Der letzte Schliff

Theatergruppe „QUER-BEET“ steht kurz vor Premiere ihres neuen Stücks

Im Stück „Erpresser & Co.“, das die Theatergruppe „QUER-BEET“ auf die Bühne bringt, arbeiten Verbrecher und Bestatter Hand in Hand.
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Im Stück „Erpresser & Co.“, das die Theatergruppe „QUER-BEET“ auf die Bühne bringt, arbeiten Verbrecher und Bestatter Hand in Hand.

Die einen widmen sich einem dubiosen Metier, die anderen bringen Menschen unter die Erde. Erpresser und Bestatter arbeiten im neuen Stück der Theatergruppe „QUER-BEET“ Hand in Hand, was aber nicht jeder der Protagonisten weiß.

Mühlheim – Außerdem gilt, je kürzer die Ehe, desto geringer das Leid. Für Sonntag, 3. November, steht die Premiere auf dem Plan. Eigentlich gehört es sich, wenn jemand mitbekommt, dass eine Ehefrau eine sinnliche Parallelbeziehung führt, zur Seite zu schauen und die Erkenntnis zu beschweigen. In „Erpresser & Co.“, der Kriminalkomödie von Hans Schimmel, bekommt die Bande um den zwielichtigen Boris davon Wind, dass sich eine Tennis spielende Gattin-, von Regina Music gemimt, mit ihrem Trainer nicht nur zum Sport trifft. Die Bande sichert ihr zwar Diskretion zu, aber nur, wenn sie ordentlich dafür bezahlt. Die Erpresser und das Bestattungsunternehmen Bangemann hoffen auf Synergieeffekte und bilden eine Bürogemeinschaft.

Im Moment verpasst die Mühlheimer Theatergruppe „QUER-BEET“ bei den Proben auf der Bühne im Gemeindezentrum von St. Markus der Kriminalkomödie den letzten Schliff. Regie führt Gabi Schmunck. Sie war es auch, die vor zwanzig Jahren einen wie Lothar Juli ansprach, ob er bei „QUER-BEET“ mitspielen wolle. Der 56-Jährige hatte damals bei der Sakropop-Gruppe Exodus den Job des Tontechnikers, was auch Julis Berufsbild entspricht.

In Laienspielgruppen sind Männer ähnlich Mangelware wie in Tango- oder Yogakursen. Die „kleine Rolle“, die Schmunck offerierte, stellte sich dann jedoch als gar nicht so klein wie gedacht heraus. Schnell gehörte Lothar Juli zum festen Stamm von „QUER-BEET“.

Wenn im Staatstheater Darmstadt die Intendanz ein personalintensives Stück wie „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats“ auf den Plan setzt, quält sich kein Dramaturg mit der Frage, „können wir das bewältigen?“. Hingegen heißt es für Laiengruppen fast immer, „erst mal umschreiben“. So stehen im Original von „Erpresser & Co.“ für die beiden Ermittler zwei Männerrollen, mangels Optionen mutieren die zwei bei „QUER-BEET“ zu Kommissar Kleinlich und seiner Assistentin Miesling, die sich in einer illustren Kombination aus Ausgehuniform der NVA und bundesdeutscher Polizeimütze kleidet.

Juli erzählt, wie er sich auch im Vorfeld zur jetzigen Probenphase erst mal 20 Stücke anschaute. Drama oder absurdes Theater kommen für eine Formation wie „QUER-BEET“ nicht infrage. Der Fokus liegt auf Boulevardkomödien. „Wenn der erste Lacher zehn Seiten auf sich warten lässt, kann man das Buch zur Seite legen“, nennt Juli ein Ausschlusskriterium. Dijana Seiwerth agiert in einem Küchenkittel, der schon in den 70er-Jahren eher bedingt als schick galt. Die Welt auf Hessisch kommentierend, spielt die Mühlheimerin unter Erpressern und Bestattern die Putzfrau. Dijana Seiwerth kam über ihre Teilnahme bei „Gott – ein Musical“ zu „QUER-BEET“, das die katholischen Kirchengemeinden St. Markus und St. Maximilian Kolbe 2014 in der Willy-Brandt-Halle aufführten. Im Laientheater von St. Markus spielte bereits Tochter Hanna Seiwerth mit. Als Spezialist für Akzente gilt Thorsten Weber, der diesmal den Boris, den osteuropäischen Kopf der Erpresserbande gibt.

Im Beerdigungsinstitut taucht eine Witwe auf, die nicht zum ersten Mal die Dienste eines Bestatters für einen Gatten ordert. Die Frage, ob ihr Mann vor seinem Tod arg leiden musste, verneint die Frau gelassen, „nein, wir waren nicht lange verheiratet“.

Gezeigt wird „Erpresser & Co.“ im Gemeindezentrum St. Markus (Pfarrgasse 2) an den Sonntagen 3. und 10. November jeweils um 18 Uhr und am Samstag, 9. November, um 20 Uhr. Karten verkauft der Mühlheimer Buchladen (Bahnhofstraße 17).

VON STEFAN MANGOLD

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