Wenn Jugendliche Antrieb brauchen

Mühlheimer SPD-Kreistagsfraktion stattet dem Verein Zugpferd einen Besuch ab

 Vorsitzender, Frank Sobanski, erklärt den Mitgliedern der Mühlheimer SPD-Kreistagsfraktion was der Verein Zugpferd leistet.
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Was der Verein Zugpferd so alles leistet, das hat der Vorsitzende, Frank Sobanski, den Mitgliedern der SPD-Kreistagsfraktion gezeigt.

Im Wald zwischen Mühlheim und Lämmespiel hat der Vorsitzende und Sozialarbeiter Frank Sobanski der SPD-Fraktion aus dem Kreistag den Alltag vom Verein Zugpferd vorgestellt. Der Fraktionsvorsitzende Werner Müller erläutert, die Mühlheimer Kreistagsabgeordnete Ingeborg Fischer habe vorgeschlagen, sich vor Ort auf dem Areal um das ehemalige Forsthaus einmal umzusehen.

Mühlheim – Sobanski erzählt, wie er und Co-Geschäftsführer Peter Nuss das Haus 2007 pachteten und neben ihrem handwerklichem Geschick über 30 000 Euro an privatem Geld investierten. Ein Jahr später ging der Verein an den Start, der seinen Namen vom längst verstorbenen Wallach Max hat, der mit Peter Nuss und Jugendlichen Baumstämme aus dem Wald zog, stets von „Tante Jürgen“ begleitet. Der Ziegenbock läuft immer noch umher, etwa an der Seite des 26-jährigen Wallachs Moritz und der Therapiepferde Lena und Montana. Die Stuten gehören zu Kirsten Bischoff, die auf der Koppel heilpädagogisches-therapeutisches Reiten für Kinder und Jugendliche anbietet.

Der Verein Zugpferd kümmert sich um die „Nachqualifizierung benachteiligter Jugendlicher und Erwachsener aus dem Rechtskreis des SGB II“. Sobanski erzählt von 15- bis 18-Jährigen, die sich nicht mehr dazu bewegen ließen, zur Schule zu gehen. Früher sah der Gesetzgeber dann vor, die Hartz-IV-Bezüge der Eltern zu kürzen. Das führte selten zur Einsicht, erhöhte jedoch meist den familiären Stresspegel.

Auftraggeber von Zugpferd sind die MainArbeit Offenbach und die ProArbeit Dietzenbach für den Kreis. Sobanski erwähnt, die ProArbeit schicke schon länger keinen Jugendlichen mehrt. Er habe mit dem SPD-Kreissozialdezernenten Carsten Müller darüber gesprochen. Fraktionschef Werner Müller verspricht, nachzufragen.

Mit den insgesamt acht Angestellten agiert Zugpferd in den Bereichen Forstwirtschaft, Umwelt-und Naturschutz sowie Garten-und Landschaftsbau. Hier zu arbeiten, bedeutet für die schulpflichtigen Jugendlichen jedoch nicht, sich allem Lernstoff zu entziehen. In einem Anbau unterrichten Pädagogen der Offenbacher Käthe-Kollwitz-Schule Deutsch, Biologie, Mathematik und Politikwissenschaften.

Seit drei Jahren organisiert Zugpferd mit finanzieller Unterstützung der Stadt Mühlheim außerdem das „Streetmobil“, ein Bauwagen, der als Anlaufpunkt für Jugendliche dient. Streetworker Christoph Kleinschmidt berichtet von organisierten Ausflügen mit dem Fahrrad und Mitternachtssport.

Die Abgeordneten fragen nach, ob Maschinen wie der Baumstammgreifer zum offiziellen Forstbetrieb gehörten. Sobanski berichtet, in den letzten Jahren hätten diverse Stiftungen 500 000 Euro zur Verfügung gestellt. Betriebswirtschaftliche Sandkastenspiele betreibt Zugpferd nicht. Die Arbeit der Jugendlichen führt zu Erträgen. Am Haus hängt eine Liste mit den Preisen für Brennholz. Wer für den Garten Tische und Bänke braucht, kann sie hier bestellen. Sobanski sagt, etwa ein Drittel der angemeldeten Teilnehmer lande mittelfristig auf dem ersten Arbeitsmarkt, „ein weiteres bekommen wir erst gar nicht zu Gesicht“. Dann gebe es auch die, „die hören nach zwei Wochen auf, kommen aber nach einem halben Jahr mit den Worten wieder, ‘ich habe es jetzt kapiert’“ (Von Stefan Mangold)

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