„Wir alle lieben unser Lämmerspiel“

Großes Interesse an Info-Veranstaltung zur Entwicklung des Waitz-Geländes in Mühlheim

Viel Gesprächsbedarf: Mühlheimer Bürger äußern in der Willy-Brandt-Halle ihre Bedenken zu der Entwicklung des Waitz-Geländes.
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Viel Gesprächsbedarf: Mühlheimer Bürger äußern in der Willy-Brandt-Halle ihre Bedenken zu der Entwicklung des Waitz-Geländes.

In der voll besetzten Willy-Brandt-Halle stellen die Bürger reichlich Fragen zur Zukunft des Waitz-Geländes.

Mühlheim – In Mühlheim dauern nicht nur Parlamentssitzungen stets ein bisschen länger. Auch die Infoveranstaltung des Magistrats zur Entwicklung des Waitz-Geländes am Dienstagabend hatte mit rund drei Stunden Überlänge. Zumindest, wenn man die zunächst angepeilten 90 Minuten als Richtwert nimmt. Aber dafür hatten die (coronabedingt nur) 190 Bürger in der voll besetzten Willy-Brandt-Halle reichlich Fragen an den neuen Eigentümer, den Architekten und auch an den Rathauschef.

Es geht schließlich nicht nur um die Neugestaltung von Lämmerspiels Ortskern, wenn das renommierte Landhaus Hotel Waitz nach mehr als 100 Jahren zum 31. Oktober die Pforten dichtmacht. Es geht auch um Verkehrsbelastung, Parkplätze, möglicherweise viele Neubürger, Kita- und Schulplätze, Geschosshöhen. Und um Liebe. Die Liebe zu Lämmerspiel, die Liebe zum rund 10 000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Bischof-Ketteler- und Dietrich-Bonhoeffer-Straße, die Liebe zum Landhaus Waitz.

„Wir alle lieben unser Lämmerspiel. Wie können sie verantworten, mit ihrem Vorhaben unsere Liebe zu Lämmerspiel wegzunehmen.“ So lautete der emotionale Vorwurf eines Bürgers in der an die Präsentation angeschlossenen Fragerunde an das Septett auf der Bühne. Auf der saßen neben Bürgermeister Daniel Tybussek, Erstem Stadtrat Dr. Alexander Krey, Till Böttcher, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften auch die beiden Geschäftsführer von der Wohnkompanie Rhein-Main, Iris Dilger und Sven Ehnert.

Die Wohnkompanie hatte, wie berichtet, das Areal von Steffen Waitz gekauft. Die ersten Ideen hatten wir gestern vorab in unserer Zeitung präsentiert. Ebenfalls auf dem Podium saßen die Architekten Michael Landes und Eleonore Gotting, die ihre Gedanken zu dem Areal mit Skizzen auf der Leinwand untermauerten. Landes und die Eigentümer machten deutlich, dass sie das Gelände im Einklang mit der Umgebung entwickeln wollen, prägnante Element wie die Hecke vor den Tennisplätzen, die Eingangstore oder einige Bäume erhalten wollen. Auch die Vorgaben aus dem Aufstellungsbeschluss hatte das Architekturbüro versucht, einzuarbeiten. Diese lauten etwa das „EdVino“ zu erhalten, Durchgangsverkehr zu vermeiden und ein dem Umfeld gerechtes Stellplatzkonzept zu entwickeln. Alle auf dem Podium machten immer wieder deutlich, dass das Projekt noch ganz am Anfang sei und dass bei den Stadtverordneten im Bebauungsplanverfahren durch den vor der Sommerpause gefassten Aufstellungsbeschluss die Entscheidungshoheit liege.

Das wollten einige im Saal dem Podium aber nicht abnehmen. Dass man noch ganz am Anfang des Verfahrens stehe, „glaubt ihnen kein Mensch“, rief ein Bürger Richtung Rathauschef und unter Applaus. Die Furcht vor einem „profitgierigen Investor“, einem „Getto mit 150 Wohnungen“, vor einer zweiten „Traveller- oder Bender-Bebauung“ wurde erwähnt, ebenso der Wunsch nach einer „Seniorenresidenz Waitz“ in den vorhandenen Bestandsgebäuden.

Warum sie denn die Katze im Sack gekauft haben, wenn vieles noch unklar sei, wollte ein Bürger von den Eigentümern wissen. Iris Dilger sagte, die Wohnkompanie kaufe gerne schöne Grundstücke ein mit dem Ziel, eine schöne Wohnbebauung umzusetzen.

Günther Seidenberger, der zusammen mit Albert Maier fast 300 Unterschriften gesammelt und verknüpft mit Forderungen unter der Überschrift „Lämmerspiel aktiv gestalten“ dem Magistrat übergeben hat, sagte: „Wenn wir keine Veränderungen haben, sind wir sehr zufrieden.“ Es gehe um „die Vernichtung des Besten, was die Gemeinde zu bieten hat“. Und um Zumutbarkeiten der Anwohner. Bürgermeister Tybussek entgegnete: „Wir brauchen Wohnraum, sonst finden Menschen, die hier aufgewachsen sind keine Wohnung mehr.“

Seidenberger und Maier wollen nun eine Online-Petition starten, in der jeder mit einem einfachen Ja oder Nein die nun bekannt gewordenen Ideen bewerten kann. Seidenberger meint: „Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem alle Magistratsmitglieder ihre parteipolitischen Interessen über Bord werfen sollten, um zusammen mit den Einwohnern eine gute Entscheidung zu treffen.“

(Von Ronny Paul)

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