Vom Baum in die Flasche

Mühlheimer Kita-Kinder lernen mit dem Nabu alles über die Herstellung von Süßem

Anstrengung, die sich lohnt: Gemeinsam mit Pauline Hainz, die beim Nabu ihren Bundesfreiwilligendienst verrichtet, pressen die Kinder der Glühwürmchen-Gruppe Äpfel zu Maische.
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Anstrengung, die sich lohnt: Gemeinsam mit Pauline Hainz, die beim Nabu ihren Bundesfreiwilligendienst verrichtet, pressen die Kinder der Glühwürmchen-Gruppe Äpfel zu Maische.

Wie Störche staksen sie durch das hohe Gras. Manche mühen sich an kleinen Maschinen, zwei stehen auf Aluminiumleitern und recken sich in die Baumkronen, andere wuchten Körbe über den unebenen Boden. Eigentlich bräuchten die „Glühwürmchen“ gar keine Früchte zu pflücken – der Boden ist übersät von Obst. Aber die Gruppe der Kindertagesstätte „Wilde Zwerge“ sollte den Weg des Apfels vom Baum in die Flasche kennen lernen und übte die Schritte gestern mit Mitgliedern des Naturschutzbundes (Nabu) auf dem Gailenberg.

Mühlheim – „Nach der Ernte ist vor der Ernte“, lautet eine der Erfahrungen, die Ernst von Hermanni vom Nabu in den acht Jahren der Aktion auf Mühlheims höchstem Berg gesammelt hat. Also reinigt er die Geräte gründlich und lagert sie übersichtlich ein. „Trotzdem habe ich heute Morgen nach dem falschen Trichter gegriffen“, ärgert er sich. Mit dem roten Plastikteil wird normalerweise Vogelfutter abgefüllt, für die Flaschen ist es zu groß.

Macht nix, irgendwie gelangt der süße Saft ins Glas. Aber bis es Saft ist, müssen sich die Drei- bis Sechsjährigen ganz schön anstrengen. Einige der 14 Mädchen und Jungen holen die prallen Früchte auf einer Leitersprosse stehend mit der Hand von den Ästen. Später zeigt Peter Rosenbaum ihnen, wie sie die Stange mit dem Pflückernetz dran verlängern und vom Boden aus ernten können.

Dann werden die Äpfel zu zwei Erzieherinnen an einem Tisch gebracht. Sie halbieren oder vierteln die stattlichen Exemplare. In diesem Jahr fällt der Ertrag rekordverdächtig aus, bemerken die Fachleute. Allein die Namen der Sorten fehlen ihnen. Egal, die Stücke kommen jetzt in den Häcksler. Von Hermanni und die „BuFDis“ Pauline Hainz und Kevin Dahinten, die über den Bundes-Freiwilligen-Dienst zum Nabu gekommen sind, helfen den Kindern. Kraft ist gefragt, um die großen Apfelteile zu Maische zu verarbeiten. Die Schnitzel kommen in die Presse, ein Deckel und viele Holzklötzchen drüber. Mit den Eisenstangen Marke Eigenbau erhöht sich die Hebelwirkung, trotzdem müssen auch bei diesem Arbeitsschritt die Erwachsenen mitanpacken, damit unten der Süße in den Topf tröpfelt.

Die „Glühwürmchen“ klauben aber auch Äpfel auf und stecken sie in Netze, die in die Dietesheimer Landkelterei gebracht werden. Die Gebrüder Böhm lassen die mühselige Arbeit von der Streuobstwiese von mächtigen Maschinen erledigen und liefern das leckere Getränk in die Kita. Wegen Corona durfte diesmal nur eine Gruppe mitmachen, erläutert Bernard McDermott, der stellvertretende Leiter der „Zwerge“. „Im Supermarkt steht alles fertig verpackt“, begründet er das Projekt mit dem Nabu. „Hier bekommen die Kleinen einen Einblick, mit wie viel Arbeit die Herstellung verbunden ist.“

Und noch etwas registrieren die Kinder schnell: „Der Selbstgepresste schmeckt viel mehr nach Apfel!“ Das Team ist so vertieft in die Arbeitsschritte, dass sie selbst die lästigen Wespen nicht mehr bemerken. Auch für einen kleinen Streit sei zwischen den Bäumen und der Presse kein Platz, ergänzt McDermott. (Von Michael Prochnow)

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