Vom Müllernborsch zum Ritter

TKG Sonnau kürt Robert Kordik mit Narrenkappe und Umhang

Neuer Ritter der Sonnau ist Robert Kordik (links), der bis vor Kurzem nach als Müllerborsch des Kerbvereins unterwegs war. Foto: PROcHNOW
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Neuer Ritter der Sonnau ist Robert Kordik (links), der bis vor Kurzem nach als Müllerborsch des Kerbvereins unterwegs war.

Lange mussten die Grün-Gelben nicht suchen: Robert Kordik, der 24. Müllerborsch des Kerbvereins, ist jetzt der 54. Ritter der Tanzsport- und Karnevalsgesellschaft (TKG) Sonnau.

Mühlheim – Der Niederbayer aus Lämmerspiel trägt nun die schneeweiße Narrenkappe und den smaragdgrünen Umhang.

Durch den Kürungsabend am Freitag führte der Nachwuchs. Florian Eitel und Jonas Tybussek moderierten ein kurzweiliges Programm mit dem Vorsitzenden Karl-Christian Schelzke im schwarz-weiß karierten Gottlieb-Wendehals-Jackett. Dazu ging es in Richtung Ballermann. Stars um Bürgermeister Daniel Tybussek verbreiteten Schlager-Stimmung à la Jürgen Drews und Micky Krause. Ex-Ritter Josef Fonzetti und Partnerin verwandelten sich ins Italo-Pop-Duo Al Bano und Romina Power.

Dann schlug die Stunde des Abschieds für den 53. Ritter Ludwig Neunobel. Mit einem Rückblick, Dankesworten und Präsenten schied der Edelmann aus seinem Amt.

„Ein Mannsbild“, wie es im Guinessbuch der Rekorde stehen könnte, kündigte Sonnau-Vorsitzender Schelzke danach an. „Er kommt aus einem sehr problematischen Ausland, in dem man eine schwer verständliche Sprache spricht“, gab der Chef erste Eckdaten zum neuen karnevalistischen Anführer. „Na ja, so einem muss man Asyl gewähren“, räumte er ein, „aber nur in unserem südlichen Stadtteil, da ist der Unterschied zum Herkunftsland nicht so groß“.

Man habe ihn aufgenommen, damit dort die Bierkultur auf ein europäisches Mindest-Maß gehoben werden kann. „Bisher hat er es wohl nicht geschafft, es gibt immer noch schaumloses Bier in Lämmerspiel.“ Die Sonnau habe sich entschlossen, seine Integration weiter zu fördern. Eleonore Blöcher von der Flüchtlingshilfe biete an, „mit ihm unsere Hochsprache zu üben“. Die erste Stufe der Integration habe er schon geschafft: „Und was ist die Steigerung für einen Müllerborschen? – Ritter der Sonnau. Mehr Integration geht nicht.“ So wurde Robert Kordik auf die Juz-Bühne gerufen, wo er den Ritterschlag per Schwert erfuhr. Auch Kappe und Mantel wurden ihm verliehen. Mehr über den „Spanferkel-Brutzler“ vom Lämmerspieler Carneval-Verein (LCV) zu berichten, heiße, Eulen nach Athen zu tragen.

Nicht nur in seiner neuen Heimat bereichert Kordik manches Vereinsfest und private Feiern mit seiner Grillkunst. Die Kenntnisse dazu erwarb er in seiner niederbayerischen Heimat Moosthenning bei Dingolfing. Dort erlernte er den Beruf des Metzgers, später sattelte er zum Schlosser um. Heute ist er Lagerleiter in einem Frankfurter Chemie-Unternehmen.

Die Liebe hatte ihn 1984 zunächst nach Hanau-Großauheim verschlagen. Im Jahr 2005 war es wieder eine Frau, die ihn nach Lämmerspiel brachte: Bea von den „Ladykrachern“ führte ihn zum LCV, wo er regelmäßig deftige Köstlichkeiten zubereitet.

Zahlreiche Noch- und Neu-Regenten aus der Mühlenstadt sowie aus Nachbarorten gratulierten dem Ritter. Danach übernahm DJ Uli Ackermann das Ruder und verbreitete Stimmung mit den Luxor-Hits der 70er-Jahre.

Die jungen Moderatoren luden das Publikum zum nächsten Höhepunkt der Sonnau ein: Am kommenden Freitag, 22. November, steigt um 19.31 Uhr in der Willy-Brandt-Halle die Revue mit dem Bürgermeister-Kabarett, Bauchredner Andy Franz und Showtanzgruppen.

VON MICHAEL PROCHNOW

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