Kinder und Jugend

Übungen per Bildschirm: TSV und TG Lämmerspiel bieten ihren Nachwuchsturnern Online-Sport an

Sport am Bildschirm: Die Trainerinnen zeigen den Teilnehmern Übungen, die sie zu Hausen nachturnen können.
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Sport am Bildschirm: Die Trainerinnen zeigen den Teilnehmern Übungen, die sie zu Hausen nachturnen können.

Die Arme ausstrecken, in Schulterhöhe halten und so auf der Stelle hüpfen. Dann den „Hampelmann“ machen. Nächste Übung: Hocksprung, aus der Tiefe in die Höhe schnellen. Jessica Andersen verfügt über deutlich mehr Platz als die Kinder zu Hause vorm Bildschirm. Die Übungsleiterin der gemeinsamen Turnabteilung von TSV und TG Lämmerspiel hat in der Halle am Offenbacher Weg einen Laptop auf einen Kasten aufgebaut und wippt auf weichen Matten.

Mühlheim – „Sie haben natürlich nicht so viel Platz daheim“, weiß die Trainerin, die von den sechs- bis zehnjährigen Mädchen nur Jessy gerufen wird. Entsprechend wählen sie und ihre Assistentinnen Sophie Meinel und Sina Beheim Übungen aus, die man auch vor der Kamera in einem kleinen Kinderzimmer ausführen kann. Nach so vielen Wochen, in denen sich die Sportgruppen nicht treffen konnten, fehlen den Schülerinnen Barren, Balken, Bank und Trampolin, berichten sie immer wieder ihren Turn-Lehrerinnen.

Jessy zeigt in Zeitlupe Liegestütz-Varianten, spricht langsam, deutlich und in kurzen Sätzen. Das sei wichtig, damit ihre Anweisungen über die Notebooks und Tablets ankommen. Sophie verfolgt die Ausführungen ihrer Schützlinge, gibt einzelnen Aktiven Tipps, wie sie Füße, Beine und Hüfte bewegen sollen. Das klappt nicht immer perfekt, aber die jungen Talente sind doch froh, dass sie sich wenigstens auf diese Weise sehen können.

„Es ist auf jeden Fall besser als gar nichts tun“, unterstreicht Jessica Andersen. Sie möchte die Kinder aufbauen, „sie spüren schon selbst, dass sie nichts gemacht haben“, beobachtet die Erzieherin. „Wenn’s in der Halle mal wieder losgeht, müssen wir nicht bei null anfangen“, argumentiert Jessica Andersen für den Kompromiss Videokonferenz.

Die drei jungen Damen haben vor dem Online-Training die Eltern gebeten, Matte, Kissen und ein Getränk bereitzustellen. „Ich kann schon ein Rad“, heischt ein kleines Mädchen um Aufmerksamkeit. Andere haben die Kamera ausgeschaltet. „Ein Spagat ist einfach zu zeigen“, gibt die Leiterin ein weiteres Beispiel, für das keine physische Hilfestellung geleistet werden muss wie bei einem Handstand. Und Krafttraining funktioniert mit gefüllten Wasserflaschen in den Händen.

Klar, die Rückenschaukel auf dem Fliesenboden tut weh und kommt daher nichts ins Programm. Die engagierte Trainerin von der Turngemeinde hat viele Anregungen von anderen Teilnehmern an Fortbildungskursen gesammelt, steht zudem im Austausch mit den Kameraden in der Abteilung.

„Tschüss, Max und Mara, tschüss, Emelie.“ Lange winken Jessica und Sophie den 13 Teilnehmerinnen des 60-minütigen Trainings zu. Jetzt hoffen sie auf „grünes Licht“ von der Vereinsführung, damit sie bald wenigstens im Freien wieder starten dürfen. „Wir könnten joggen und spezifischer auf die Kinder eingehen.“ Und vielleicht gibt es auch noch ein Hallen- oder Gaukinderturnfest ...  (Von Michael Prochnow)

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