Spitzenabend zum Finale

Vierter „Hofsommer on tour“ mit Sax Power auf Mühlheims Einkaufsmeile

Musiker spielen auf Instrumenten, Menschen schauen zu und tanzen
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Mitreißende Melodien boten die Musiker der Gruppe Sax Power beim vierten „Hofsommer on tour“ auf der Bahnhofstraße. Die Veranstaltungsreihe fand auch am ungewohnten Ort guten Zuspruch.

In Mühlheim war wieder „Hofsommer on tour“. Zum Finale gab es eine Vorstellung in der Mühlheimer Einkaufsmeile.

Mühlheim – Für Gerlinde Belz war der „Hofsommer on tour“ eine „Spitzentour“. Die Geschäftsfrau aus der Marktstraße hätte es zum Gemeindezentrum der katholischen Pfarrgemeinde St. Markus näher gehabt. Wie weit mehr als 100 andere Passanten auf der Bahnhofstraße genoss sie am Mittwochabend „Freiheit, Kreativität und Begegnungen mit Musik und Menschen“ beim letzten Auftritt der geschrumpften Sommer-Reihe.

Zum Finale hatte das Organisationsteam um Claudia Oberbeck die Formation Sax Power in den Knick von Mühlheims Einkaufsmeile eingeladen. Neun Männer und eine Frau um Saxofon-Legende Norbert Zabolitzki aus Seligenstadt bewegten sich und ihre Zuhörer mit ihren Holzblasinstrumenten und kräftigem Schlagwerk zu prominenten Hits.

Die vergnügte Gruppe schlich im Takt des „Pink Panther“ übers Pflaster, flitzte mit „The Race“, der Titelmelodie der einstigen Musiksendung „Formel 1“, und erinnerte mit einem anderen bekannten Rhythmus an den Einsatz von 007 James Bond. Die mitreißenden Musiker aus der Einhardstadt und dem Ostkreis unterhielten clownesk, verfolgten musizierend Spaziergänger und verehrten mit artistischen Verrenkungen ältere Damen in Campingstühlen vor Schaufenstern.

Echte Hofsommer-Profis waren freilich mit dem Klappmöbel ausgestattet, führten Bier, Wein und Schampus in unauffälligen Kühltaschen mit. Besucher, die gut drauf oder frisch verliebt sind, wagten auch ein Tänzchen auf der Straße – natürlich korrekt mit Mund-Nase-Bedeckung. Dazu rief Sprecherin Oberbeck vor der Vorstellung wieder mit Nachdruck auf: Maske tragen oder Abstand einhalten, in die Liste auf dem Bistrotisch eintragen, wo auch ein Spender zur Handdesinfektion bereitstand.

Das ist der Preis für den Kompromiss, den die katholische Kirchengemeinde eingegangen ist. Die abendfüllende Gemütlichkeit mit internationalen, kulinarischen Spezialitäten unter der Trauerweide am Gotteshaus war den Planern verwehrt. „Aber wir sind nicht gut im Nichts-Tun“, beschrieb Claudia Oberbeck die Motivation ihrer Gruppe.

Daher arbeiteten die Christen an einem Konzept. Denn auch jetzt ist nicht alles verboten, und viele Gäste haben sich mit den Vorgaben arrangiert. Bei allen vier Hofsommer-Terminen nutzten sie die Gelegenheit zum Plausch, spendeten diesmal einem humorvollen Ensemble viel Applaus, filmten die Szenerie mit ihren Smartphones und blieben länger als das Programm dauerte.

„Die Regeln des Bistums sind sehr streng“, erläuterte Gemeindemitglied Karl-Heinz Schmunck. „Doch viele Musikgruppen haben keine Auftrittsmöglichkeit und haben beim Veranstaltungsteam nachgefragt.“ Franz-Peter Ackermann bestätigte die Linie der Gastgeber: „Das ist eine klasse Idee, man darf nicht einfach aufgeben“, meinte er.

„Gerade in der Corona-Zeit brauchen wir Abwechslung.“ Seniorin Gisela Demling war schon zum dritten Mal mit dem Fahrrad und einigen Freundinnen aus Hausen gekommen. Regisseurin Oberbeck fand jeden Hofsommer-Abend toll. „Es ist wichtig, dass wir nicht in Vergessenheit geraten“, sagte sie: „Aber Einnahmen für den Erhalt des Gemeindezentrums kommen bei dieser Version nicht rein.“ (Von Michael Prochnow)

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