Endlich schnell

Stadtwerke und Wohnbau eröffnen zweite Strom-Tankstelle

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Ingo Kison (Geschäftsführer Wohnbau, von links), Roland Rau (Prokurist Wohnbau), Bürgermeister Daniel Tybussek und Wolfgang Kressel (Geschäftsführer Stadtwerke) eröffnen Mühlheims zweite Stromtankstelle. Für kurze Zeit ist das Tanken hier kostenlos.

Mühlheim - Mühlheims zweite Elektrotankstelle ist an der Dietesheimer Straße in Betrieb gegangen. Drangehängt werden die E-Fahrzeuge der städtischen Tochtergesellschaften Wohnbau und Stadtwerke. Strom zapfen darf an den Schnellladesäulen aber auch jeder Private. Erstmal kostenlos. Von Marcus Reinsch 

Die Elektromobilität, wegen ihres grünen Anstrichs eins der Lieblingsthemen von Offiziellen aus Politik und Wirtschaft, bringt vorwärts. Mittlerweile nicht mehr nur das Image, sondern mit wachsenden Reichweiten und einer Verdichtung des Ladenetzes auch die Nutzer von Elektroautos selbst.

Gerade in den vergangenen Jahren hat die Technik da ordentliche Sprünge gemacht. In der Ökobilanz schwirren zwar noch zu viele Fragezeichen herum. Auch ein Auto mit Batterien statt Tank ist ja nicht aus Pappe, verbraucht bei seiner Produktion also Ressourcen, die Mutter Natur lieber behalten hätte. Und nicht nur aus Umweltschützersicht hat die flüsterleise Gattung sowieso nur Sinn, wenn sie auch mit Strom aus regenerativen Quellen betankt wird.

Finanziell aber wird’s nun langsam interessant. Wer nicht gerade beruflich Längststrecken im kurzen Takt zurücklegen will, muss sich ein Elektroauto nicht mehr schönrechnen.

Und Energieversorger können es sich sowieso schon lange nicht mehr leisten, das Thema links liegen zu lassen. Mühlheims Stadtwerke stellten vor fast vier Jahren die erste Ladesäule auf den Brückenmühlparkplatz. Und jetzt ist die zweite an der Dietesheimer Straße in Betrieb gegangen. Es ist allerdings aus mehreren Gründen die erste alltagstaugliche. Zum einen liegt sie an der nördlichen Durchgangsachse zwischen dem zur Wohnbau-Zentrale umfunktionierten alten Feuerwehrhaus und dem Rot-Kreuz-Domizil, ist also auch spontan anzusteuern. Zum anderen handelt es sich hier um eine Schnellladesäule mit drei Anschlüssen, zwei mit Wechselstrom und eine mit Gleichstrom.

Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Kressel erklärt, warum Letzteres wichtig ist: Aus Steckdosen fließt Gleichstrom, die Batterien der Autos brauchen aber Wechselstrom. Für die Umwandlung haben die Karossen zwar eingene Gleichrichter an Bord. Doch die sind teuer und oft nicht so leistungsfähig, dass sie viel Saft in kurzer Zeit verdauen können. Die Folge sind längere Wartezeiten. Mit Ladesäulen, die gleich Wechselstrom liefern, geht’s deutlich schneller.

Sprich: Wer sein Auto hier anstöpselt, ist selbst bei einer Karosse mit ganz großer Batteriekapazität in maximal einer Stunde durch. Die meisten Modelle werden es allerdings schon in 20 Minuten oder einer halben Stunde hinter sich haben. Vorteil, auch für Kaffee und Gebäck verkaufende Geschäfte in der Umgebung: Das Warten aufs Kabel lohnt, falls tatsächlich mal alle Zapfhähne besetzt sind. Die maximale Standzeit ist auf zwei Stunden begrenzt.

Von Gedrängel allerdings kann noch keine Rede sein. Für die Stadtwerke fahren aktuell zwei kleine Elektroautos. Ein drittes in Gestalt eines Nissan-Kastenwagens ist bestellt und soll bald geliefert werden. Bei der Wohnbau gibt’s einen Elektro-Golf, wobei auch hier weitere Anschaffungen aus dem Bereich der Nutzfahrzeuge für die Stadt-Enkelin Immoserve im Gespräch sind. Wie viele reine Stromer das private Mühlheim samt Umfeld besitzt, ist statistisch zwar nicht erfasst. So oder so bräuchte es aber selbst in der Summe einen großen Zufall, um an den Säulen eine Warteschlange zu sehen. Selbst wenn der Durchgangsverkehr wirklich anhält.

Kleine Elektroautos für die Stadt

Am Pionier-Standort Brückenmühlparkplatz geht’s deutlich gemächlicher zu. Die Säule hier ist nicht auf Tempo gebürstet, sondern eher für Zwischenladungen geeignet. Das nutzen nicht viele; Kressel spricht von „ein, zwei Ladevorgängen pro Tag“. Demnächst werde ein neues Modell installiert. Auch das werde aber nicht fürs Schnellzapfen konzipiert sein. Dafür ist auf dem Brückenmühlparkplatz aber auch das von einem Gehäuse vor Dieben geschützte Laden von Elektrofahrädern, Handys und Tablets möglich.

Das wiederum geht an der Station in der Dietesheimer Straße nicht. Initialzündung für das gemeinsame Projekt von Wohnbau und Stadtwerken war der Umzug der Wohnungsbaugesellschaft ins einstige Feuerwehrdomizil nebenan. In „nachbarschaftlicher Kooperation“ entstand das Konzept, auf einer kleinen stadteigenen Brache zwischen den Liegenschaften der städtischen Gesellschaften eine E-Tankstelle einzurichten.

Bürgermeister Tybussek freut sich mit Kressel und Wohnbau-Chef Ingo Kison. Das sei ein Beitrag für eine umweltgerechtere Stadt, ein Anreiz für den Umstieg aufs Elektroauto und „ein weiterer Baustein auf dem Weg in die Mühlheimer Zukunft“.

Gebrauchte Elektroautos: Das sind die beliebtesten Modelle

Eben die soll künftig auch mit Geld zu tun haben. In der Einführungsphase verschenken die Stadttöchter den Strom noch an die Nutzer. Wie lange sie dauert, wird davon abhängen, wann die Mühlheimer Station an den bundesweit 2000 Ladepunkte umfassenden Stadtwerke-Verbund ladenetz.de angeschlossen wird. Ab dann wird – bis zur Aufrüstung der Messtechnik in der Säule erstmal pauschal pro Tankvorgang und nicht per Kilowattstunde – abgerechnet. Das funktioniert wahlweise mit einer Ladekarte oder mit einer Internet-App fürs Handy.

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