Horst Baier berichtet 

Das sind die Projekte der Geschichtsgruppe Lämmerspiel

Seit gut zehn Jahren erforscht Horst Baier mit der Geschichtsgruppe Lämmerspiel die örtliche Historie. Anfang des Jahres übernahm er die Leitung. Foto: Man
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Seit gut zehn Jahren erforscht Horst Baier mit der Geschichtsgruppe Lämmerspiel die örtliche Historie. Anfang des Jahres übernahm er die Leitung. 

Seit Anfang 2020 ist Horst Baier Vorsitzender der Lämmerspieler Geschichtsgruppe. Jetzt gibt er einen Einblick in deren Arbeit. 

Mühlheim – Eine Frau hieß „das Pferd“ und Uznamen vererben sich. Die sind ein Thema der Lämmerspieler Geschichtsgruppe mit ihren 16 Mitgliedern, in der Horst Baier Anfang des Jahres den Vorsitz übernahm. 

Der gebürtige Lämmerspieler erzählt, wie ihn „mein Mentor Günter Schmitt“ vor gut zehn Jahren ansprach, ob er nicht Lust habe, in der Geschichtsgruppe mitzuarbeiten. Auf dem Plan stand das Buch zur 725-Jahr-Feier.

Baier verfügt über zwei Expertisen, die ihn prädestinierten. Zum einen kennt er sich mit dem Computer aus. Als Lehrer an der Offenbacher August-Bebel-Schule (ABS) und Mitglied der Leitung half er nicht nur mit, an der Berufsschule 2001 einen gymnasialen Zweig mit dem Schwerpunkt auf Gestaltung und Medientechnik zu installieren, Baier unterrichtete auch selbst in dem Bereich. Zum anderen fungierte er als Chefredakteur beim Gesamtverband der Lehrerinnen und Lehrer an Berufsschulen.

Das Buch mit dem Titel „Lämmerspiel ... einmalig“ der Autoren Horst Baier und Günter Schmitt gab der Geschichtsverein Mühlheim im Januar 2014 heraus. Zur 725-Jahr-Feier im Juli gab es nur noch zurückgehaltene Exemplare. Auch die zweite Auflage von 500 des detaillierten, ins jeweilige Weltgeschehen eingebundenen Geschichtsbuchs ging komplett über den Tresen. Baier gehört zu den Initiatoren des vor zwei Jahren eingeweihten Lämmerspieler Rundwegs. Bis es soweit war, brauchte es eine Vielzahl von Korrespondenzen mit diversen Behörden, die nur bedingt erfreuten.

Der 71-Jährige erzählt von einem besonderen Projekt der Geschichtsgruppe. Dafür gilt das Mitglied Klaus Roth als Beispiel. Roth kennen viele als „Kesper“. Das hänge mit seinem Urgroßvater zusammen, dessen Vorname „Kasper“ zu „Kesper“ mutierte und sich vererbte. Leute mit schlechtem Namensgedächtnis fällt das Merken auch deshalb schwer, weil die Passeinträge keine Eigenschaften widerspiegeln. Horst Baier berichtet, wie im Ort jeder wusste, wer gemeint ist, wenn jemand von einer bestimmten Frau als „das Pferd“ sprach. Die Uznamen dienten auch dazu, die Leute überhaupt auseinander halten zu können, „es gab Phasen, da hieß halb Lämmerspiel ‘Roth’“.

Mitglieder der Geschichtsgruppe trugen Spitznamen von Leuten zusammen, die bis 1960 eine Rolle im Dorfleben spielten. Von einer Veröffentlichung sah man ab, aus der sicher berechtigten Angst heraus, mancher Nachfahre könnte sich bemüßigt fühlen, vor Gericht zu klagen, weil der eine oder andere modellierte Name wenig schmeichelhaft klingt. Die Arbeiten liegen im Archiv. Dafür ist auch das Projekt mit dem Titel „Vom Fremden zum Lämmerspieler“ bestimmt. Die Geschichtsfreunde recherchieren über Bürger, die zwischen 1945 und 1955 nach Lämmerspiel zogen. Es handelte sich vor allem um Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Als diese eintrafen, rief die Mehrheit nicht grade Hurra. „Es geht um die Gründe für die Flucht und die Wege nach Lämmerspiel“, erklärt Baier, „aber auch um den Einfluss der Neuankömmlinge auf das öffentliche Leben, auf die Vereine“.

Baier, der zehn Jahre ehrenamtlich zum Hessischen Disziplinargericht für Beamte nach Darmstadt als Richter fuhr, entstammt einer Familie, die sich wirtschaftlich in einem klassischen Metier bewegte. Der Großvater gründete die Firma „Wilhelm Baier Lederwaren“. Sein Sohn Rudolf übernahm die Firma mit bis zu 50 Arbeitern und gab sich keinen Illusionen hin, was die Zukunft der Branche betrifft. Der handwerklich begabte Horst sollte auf keinen Fall in seine Fußstapfen treten, weshalb er scherzhaft dem Buben drohte: „Wenn du machst, hack‘ ich Dir die Hände ab.“

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