Spendenaktion für Gaststätte

Sorgen um die Existenz der „Endstation“ - doch auf die Gäste ist Verlass

Damit die Gaststätte „Endstation“ nicht pleite geht, richtete Tochter Jennifer Grünwald eine Online-Spendenaktion ein. Bereits mehr als die Hälfte des Ziels ist erreicht. Foto: m
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Damit die Gaststätte „Endstation“ nicht pleite geht, richtete Tochter Jennifer Grünwald eine Online-Spendenaktion ein. Bereits mehr als die Hälfte des Ziels ist erreicht.

Wirt Chris Nakew sorgt sich wegen der Corona-Krise um seine „Endstation“. Nun läuft eine Spendenaktion für die Gaststätte in Mühlheim.

  • Die „Endstation“ in Mühlheim steckt wegen der Corona-Krise in Schwierigkeiten
  • Eine Spendenaktion findet jedoch großen Anklang
  • Wirt Chris Nakew ist überwältigt vom Zuspruch

Mühlheim – Deutsche Küche ist die Spezialität der „Endstation“. Die eigentliche Attraktion aber ist Chris Nakew: Der Wirt genießt in der Mühlenstadt den Status eines Popstars. Jedes seiner Gasthäuser hat er zur Kultstätte geformt. Jetzt droht die Zwangsschließung in der Corona-Krise, das Restaurant am Sportzentrum Anton-Dey-Straße in den Ruin zu treiben. Crowd-Funding – eine Spendenaktion im Internet – soll jetzt verhindern, dass in der Endstation der letzte Zug abgefahren ist.

„Ich habe nach den Auflagen aus Berlin komplett geschlossen“, sagt Nakew. Er bedauere, dass es keine andere Maßnahme gegen die Verbreitung des Virus gibt. „Ich habe überhaupt keine Einnahmen.“ Vier Angestellte und mehrere Aushilfen sind in dem Lokal in Voll- oder Teilzeit beschäftigt. Für sie hat der Geschäftsführer Kurzarbeitergeld beantragt. Einkäufe hat er an Hilfsorganisationen und für Bedürftige gespendet, Vieles war jedoch nicht mehr zu retten.

Nachmittags um vier öffnet der 75-Jährige sonst sein Lokal und schließt erst spät in der Nacht. „Die Leute kommen gern, nicht nur zum Essen und Trinken, sondern auch um festliche Anlässe bei mir auszurichten“, erzählt er. Geburtstage, Hochzeiten, Erstkommunion und Konfirmation würden bei ihm „sehr schön gestaltet“, wirbt er.

Corona-Krise: Endstation Mühlheim bricht Ostergeschäft weg

Jetzt ist Nakew und zahlreichen Kollegen das Oster- und Frühlingsgeschäft komplett weggebrochen. „Es verursacht uns große Probleme, wenn auch das Biergartengeschäft wegfällt“, beschreibt der Chef die Situation. „Wir können einfach nur warten und hoffen, dass es bald wieder weitergeht.“

Ein Liefer- und Abholservice wie bei den Kollegen kommt für Nakew nicht infrage, „der Aufwand ist für uns zu groß“, erläutert der Gastronom. Dazu liege sein Lokal zu weit abseits. Zudem müsste er eine breite Vielfalt an Zutaten für seine Menüs täglich frühmorgens frisch besorgen und bereithalten. „Das wäre Beschäftigungstherapie für meine Leute“, sagt er und betont seine Entscheidung, die auferlegten Beschränkungen strikt einzuhalten.

Chris Nakew ist mehr als 40 Jahre in der Gastronomie tätig, hat in seiner bulgarischen Heimat gelernt. „Meine Mutter wollte es so“, sagt er. Der Wirt kam 1969 nach München und Stuttgart, dann hat er in Frankfurt in verschiedenen Lokalen gearbeitet – sogar im Paradieshof in Sachsenhausen. Über Offenbach habe er sich „immer weiter verbessert“ und zog schließlich nach Mühlheim.

Spendenaktion für Mühlheimer Endstation wegen Corona: „Wir sind überwältigt“

1974 hat er in der Jahnstraße das Vogelnest übernommen, änderte den Namen in Römer-Pilsstube. 1987 wechselte er zur Sport-Union und übernahm das Mühlheimer Wirtshaus. Schon zwei Jahre vor einem Brand mit verheerenden Folgen 2006 hatte er parallel die Endstation im Bahnhof aufgebaut. Ab 2015 bewirtete er den Tennispark in der Siemensstraße, im September 2017 verlegte er die Endstation ans Sportzentrum.

„Arbeiten hält mich jung“, erklärt Nakew. „Das ganze Leben bin ich unter Leuten gewesen, jetzt werde ich mich nicht verstecken.“ Seine Tochter Jennifer Grünwald hat sich über Möglichkeiten informiert, ihrem Vater unter die Arme zu greifen, und ist auf die Seite „Gofundme“ gestoßen. Unter einem Foto der Gaststätte bittet sie, zum Erhalt des Hauses via Internet zu spenden, damit ihr Vater die laufenden Kosten decken kann. Als Spendenziel hat sie 6000 Euro eingegeben: „Damit kann er Verluste ausgleichen, um über die Runden zu kommen“, begründet die Polizistin und Vorsitzende der Katholischen Karnevalisten. „Das ist transparent für alle, die uns unterstützen möchten.“

Innerhalb von Minuten gingen Spenden ein, der Fortschritt ist über einen farbigen Balken erkennbar. „Wir sind überwältigt über den enormen Zuspruch“, bedankt sich Chris Nakew. „Papa hat vielen Menschen geholfen und nie eine Gegenleistung erwartet“, ergänzt der Sohn.

Auch das beliebte Café „Stop and go - Nerds Cantina“ in Offenbach wurde von der Corona-Pandemie schwer getroffen. Jetzt muss das beliebte Café schließen.

VON MICHAEL PROCHNOW

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