Gastronomie

Unerschütterlicher Optimismus: Quartett wagt im Naturfreundehaus „Am Maienschein“ gastronomischen Neustart

Neustart im Naturfreundehaus: Alexander und Sandra Langlitz (rechts) sowie Benjamin und Miryam Turbanisch wollen Am Maienschein baldmöglichst loslegen.
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Neustart im Naturfreundehaus: Alexander und Sandra Langlitz (rechts) sowie Benjamin und Miryam Turbanisch wollen Am Maienschein baldmöglichst loslegen.

Andere schließen – sie öffnen! Während nach den jüngsten Verordnungen viele Wirte geneigt sind, Theken, Tische und Terrassenmöbel endgültig einzumotten, bereiten zwei Ehepaare einen Neustart in Küche und Kolleg vor. Sandra und Alexander Langlitz sowie Miryam und Benjamin Turbanisch machen gerade das Naturfreundehaus „Am Maienschein“ fit, um dort bald wieder Gäste empfangen zu können.

Mühlheim – Ihr stärkstes Werkzeug: ein unerschütterlicher Optimismus. Die jungen Ehepaare glauben fest daran, dass es bald ein Leben nach dem Lockdown geben wird. Obwohl es seit gestern noch mehr danach aussieht, dass es bald viele Kneipen und Restaurants nicht mehr geben könnte, ist das Quartett fest entschlossen, zum 1. Mai zumindest in dem weitläufigen Biergarten auf dem Gelände an der Stadtgrenze wieder Gästen zu bewirten.

Ihre Zuversicht rührt vielleicht aus ihrer gastronomischen Erfahrung: Sie führten vier Jahre ein Café gegenüber dem Finanzamt in Offenbach. Seit 2019 sind Langlitz und Turbanisch zudem in der Eventbranche tätig, richten Veranstaltungen aus, gestalten Messestände und bieten einen Catering-Service an, verleihen Hüpfburgen und Popcorn-Maschinen.

Die beiden Männer kennen sich von der Berufsschule, haben Ausbildungen zu Hotel- und Restaurantfachmann absolviert. Jetzt bewähren sie sich gerade als Bodenverleger, Maler und Inneneinrichter. Der Raum rechts der Küche soll seinen rustikalen Charakter behalten, sind sich die neuen Pächter und Gerd Katzmann vom Vorstand der Naturfreunde einig. Im linken Saal werden die Trennelemente erhalten, um bei Bedarf einen weiteren Versammlungsort zu gewinnen.

Ansonsten bleibt nichts, wie es war. Die künftigen Wirtsleute ersetzen die in die Jahre gekommenen Böden, legen Wände und Decken neu an und installieren passende Leuchtkörper. Die alten Sitzbänke werden geschliffen, lackiert und versiegelt, Tische und Stühle werden möglicherweise durch neues Mobiliar ersetzt – das steht noch nicht fest.

Die Theke zum nördlichen, kleineren Gastraum soll wieder geöffnet und mit einer Holzblende versehen werden, skizzieren die Macher ihr Vorhaben, das sie mit Familie und Freunden verwirklichen wollen. Ein Kutschen-Speichenrad soll den urigen Stil unterstreichen. Das Zimmer war früher der Treffpunkt der Raucher, erläutert Katzmann, darum müssen jetzt auch die Spuren beseitigt werden, die das Nikotin hinterlassen hat.

„Die Küche ist gut ausgestattet“, lobt Benjamin Turbanisch, „sie muss nur grundgereinigt werden“. Allerdings brauche das Herzstück der Einrichtung neue Kühlgeräte und einen neuen Backofen, ergänzt Alexander Langlitz, der mit seiner Familie schon Mitglied der Naturfreunde ist. Auf den 50 und 70 Quadratmetern im Inneren sowie auf rund 2 000 Quadratmetern im Freien, zwischen Kletterwand und Spielplatz, möchte das Team Spezialitäten einer kleinen Karte servieren.

Die Vier wollen mit Salaten, Flammkuchen, Handkäs’, Hackbraten, Bratwurst und Burger im Biergarten starten. Sollten die Einschränkungen bestehen bleiben, wollen es die Gastronomen mit dem Verkauf von Leckereien aus ihrem Foodtruck, einer Küche im Lastwagen, versuchen. Später soll die Karte um Pfannengerichte und Knödel sowie Kaffee-Leckereien erweitert werden. „Wir stehen zur deutschen, regionalen Küche“, bekennt Turbanisch, und so könnte 2022 auch das 100-jährige Bestehen der Naturfreunde gefeiert werden. (Von Michael Prochnow)

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