der KIP-Förderfrist, überhaupt kein neues Gebäude entstehe. Zudem gebe es mehrere Beispiele für Ortseingänge, die architektonisch nicht gelungen seien. Den Hinweis kontert Anwohner Nico Fröhlich: „Dass es anderswo auch blöd ist, ist kein Argument.“ Er sei Vater eines dreijährigen Kindes, das von der Entwicklung betroffen sein werde: „Lieber wird es im Container unterrichtet, als dass hier hundert Jahre ein Klotz steht.“ Die Option, gleich oder gar nicht zu bauen, werte er als Erpressung, „das muss in Ruhe durchdacht werden“.

Der Architekt Gerald Marx sieht den architektonischen Kontext zur Landschaft und den pädagogischen Zweck des Gebäudes durch die Pläne des Kreises konterkariert. Wegen der Unterbringung während der relativ kurzen Bauphase werde die Immobilie für die nächsten hundert Jahre das Bild bestimmen. Er bezweifelt ebenso wie Tybussek, dass die Container-Lösung tatsächlich 1,5 Millionen Euro koste. Das Parlament wird nächste Woche darüber abstimmen, ob die Stadt den Vorschlag des Kreises ablehnen wird.

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