„Nach einem Monat ist Schluss“

Weniger Besucher auf Wochenmarkt als sonst

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Unsichere Zeiten: Auch auf dem Wochenmarkt ist die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus allgegenwärtig.

„Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen. “ Auch die Verkäuferin am Honigwagen hat keinen neuen Ratschlag und verweist auf eine Plastikflasche, die gut sichtbar hinter der Theke bereitsteht.

Mühlheim – „Es halten sich nur viele nicht dran“, kritisiert die Imkerin im Gespräch mit einem älteren Herren. Derweil warten weitere Kunden in gebührlichen Abstand, bis der Senior seine Neugier gestillt hat. Die Beschicker des Wochenmarkts an der Bahnhofstraße stehen einem geänderten Verhalten der Einkäufer gegenüber.

Ein Meer aus kunterbunten Sträußen in flachen Eimern bedeckt das Pflaster. Das Bild weckt Frühlingsstimmung. Vom gelben Karton prangen günstige Preise, trotzdem weist der blühende Teppich kaum Löcher auf. Kurz vor Schluss sind noch fast alle Gebinde da. „Das Geschäft läuft schleppend“, ruft die blonde Verkäuferin über ihre farbenfrohe Ware hinweg. Ihren Laden bei Schlüchtern mussten sie schließen, der Freiluftverkauf ist weiterhin gestattet. „Wir haben keine Ahnung, wie’s weitergeht“, berichtet die Verkäuferin von vergeblichen Anrufen bei Ämtern und Behörden. „Es gibt einfach keine klaren Informationen.“ Sie hofft nun, dass der Wochenmarkt erhalten bleibt. „Wir kaufen nur ein, was läuft“, erklärt sie und nennt Tulpen, Primeln und Stiefmütterchen, die beim sonnigen Wetter gut gehen.

Auch das Geschäft des Metzgers aus Kalbach läuft „eher ruhig“. Aber: „Wer kommt, kauft mehr“, berichtet der Fleischer und wendet sich wieder seiner Kundin zu. Krautwickel hat er keine, „wir kommen nicht hinterher“, entschuldigt er das Fehlen der Leckerei. Macht nichts, die Dame entscheidet sich für Fleisch-, Leber- und Bauernwurst, Pastete und Aufschnitt. Ihr Ehemann schiebt noch ein paar Dosen Konservenwurst über die Theke zur Kasse.

„Was die Leute jetzt kaufen?“ Dorothea Maus hat eine klare wie knappe Antwort auf die Frage parat. „Kartoffeln. Kiloweise.“ Und die Knollen sind da, kann sie ihre Kunden beruhigen. „Viele sind verunsichert, manche sogar aggressiv“, berichtet sie von ihren Erfahrungen der jüngsten Tage.

Renate Schwinn hält daheim in Höchst im Odenwald Hühner, und die legen eben Eier – unbeeindruckt vom Coronavirus. Aber auch die Käufer haben ihre Gewohnheiten nicht geändert und holen die Eier. Nur das Odenwälder Apfelgelee geht gerade nicht so gut, Schwinn zeigt auf ein paar Gläser.

Auch Caglar Bozkurt bedient weniger Kunden. Jene, die ihm die Treue halten, bevorzugen seine Oliven in den verschiedenen Geschmacksrichtungen, den Schafskäse, „eben alles, was lang hält“, begründet er die Auswahl. Auch das Fladenbrot erfreue sich großer Beliebtheit. Wie lange er den Schwund an Einnahmen noch durchhält? „Die Kosten für den Betrieb laufen weiter“, betont er. „Nach einem Monat ist Schluss.“

Bei den Fachgeschäften beiderseits der Hauptschlagader der Mühlenstadt ist schon jetzt Schicht im Schacht, sie müssen ihre Läden geschlossen halten.

VON MICHAEL PROCHNOW

Ein Ehepaar aus Mühlheim (Kreis Offenbach) will sich den Traum vom Eigenheim erfüllen. Aber ein Verfahrenspfleger vom Nachlassgericht legt Beschwerde ein - mit schweren Folgen.

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