Seltenes Hobby

Ein Traum vieler Mädchen

Neben vier Schlafzimmern und einer Speisekammer hat Sylvia Mottners Puppenhaus auch jeweils ein Wohn-, Kamin-, Ess- und Bügelzimmer sowie ein Bad, eine Küche und einen Vorraum. 
+
Neben vier Schlafzimmern und einer Speisekammer hat Sylvia Mottners Puppenhaus auch jeweils ein Wohn-, Kamin-, Ess- und Bügelzimmer sowie ein Bad, eine Küche und einen Vorraum. 

Sylvia Mottners Hobby verlangt viel Liebe zum Detail. Das übergroße Puppenhaus der Dietesheimerin ist im ständigen Wandel.

Mühlheim – Geschmückte Nordmann-Tannen, Adventskränze, weihnachtliche Girlanden und Geschenke. Spätestens beim Anblick der Puppenstube von Sylvia Mottner wird jedem klar: Es weihnachtet sehr.

Es ist wohl der Traum vieler Mädchen, den die gebürtige Dietesheimerin sich erfüllt hat. In ihrem mehr als einen Meter breiten und 1,36 Meter hohen Puppenhaus beherbergt sie gut 30 Puppen. Natürlich sei das Miniatur-Haus damit „weihnachtlich gequetscht“, aber wenn die Zimmer leer stünden, sehe es auch langweilig aus, findet die examinierte Kinderkrankenschwester, die mittlerweile in der Altenpflege arbeitet. Auch auf Facebook bekomme sie in Gruppenchats ähnliche Rückmeldungen. So habe ein Gleichgesinnter beispielsweise geschrieben: „Da müsstest du eigentlich noch anbauen.“ Dieser Meinung ist auch Sylvia Mottner – ihr Mann Jörg, der da aber ein Wort mitzureden hat, ist es nicht. Allerdings seien auch der Außenbereich, der sich neben dem Haus erstreckt, und der darauf befindliche Wohnwagen nicht geplant gewesen. Ihrem Mann, der selbst gerne campt, hätte es allerdings auch gefallen. „Am besten, man stellt ihn einfach vor vollendete Tatsachen – oh, das darf er aber nicht lesen“, sagt die Dietesheimerin und lacht.

Die Altenpflegerin spielte bereits als Kind begeistert mit Puppen und Barbies – die Idee für ihr Puppenhaus hatte sie allerdings erst 2013, als eine Bekannte ihr einige Puppen mitsamt Einrichtung schenkte. Daraufhin wich die Vitrine auf der Kommode im Wohnzimmer dem Puppenhaus.

Nachdem ein Versuch ihres Mannes, das Haus aus festem Schaumstoff selbst zu bauen, nicht geglückt war, kaufte sie den Bausatz, aus dem die Stube besteht. Ihr Mann, beruflich passenderweise Maler und Tapezierer, tapezierte die Zimmer und verlegte die Böden und Stromleitungen. Anschließend mussten noch Fenster und Türen her – ein teurer Spaß. Viele Einrichtungstücke jedoch macht die Dietesheimerin einfach selbst. Der Comic „Asterix bei den Goten“ etwa, den eine Puppe liest, besteht nicht nur aus Titel- und Rückseite, sondern ist auch auf jeder anderen Seite aufklappbar. Besonders stolz ist die Besitzerin auf den ersten Schrank, den sie selbst gebaut hat, die gebastelten Hanni-und-Nanni-Bücher und die Wandbilder, die in – ausnahmsweise gekauften – Miniatur-Bilderrahmen hängen. Diese sind nämlich allesamt echte Fotos, die teils aus ihrer Kindheit, teils aus Urlauben und sogar von ihrer und der Hochzeit ihrer Eltern und Schwiegereltern stammen. Für viele Gegenstände nutzt die Hobbybastlerin „Fimo“, eine Art feste Knetmasse. Die Inspiration dafür holt sie sich oft im Internet.

Dabei sei sie mitunter sehr erfinderisch: Als Duschkopf etwa dient ein kaputter Kopfhörer. Von dem Gewinn des Offenbach-Post-Jackpots (wir berichteten) soll nun bald der Boden des Kaminzimmers neu verlegt werden.

Ist der Winter dann um, wird abgestaubt und umdekoriert: Die Winterwiese weicht einem Spielplatz, die Puppen wechseln ihre Kleidung und die Stube kriegt einen österliches Flair.

VON LUCY GÄBLER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare