Erhalt des Wahrzeichens gesichert

Mühlheim übernimmt die Mühle

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Die Brückenmühle , hier das Mühlrad als „jüngstes“ Bauteil, musste nicht lange am relativ rauschenden Bach Rodau klappern, bis aus dem „Eigentumstransfer“ was wurde.

Mühlheim - Die Mühlheimer Brückenmühle wird Mühlheims Brückenmühle. Bürgermeister Daniel Tybussek bestätigte gestern auf Anfrage, dass es gelungen sei, „Mühle, Wohnhaus, Hof und Insel in städtisches Eigentum zu bringen.“ Von Marcus Reinsch 

Der Magistrat habe am Montag den entsprechenden Beschluss zur Übernahme des städtischen Wahrzeichens gefasst. Einen Kaufpreis nannte Tybussek nicht. Und das wäre auch nicht möglich. Denn es handelt sich streng genommen nicht um einen Kauf, sondern um ein sogenanntes beschleunigtes Umlegungsverfahren. Das bedeutet, stark vereinfacht, eine Neudefinition der Eigentumsverhältnisse im dann neu aufgeteilten Gesamtareal mit dem Einverständis der Erben von Antonie Krebs, der vergangenes Jahr verstorbenen letzten Müllerin Mühlheims. Sie bekommen keinen Kaufpreis, sondern eine Entschädigung, die nur einen Bruchteil der ursprünglich von einem Makler für das Gesamtpaket aufgerufenen 750.000 Euro ausmachen dürfte.

Till Böttcher, Sachgebietsleiter der Liegenschaftsverwaltung und Wirtschaftsförderer, spricht von „einem vergleichsweise geringen finanziellen Aufwand“, der als Grundlage zum dauerhaften Erhalt und zur öffentlichen Zugänglichkeit der Mühle nötig sei. Verhandelt zwischen Stadt und Erben wurde schon seit Monaten. Tybussek empfand diese Gespräche als „konstruktiv und angenehm“, wofür er Ulrike Kunig, einer Nichte von Antonie Krebs, dankt. Kunig hatte den festen Willen, aus dem Erbe nicht mit Gewalt und gegen die Bedürfnisse der Mühlheimer Kapital zu schlagen, in unserer Zeitung bereits vor gut einem Jahr zu Protokoll gegeben. Und so kommt es nun auch: „Die Erben der Mühle waren sich der Bedeutung und Tragweite bewusst und haben das öffentliche Interesse jederzeit respektiert und ernst genommen“, würdigt Tybussek.

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Die Brückenmühle samt Wohnhaus wird also aus dem Gesamtareal herausgelöst, sodass zwei separate Bauplätze übrig bleiben, die die Eigentümerin getrennt verkaufen kann. Zum Beispiel an private Häuslebauer, die sich in der einzigartigen Lage ein Heim schaffen können. Auch darüber machen bereits Gerüchte die Runde; seriös zu vermelden ist aber noch nichts. So schön die Mühle ist und so identitätsstiftend für Mühlheim, das seinen Namen dem einstigen Mühlenreichtum verdankt, so schwierig ist sie als Immobilie. Sie ist das letzte voll funktionsfähige Exemplar im Kreis, ist Anziehungspunkt am Mühlentag, wird vom Geschichtsverein wie ein Schatz gehütet und steht unter Denkmalschutz.

Der daraus folgende Zwang zur auch historisch korrekten Erhaltung schreckt Interessenten oft ab, weil der Gestaltungsspielraum im Korsett der Auflagen relativ klein ist, die Kosten aber groß sein können. Was die Sanierung der mit aktuellen Ansprüchen etwa an den Energieverbrauch kaum auf einen Nenner zu bringende Mühle kosten wird, ist unklar. Für Tybussek beginnt nach dem Eigentumsübergang, der bis Jahresende erfolgen soll, die Arbeit erst. „Es hat absolute Priorität, die Substanz der Gebäude und die Funktionsfähigkeit der Mühle zu erhalten.“ Außerdem könne jetzt das langjährige Ziel der Einrichtung eines Mühlenmuseums umgesetzt werden. Die nächsten Monate würden zeigen, wie hoch im Detail Sanierungsbedarf und Instandhaltungsaufwand sind.

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Darüber hinaus gebe es etliche Ideen und Visionen, die es zu ordnen gelte. „Vielleicht können sogar Trauungen auf dem Areal stattfinden oder langfristig eine Brücke vom Brückenmühlparkplatz zur Mühle realisiert werden.“ Dabei will Tybussek vor allem auf das Engagement der Bürger setzen. „Ich bin stolz und froh, dass wir mit unserem Geschichtsverein einen aktiven Verein in unserer Stadt haben, der sich seit Jahren für den Erhalt der Mühle einsetzt und mit seinen Führungen bereits wichtige Beiträge leistet.“ Er werde sicher eine zentrale Rolle einnehmen.“ Außerdem sei geplant, im Jubiläumsjahr der Stadt eine Bürgerstiftung zu gründen, die sich auch der Heimatpflege widmet. Sie könnte Spenden einsammeln.

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