20 Monate Haft

Richter verurteilt Mühlheimer: „...sonst kiffen Sie wieder“

Mühlheim - Auf Bewährung konnte der Mühlheimer so oder so nicht hoffen. Schließlich hat er seine letzte Bewährung vermasselt und sitzt schon in Haft. Am zweiten Prozesstag seines aktuellen Falls vor dem Offenbacher Schöffengericht gesteht er Drogenhandel. Von Stefan Mangold 

Dafür gibt’s 20 Monate Haft, ergänzt um eine Therapie.
Am ersten Tag der Verhandlung gegen einen 34 Jahre alten Drogen-Bauern aus Mühlheim hatte sein Rechtsanwalt Kai Guthke das Ergebnis eines Gutachtens bezweifelt. Seine Verteidigung beruhte vor allem darauf, dass der Angeklagte, in dessen Wohnung Ermittler 1,4 Kilo Cannabispflanzen und kleine Mengen Amphetamin gefunden hatten, selbst drogenabhängig sei. In einer Haarprobe, die von einer Entnahme zwei Monate nach seiner Inhaftierung stammt, fanden sich zwar minimale Spuren von Amphetamin, aber keine von Cannabis.

Die Zweifel des Verteidigers lassen sich nachvollziehen. Sein Mandant ist bis unter die Halskrause wegen Drogendelikten vorbestraft und wirkt überhaupt nicht wie jemand, der zwar Haschischhandel betreibt, aber einen zirkulierenden Joint brüsk von sich weist.

Tatsächlich wird Richter Manfred Beck am Ende der toxikologischen Erklärungen von Dr. Alexander Paulke konstatieren, das sich mit dem Gutachten des Frankfurter Instituts für Rechtsmedizin tatsächlich nichts anfangen lasse. Bestimmte Handlungsweisen könnten einen Nachweis verhindern, führt Paulke aus. Darunter fallen etwa Blondieren oder Waschen mit Eiern. Zudem wachse das Haar bei manchen Leuten außergewöhnlich schnell. Die Haarentnahme nach zwei Monaten fand also möglicherweise zu spät statt.

Anwalt Guthke legt das Schreiben einer Therapieeinrichtung vor, aus dem hervorgeht, sein Mandant könne dort aufgenommen werden, sobald die Kostenübernahme bewilligt sei. Anschließend schlägt Guthke ein Rechtsgespräch vor. Die Intention: Der Verteidiger will eine Strafe von nicht über zwei Jahren erreichen. Das öffne die Option einer stationären Therapie statt Knast.

In der Pause erzählt die Mutter des Angeklagten, seine letzte Bewährungsstrafe habe ihr Sohn wohl so aufgefasst, „dass ihm schon nichts passiert“. Sie hätte sich im Rückblick eine Therapieauflage gewünscht.

Im Rechtsgespräch einigen sich derweil Verteidiger, Staatsanwalt, Schöffen und der Richter auf ein Urteil zwischen 16 und 24 Monaten ohne Bewährung. Im Gegenzug gesteht der Angeklagte über seinen Anwalt, kleine Mengen an Bekannte verkauft zu haben. Der Staatsanwalt fordert letztlich 20 Monate Gefängnis. Er attestiert dem Angeklagten ein hohes Rückfalltempo. Der Haftbefehl sei aufrecht zu halten, solange er noch keinen Therapieplatz habe.

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Verteidiger Guthke erklärt, sein Mandant sitze das erste Mal im Gefängnis, „das hat ihn sichtlich beeindruckt“. Er habe sich ungewöhnlich engagiert, um einen Therapieplatz gekümmert. Der Handel habe sich im engen Kreis abgespielt, „da ging es um Mengen für drei Euro“. Sein Mandant wisse, dass das jetzt „seine allerletzte Chance“ sei. Der Angeklagte ergänzt: „Sonst ist es vorbei.“ Sein Anwalt hält 18 Monate Gefängnis für genug.

Richter Manfred Beck erklärt, das Gericht habe beim ersten Prozesstermin einem Zeugen nicht geglaubt, weil der im Widerspruch zu einer damaligen polizeilichen Vernehmung behauptet hatte, beim Angeklagten keine 44 Gramm Marihuana gekauft zu haben. Den bescheidenen THC-Gehalt von 1,5 Prozent der Cannabispflanzen sieht Beck dadurch verursacht, „dass die noch nicht voll entwickelt waren“. Er rät dem Angeklagten, „sich am Riemen zu reißen“. Wenn er aus der Therapie abhaue, „findet die Polizei Sie“. Er rate ihm dringend, sich in der Therapie nicht verführen zu lassen, „denn da kann es immer einen geben, der sagt: ‘Lass uns im Garten einen kiffen’“.

Beck und die Schöffen verhängen 20 Monate Haft wegen Handel und Besitz in nicht geringer Menge. Der Haftbefehl bleibt bestehen, „sonst kiffen sie sofort wieder“.

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Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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