Stadtwerke Mühlheim: Wasserverbrauch in den vergangenen Wochen gestiegen

Der Weg des Wassers: Im 1912 errichteten Turm wird das Wasser gespeichert. Stephan Petri (unten rechts) zeigt die Steueranlage im Bauwerk. Zuvor wird das Nass im Wasserwerk aufbereit, Wolfgang Kressel schaut sich die sogenannte Stripp-Anlage an, die Michael Fritsch im Kontrollraum überwacht. 
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Der Weg des Wassers: Im 1912 errichteten Turm wird das Wasser gespeichert. Stephan Petri (unten rechts) zeigt die Steueranlage im Bauwerk. Zuvor wird das Nass im Wasserwerk aufbereit, Wolfgang Kressel schaut sich die sogenannte Stripp-Anlage an, die Michael Fritsch im Kontrollraum überwacht. 

Auch die Stadtwerke in Mühlheim spüren, wenn wegen des Coronavirus mehr Leute tagsüber zu Hause sind als im Büro.

Mühlheim – Was passiert, wenn die Wasserversorgung in Mühlheim nicht rund läuft, haben die Stadtwerke jüngst am Ostermontag erfahren. Bereits ab 7 Uhr morgens liefen die Telefone heiß, weil der Wasserdruck rund um die Bahnhofstraße niedrig war (wir berichteten). Ein Rohr war innerhalb eines Abwasserkanals gebrochen, was es für die Mitarbeiter der Stadtwerke erschwerte, den Schaden zu lokalisieren, da nichts an die Oberfläche gelangt ist. „Ich bin jetzt 35 Jahre dabei“, sagt Stephan Petri, „aber dass der Wasserdruck in so einem großen Gebiet weg ist – das hatten wir noch nie“, erinnert sich der Technische Leiter der Gas- und Wasserabteilung bei den Stadtwerken. „Sonst merken wir es am gesteigerten Verbrauch, aber nicht am Druck.“

Stadtwerke Mühlheim bemerkt erhöhten Wasserverbrauch in der Corona-Krise

Wenn es um den Weg, den das Wasser in Mühlheim von den sieben Trinkwasserbrunnen bis in die Haushalte nimmt, geht, ist Petri der richtige Ansprechpartner. Seine Arbeit und die seiner sieben Kollegen ist systemrelevant. Ohne Wasser geht nichts. Der erhöhte Verbrauch in der Krisenzeit dokumentiert das. „Die, die sonst in Frankfurt bei der Arbeit auf die Toilette gehen, machen das nun tagsüber zu Hause“, sagt Wolfgang Kressel. Der Stadtwerke-Geschäftsführer nennt einen während der Corona-Krise um rund 300 Kubikmeter erhöhten Wasserverbrauch in der Mühlenstadt, der sonst im Schnitt bei 3800 am Tag liegt.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass die dafür zuständigen Mitarbeiter auch gesund bleiben. Petri hat sein Büro vorübergehend von der Dietesheimer Straße ins Wasserwerk verlegt, um so eine Infektionsgefahr zu verringern. Im Wasserwerk arbeitet sonst nur der Anlagenmechaniker Michael Fritsch und wacht über die Sauberkeit des kostbaren Guts, das härteren Verordnungen unterliegt als Mineral- oder Tafelwasser. Auf der Anlage an der Friedensstraße könne man sich gut aus dem Weg gehen, sagt Petri. „Wir versuchen, die Teams aktuell so weit wie möglich auseinanderzuziehen“, betont Kressel, weiß aber auch zu gut: „Wasserversorgung im Home Office geht leider noch nicht.“ Die Arbeit muss vor Ort gemacht werden. So wie Ostermontag, als das Team sich mit speziellen Mikrofonen auf die Suche nach dem Rohbruch gemacht hat.

Doch mal abgesehen vom möglichen Druckabfall sei die generelle Trinkwasserversorgung der Stadt immer gewährleistet, es gebe kein Ereignis, was sie lahmlegen könnte, beruhigt Kressel. Bei einem Stromausfall gebe es ein Notstromaggregat und eine Verbindung nach Offenbach, die eine gegenseitige Unterstützung gewährleiste und es gebe immer einen Notfalldienst.

Auch ein „Pseudomonas aeruginosa“ kann die Versorgung nicht lahmlegen. 2018 hatten die Stadtwerke zur Bekämpfung des Keims das Wasser mit Chlor versetzt und so das Problem gelöst. Eine für solche Fälle konzipierte Chlor-Reinigungsanlage stelle eine Fachfirma innerhalb von 24 Stunden bereit, sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer. Auf die Reinigung des Wassers mit Chlor wird übrigens seit Ausbau des Wasserwerks 1993 verzichtet. Die Desinfektion erfolgt nun mittels UV-Strahler.

Stadtwerke Mühlheim: Sieben Trinkwasserbrunnen

„Einmal“, kramt Petri einen Fall aus den 1990er Jahren aus seinem Gedächtnis, „hatten wir mit der Wasserversorgung ein Problem“. Da hatte ein Bagger ein Kabel gekappt und einen flächendeckenden Stromausfall verursacht. „Das Wasser war zwar da, aber kein Druck“, erinnert sich der 56-jährige Mühlheimer, „da hatten wir ganz schön zu kämpfen“.

Von den sieben Trinkwasserbrunnen der Stadt, die aus bis zu 60 Metern Tiefe im Waldgebiet östlich von Markwald sowie zwischen den Bahnschienen und dem Sportzentrum an der Anton-Dey-Straße das Nass fördern, gelangt das Wasser ins Werk an der Friedensstraße. Dort durchläuft es zwei Aufbereitungsstufen, zunächst werden Stoffe wie Eisen und Mangan mittels Luft aus dem Wasser geblasen und in Kiesfiltern aufgefangen. In Stufe zwei werden in der sogenannten Stripp-Anlage chlorierte Kohlenwasserstoffe entfernt und das Rohwasser mit Kohlensäure angereichert, erläutert Petri. Anschließend fördern Pumpen das Wasser durch vier Aktivkohlefilter, bis es schließlich in der Stripp-Anlage entkeimt wird.

Nun spricht man von Trinkwasser, was über Pumpen ins 86 Kilometer lange Rohrnetz gelangt. Alles Überschüssige wird im Wasserturm an der Bahnhof-Nordseite gespeichert. Der Stadtteil Lämmerspiel wird allerdings vom Zweckverband Wasserversorgung Offenbach (ZWO) versorgt. Auch ein Anteil des in Mühlheim und Dietesheim in die Haushalte fließenden Wassers kommt vom ZWO. „Wir könnten uns selbst versorgen, aber das Wasser ist zu hart“, erläutert Kressel, was meint, es ist zu kalkhaltig. Es gibt zwar keine Grenzwerte für die Wasserhärte, doch für die Verbraucher sei es weicher angenehmer. Daher werde das Mühlheimer Nass aus den Brunnen mit Fremdwasser des ZWO angereichert, informiert Petri.

Das Rohr an der Bahnhofstraße übrigens beschäftigt die Mitarbeiter der Stadtwerke länger, als ihnen lieb ist. Der Fall sei komplizierter als gedacht, sagt Kressel. Die Ersatzteile seien nicht so schnell lieferbar gewesen. „Wir hoffen, es in dieser Woche fertig zu bekommen.“

Von Ronny Paul

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