Corona-Krise

Das Team des Schanz nutzt die Zwangspause zum Umbau: „Mit Kreativität kann man viel machen“

Erinnerungen an „König Henninger“: Die Standuhr und die MS Rumpenheim will Yannic Bill erhalten. 
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Erinnerungen an „König Henninger“: Die Standuhr und die MS Rumpenheim will Yannic Bill erhalten. 

Die Corona-Krise setzt den Kneipen zu. Was macht das Schanz in der Krise? Das Team nutzt die Zwangspause zu Umbauarbeiten. 

Mühlheim – Was macht eine Kleinkunst- und Kultkneipe in Zeiten von Corona? - Klar, sie steht still. Ihre Macher keineswegs: Im Schanz ergreifen sie gerade die Gelegenheit beim Schopfe, putzen, streichen und renovieren, was das Zeug hält

Dabei ersteht „König Henninger“ wie Phoenix aus der Asche. Elemente aus den Kulissen erinnern künftig an das bierselige Musical, das mit dem Wahrzeichen der Mühlenstadt verbunden ist wie die S-Bahn.

Auslöser für diesen Schritt war ein ganz banaler: Die Requisiten sollten aus dem Bühnennebenraum verschwinden, um Platz für Instrumententaschen und Kleidung der Künstler zu schaffen. Doch, anstatt die Kunstwerke zu entsorgen, entschlossen sich die Geschäftsführer, mit ihnen Gastraum und Biergarten aufzuwerten. Schanz-Gesellschafter Yannic Bill ging noch zur Schule, als XXL-Barde Rudi Eitel Loblieder auf den Gerstensaft schmetterte.

„Das schafft Identität“, ist sich Bill einig mit Thorsten Bauch sowie Matthias Spahn und Klaus Schmitt, dem Duo Ohrenschmaus. Die drei haben sich ins zweite Glied der Leitung der Kulturstätte zurückgezogen, sorgen dafür, dass sich der Internet-Auftritt stets auf dem aktuellen Stand befindet. An die Geschichte mit dem „König“ erinnern dagegen die „Zeitmaschine“ überm Eingang zu den Toiletten, das „U-Boot MS Rumpenheim“ vor der nun meerblauen Wand im Biergarten, daneben die „Standuhr“ mit dem Ziffernblatt-Türchen und zwei Bühnentreppen, die als Sitzgelegenheit dienen.

Die Mannschaft startete im Hof, hat den Sockel und die Fahrradständer gestrichen. Die beiden Olivenbäume hat Bill mit Fotos auf dem Telefon und Fernanleitung durch Gartenbauer Thorsten Ehmann geschnitten. Das indirekte Licht liefern fortan neue, steuerbare LED-Lampen, die Metall-Blender wurden gesäubert, erhalten vielleicht noch einen anderen Anstrich.

Im Gastraum hat die Truppe Schäden an Tischen und Stühlen ausgebessert. Zudem wurden die gesamten Freiluftmöbel gereinigt, die Metallstühle geölt. Auf der Bahnseite des Biergartens haben sie Gestrüpp beseitigt und den Erdhang abgetragen, ein Rund aus Wackersteinen geformt und mithilfe des Bauunternehmers Alex Kostic mit Split aufgefüllt. Jetzt gilt es noch, lose Natursteinplatten zu verlegen, dann kann die Fläche im Sommer für eine Sitzrunde oder als Bühnenfläche für Lesungen genutzt werden.

Der Streifen wurde nach Plan begrünt, bietet weitere Sitzflächen. An der Bar würde Yannic Bill am liebsten eine Mini-Lagune anlegen, verrät er. Die Hütte mit den Theken erhielt ebenfalls frische Farbe und lässt sich jetzt auch zur Gartenseite hin öffnen. „Mehr Durchzug erleichtert dann die Arbeit der Mitarbeiter“, sagt der Chef. Schließlich steht der Pizza-Holzofen in einem komplett neuen Unterstand, den Handwerker montiert haben. Die Kollegen würden noch gerne den morschen Zaun zum benachbarten Freiluftmuseum austauschen.

Zurück im Inneren – dort haben die Mitstreiter das Kühlhaus saniert, in der Küche eine alte Kühltheke grundgereinigt und installiert und Wärmelampen montiert. „Die Abläufe bei der Speisenzubereitung lassen sich deutlich einfacher gestalten“, erläutert der Schanz-Sprecher. „Wir sind kein Sterne-Restaurant, aber die Service-Qualität lässt sich trotzdem verbessern“, findet auch Mitgesellschafter Andi Jung, „mit Kreativität kann man viel machen“.

Zusammen mit den vier festen Mitarbeitern Leandra Nagel, Marvin Kleindienst, Jan Siebert und Koch Tobias Schmitt sind sie in Kurzarbeit. Dazu kommen fast 20 Aushilfen, von denen manche auf den Job angewiesen sind. „Ich will alles tun, um sie zu bezahlen“, versichert Bill. Das geht, sobald die von Bund und Land aufgelegten Soforthilfen eintreffen. „Wir sind unseren Stammgästen für ihre Unterstützung und Solidarität sehr dankbar.“ Das Lob gelte auch der Stadtverwaltung, die ihnen unbürokratisch und mit gutem Rat zur Seite stehe und angesichts der Situation sehr früh die Vereinszuschüsse überwiesen habe.

Und dann ist da noch Hans-Günter Zach. Der Träger des Ehrenbriefs der Stadt, des Verdienstordens der Bundesrepublik und des Deutschen Bürgerpreises für soziales Engagement fördert das Schanz-Konzept von der ersten Stunde an. So gewährt er dem Team bereits seit 2017 eine Mietreduzierung und verzichtet für April und Mai angesichts der Folgen der Pandemie gänzlich auf die Mietzahlung. Bill selbst hat eine Spendenaktion im Internet – ein Crowdfunding –, für den Erhalt des Kultur-Standorts gestartet.

Von Michael Prochnow

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