Idee verwirklicht

Zeit für Erfindergeist: Ungewöhnlicher Gesichtschutz in Zeiten von Corona

Frank Deiß legt seiner Lebensgefährtin Sonja Bennig ein „PET Face Shield“ an. Foto: m

Keine Frage – mit dem Corona-Zeitalter ist der große Moment für all die Daniel Düsentriebs gekommen. Fantasie und Erfindergeist sind gefragt, vor allem für die Produktion von Schutzmasken für Mund und Nase.

Mühlheim – Politiker haben diesen Weg diese Woche zur Eindämmung der Corona-Pandemie erkoren. Frank Deiß von der Mühlheimer Firma Mefatech vertreibt Medizintechnologie und Druckerfarben. Vom Rodgauer Unternehmen Seufert GmbH bietet er jetzt ein  „PET Face Shield“ an.

„Es sind manchmal Kleinigkeiten“, staunt der Geschäftsmann in einem Hinterhof am Zeppelinring selbst über die Idee der Firma Seufert. Der Betrieb aus Rodgau ist spezialisiert auf Kunststoffverpackungen. Das schlichte Gesichtsschild besteht nur aus zwei Komponenten: einem zwei Drittel großen Kreis mit zwei Auslassungen auf beiden Seiten oben. In die werden die Laschen eines Bands gezogen, das um den Kopf geführt und festgezurrt wird. Beide Teile sind aus Polyethylenterephthalat, bekannt von der „unkaputtbaren“ und vielfach verwendbaren PET-Flasche. „Dieses Material ist zertifiziert und umweltfreundlich, kann in den gelben Sack geworfen werden“, argumentiert der Dietesheimer. „Das Shield ist verträglich, das Plastik stinkt nicht und der Grundstoff ist verfügbar, kann im Land hergestellt und verarbeitet werden, muss also nicht lange Transportwege zurücklegen.“

Es werde auch kein Gummiband benötigt, das reißen könnte. Der Schutz ist 300 Mikrometer stark und 40 Gramm leicht, kann flach hingelegt und so einfach gereinigt werden. „Das ist hygienisch besser und preislich günstig“, wirbt Deiß. Zusätzliche Arbeitsschritte und Lieferanten seien nicht nötig, „alles kommt aus einem Haus“. Und das kann bis zu 300 000 Stück pro Tag produzieren, 5000 pro Stunde.

All diese Vorteile waren für Deiß entscheidend, als Zwischenhändler zu fungieren: „Es passt alles“, findet Deiß. Kurz vor der Wiederöffnung der Läden bot er das Face Shield einer Geschäftsführerin an, die mehrere Schuh-Läden leitet. „Sie war total begeistert und hat gleich 100 Stück für ihre Filialen mitgenommen.“ So könne sie die gesetzlichen Vorlagen erfüllen.

Mefatech könne die Artikel „für kleines Geld, kommissionieren, in Einheiten von 20 Stück verpacken und versenden“, sagt Deiß. In die Kartons legt er noch Gebrauchsanweisung und Sicherheitsdatenblatt. Für Großhändler stehen freilich andere Formate bereit. Wie bei den Druckerpatronen sei zudem ein sogenanntes Drop Shipping möglich, also der Versand im Auftrag und mit dem Etikett anderer Händler.

„Wir befinden uns aktuell in der Angebots- und Prüfphase“, sagt Deiß. Er habe bereits medizinische Zertifikate beantragt. Der Rodgauer Hersteller hat zudem ein Nachfolgemodell namens "LiSa" zum Patent angemeldet. Das Shield  kann auch bedruckt werden, auf die ersten Modelle hat die Firma den Wunsch „bleib gesund“ in mehreren Sprachen aufgebracht.

Noch gingen keine riesigen Aufträge bei Deiß ein. Aber durch seine Kontakte in die Medizinbranche brachte der Mefatech-Chef das Produkt schon in die ersten Kliniken und in die Praxis eines Gesichtschirurgen. Von Apothekern und Buchladen liegen Anfragen vor. Doch um Umsatz und Gewinne geht es Deiß und seiner Lebensgefährtin Sonja Bennig nicht. „Es ist der Gedanke, ich helfe Euch“, betonen beide.

Infos im Internet unter mefatech.de oder telefonisch unter der 06108 824311.

Masken in der Schule: Unter Auflage strenger Corona-Regeln startet der Unterricht an der Friedrich-Ebert-Schule in Mühlheim bei Offenbach. 

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