26. Steinbruch-Festival

Tanzen im Strandsand

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Die Band Makia begeisterte das Publikum beim 26. Steinbruch-Festival am Grünen See mit südamerikanischen Rhythmen.

Mühlheim - Der Kulturverein Artificial Family hat am Wochenende sein 26. Steinbruch-Festival mit 15 Bands und Discjockey-Teams an drei Tagen veranstaltet. Auf dem hügeligen Gelände am Grünen See entspannten auch viele Familien mit Kindern. Von Michael Prochnow 

Funken sprühen aus dem Lagerfeuer am Aufgang zum höchsten Punkt des Areals. Jemand legt frisches Holz nach. Dahinter zeigt ein Paar zwei Kindern, wie sie Wollfäden um ein kleines Holzkreuz legen und so mit einer Auswahl an Perlen einen Traumfänger herstellen. Dahinter liegen Besucher auf gepolsterten Matten in orientalisch anmutenden Zelten mit Wänden aus Teppich und Tuchware. Dazu wird Kakao gereicht, Kaffee und Tee mit oder ohne Rum.

Von der Bühne des 26. Steinbruch-Festivals dringen Gitarrenklänge und Liedfetzen nach oben, die nächste Band durchläuft gerade den Soundcheck. Makia ist dran, und der Sänger begrüßt sein rares Publikum überschwänglich auf Deutsch und Spanisch. Sofort bewegen sich Menschen aus allen Teilen des Geländes auf die hell erleuchtete Bühne zu, folgen der Aufforderung des Sängers, im Strandsand zu tanzen. Wer einen der hölzernen Klappsessel oder gar eine Liege auf dem Grasstreifen ergattert hat, verfolgt das Geschehen aus erhöhter Perspektive.

Viele Fans des Musikfestes haben alle drei Tage am Grünen See gebucht, haben sich wie erfahrene Camper mit warmen Jacken und Salat in Plastikschüsseln eingedeckt. Doch das Angebot der Theken der „Artis“ ist nicht zu verachten, es reicht von Bio-Limonade und allerlei Biersorten über Sekt und Wein bis hin zu Cocktails: Cuba Libre, Caipirinha und Mojito passen wie die Faust aufs Auge zu den Latino-Rhythmen vieler Bands.

Makia kommen zwar aus Friedberg, Frankfurt und Rödermark, wuchern aber mit den südamerikanischen Wurzeln der meisten Mitglieder. Sie haben die Feier zum Silber-Jubiläum des Vereins im vergangenen Jahr mitgestaltet und standen darum ganz oben auf der Wunschliste von Ralf Heininger. Das Urgestein der „Family“ hat das Programm zusammengestellt. „Makia war gesetzt, dann hab’ ich geschaut, welche Gruppen dazu passen.“ So erfüllen diesmal weniger kreischende Metal-Organe das Naherholungsgebiet, sondern flotte und entspannte Melodien.

Makia verbreitet viel gute Laune, setzt Akzente mit seinem starken Bläsersatz und einem dominanten Bassspiel. Noch hocken viele Besucher vor der Glotze am Eingang zwischen den Verpflegungsständen, doch mehr und mehr lassen sich von den Melodien der Südländer vor die Bühne locken. Mehr als 300 tummeln sich am Samstagabend auf dem Gelände, am Freitag war es nur die Hälfte. Das lag vielleicht an der frischen Witterung, nicht aber an der Musik.

Bilder: Steinbruch-Festival am Grünen See

Das Programm startete druckvoll mit Bass, Schlagzeug und Gitarre, die Band Frau Ruth eröffnete den Reigen mit kernigem Rock. Es folgten Die Shenks mit deutschen Texten. Die Formation spielte vor sieben Jahren das letzte Mal, jetzt trafen sich die Obertshausener zu einem Comeback. The Black Me glänzte mit Olli Rüger vom Tonstudio Bieber, der auch einige der teilnehmenden Bands produziert. Der Fall Böse hatte sich 2017 aufgelöst, jetzt legten zwei DJs auf.

Der Samstag begann mit der Friday Session, Gruppierungen, die in der „Artificial Family“ spielen, marokkanische Takte und Weltmusik interpretieren und improvisieren. Gastone machte seine Zuhörer mit Folk-Rock vom Balkan bekannt, Malaka Hostel begeisterte auch mit Hip-Hop, in Armagiddeon Discotheque einten DJs die Scharen zum Finale bei House und Reggae.

Der Sonntag startet gemütlich mit deutschsprachigem Rythm-And-Blues, die Songwriterin Salma mit Sahne verbreitete sowohl deutsche als auch englische Texte. In der Arti-Band-Experience versammelten sich wiederum Gastgeber mit viel Perkussion, Latin- und Etno-Klängen, Brasil- und Underground-Stil. Französischen Soul und Hip-Hop spielte Passepartout. Und mit Reggae und Ska von The Unduster klang das 26. Festival aus.

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